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Deutscher Serientäter weist Vorwurf des Mordes an Jungen in Frankreich zurück
Der wegen dreifachen Kindesmordes in Deutschland verurteilte "Maskenmann" hat vor Gericht die Verantwortung für einen Mord an einem zehn Jahre alten Jungen in Frankreich 2004 bestritten. Der 55 Jahre alte Angeklagte Martin N. verneinte am ersten Prozesstag am Dienstag in Nantes die Frage der Richterin, ob er sich zu der Tat bekenne. Er zeigte sich jedoch bereit, die Fragen des Gerichts zu beantworten. Die entkleidete Leiche des zehnjährigen Jonathan Coulom war auf den Tag genau vor 22 Jahren in einem See nahe der französischen Atlantikküste gefunden worden.
Martin N. steht im Verdacht, den Jungen aus einem Schullandheim im westfranzösischen Saint-Brévin-les-Pins entführt und getötet zu haben. Jonathans Leiche war unbekleidet und mit einem Betonblock beschwert gewesen, als sie in dem See gefunden wurde.
"Die Familie von Jonathan wartet auf ein Geständnis von Martin N. Seine Mutter sagt seit 22 Jahren, dass sie unbedingt die Wahrheit erfahren will, auch wenn es schwer zu ertragen ist", sagte die Anwältin von Jonathans Mutter, Catherine Salsac, zum Auftakt des Prozesses.
Martin N. war 2012 in Deutschland zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Der ehemalige Jugendbetreuer hatte gestanden, über mehrere Jahre hinweg immer wieder in Schullandheime und Zeltlager in Norddeutschland eingedrungen zu sein, um Jungen zu missbrauchen.
Dabei trug er meist schwarze Kleidung und eine Sturmhaube. Betroffene Kinder sprachen daher vom "Schwarzen Mann", was dazu führte, dass ihre Aussagen in mehreren Fällen nicht ernst genommen wurden.
Zwischen 1992 und 2001 tötete Martin N. drei Jungen im Alter zwischen acht und 13 Jahren. Nach der Ermordung des Jungen Dennis K. 2001 wurde die Sonderkommission "Dennis" gegründet. Dieser gelang es jedoch erst 2011, also nach zehn Jahren, den Täter zu fassen.
Als 2004 der zehn Jahre alte Jonathan in der Nacht aus dem Schullandheim an der Atlantikküste verschwand, machten die deutschen Behörden die französische Polizei auf Parallelen zu dem Fall von Martin N. aufmerksam. Diese war zunächst von einem Täter aus der Umgebung ausgegangen.
Als Martin N. 2011 in Deutschland festgenommen wurde, bestritt er, zu der fraglichen Zeit in Frankreich gewesen zu sein. Er verwies auf eine Barabhebung mit seiner Kreditkarte in Hamburg. Allerdings konnte er nicht belegen, dass er sie selbst benutzt hatte.
Ein ehemaliger Mithäftling sagte 2017 aus, dass Martin N. ihm gestanden habe, auch ein Kind in Frankreich getötet zu haben. Martin N. habe sich überrascht gezeigt, dass er nicht überführt worden sei, zumal er von einem Mann mit Schäferhund überrascht worden sei.
Tatsächlich hatte ein Landwirt aus der Region ausgesagt, am Abend der Tat einen großen Mann und ein Auto mit deutschem Kennzeichen gesehen zu haben, als er mit seinem Schäferhund unterwegs gewesen sei. Der Kofferraum des in der Nähe des Sees geparkten Autos sei geöffnet gewesen, so heißt es in der Anklageschrift.
2021 war Martin N. für einige Monate nach Frankreich überführt und angeklagt worden. Der Prozess vor dem Gericht in Nantes soll bis zum 5. Juni dauern. Dabei sollen auch deutsche Zeugen und Ermittler per Videokonferenz zu Wort kommen.
C.Garcia--AMWN