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China will Videospiele strenger regulieren - Technologie-Aktien auf Talfahrt
China will Gamerinnen und Gamer enger an die Kandare nehmen - und hat damit die Aktienkurse großer Technologiekonzerne der Volksrepublik auf Talfahrt geschickt. Der von der staatlichen Regulierungsbehörde am Freitag veröffentlichte Beschränkungsentwurf sieht vor, dass sogenannte In-Game-Käufe stärker reglementiert werden und obsessives Spielverhalten unterbunden wird. Außerdem haben die Behörden weiterhin Spieleinhalte im Visier, in denen sie eine Gefahr für die "nationale Sicherheit" sehen oder die "dem nationalen Ansehen und den nationalen Interessen" schaden.
China hatte bereits 2021 Einschränkungen für minderjährige Gamerinnen und Gamer erlassen. Seitdem dürfen Kinder und Jugendliche nur noch drei Stunden pro Woche spielen - und zwar freitags, samstags und sonntags jeweils von 20.00 bis 21.00 Uhr. Offiziell begründet wurde der Schritt mit Anti-Sucht-Maßnahmen.
Zuletzt hatte es gleichwohl Anzeichen gegeben, dass die Videospielbranche etwas aus dem Fokus der Behörden herausgerückt sein könnte. So hatte etwa der oberste Verband der Spieleindustrie des Landes im vergangenen Jahr bekanntgegeben, dass China das Problem der Videospielsucht von Jugendlichen "gelöst" habe.
Dementsprechend kalt erwischt zeigten sich die Branche und Anleger nun nach der Ankündigung neuerlicher Einschränkungen, die nicht nur Minderjährige, sondern alle Nutzerinnen und Nutzer betreffen sollen und sich unter anderem dagegen richten, dass Videospiele beispielsweise mit Belohnungen für tägliche Anmeldungen auf eine möglichst lange Login-Zeit abzielen; auch Pop-up-Meldungen, die vor "irrationalem" Spielverhalten warnen, sind vorgesehen.
Es habe bislang "kaum Anzeichen" dafür gegeben, dass ein solcher Schritt bevorstehe, kommentierte am Freitag Marktanalyst Michael Brown von Pepperstone die Entwicklung. Die Pläne der Regulierungsbehörde schienen daher ein "erheblicher Schock" für die Märkte zu sein. Das "klare Signal", das von der Ankündigung ausgehe, sei "dass das weitreichende Durchgreifen gegen die Tech-Branche noch andauert und möglicherweise sogar aggressiver wird", sagte Brown der Nachrichtenagentur AFP.
Die Anteilsscheine chinesischer Technologieriesen verzeichneten am Freitag herbe Verluste. Branchenführer Tencent musste in Hongkong bis Handelsschluss ein heftiges Minus von mehr als zwölf Prozent einstecken, was auf dem Papier nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg einen Aktienwert von 54 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) pulverisierte. Die Aktien des Tencent-Konkurrenten Netease gaben gar um fast 25 Prozent nach, XD verlor 19 Prozent.
Nach Einschätzung von Analysten steckt hinter den geplanten Einschränkungen womöglich der Versuch, die Konsumausgaben der chinesischen Verbraucherinnen und Verbraucher in andere Teile der schleppenden Wirtschaft zu verlagern. Auch eine Reaktion auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit hält Brown von Pepperstone für möglich. Die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen wird vom nationalen Statistikamt seit Monaten nicht mehr gesondert ausgewiesen. Im Juni lag sie bei über 21 Prozent.
Für die Spielefirmen bedeuten die geplanten Einschränkungen nach Angaben von Zeng Xiaofeng von der Analysefirma Niko Partners, dass sie ihre "Monetarisierungsmodelle" überarbeiten müssen. Dies schließe auch die Art und Weise ein, "wie sie Geld von verschiedenen Spielergruppen verlangen", sagte er Bloomberg.
Für einige unabhängige Spieleentwickler könnten sich die Vorschriften jedoch als Chance erweisen. Cheng Gong, Chef des in Chengdu ansässigen Studios Hanjia Songshu, äußerte die Hoffnung, dass Entwickler, die mehr auf Innovation und eine qualitativ hochwertige Benutzererfahrung fokussieren, profitieren könnten.
Ch.Havering--AMWN