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Kolumbien von stärkstem Beben seit einem Jahrzehnt erschüttert - Mehr als hundert Tote
Kolumbien ist vom stärksten Erdbeben seit einem Jahrzehnt erschüttert worden - mehr als hundert Menschen wurden getötet. Rettungskräfte und freiwillige Helfer suchten am Montagabend (Ortszeit) teils mit bloßen Händen nach Überlebenden. Der neue Präsident Abelardo de la Espriella sprach von tausenden beschädigten oder zerstörten Häusern und rief den Katastrophenfall aus. Die USA kündigten Hilfe im Umfang von 15,5 Millionen Dollar (13,4 Millionen Euro) an.
De la Espriella sprach kurz nach dem Beben von mindestens 111 Toten und 87 Verletzten durch das Beben der Stärke 7,4, das sich am Morgen ereignet hatte. Es wurde befürchtet, dass die Opferzahl noch steigt, weil vielerorts noch Menschen vermisst wurden. Bis zum Abend wurden 47 Nachbeben registriert.
Das Beben ereignete sich um 07.34 Uhr (Ortszeit, 14.34 Uhr MESZ). Das Epizentrum lag nahe der westkolumbianischen Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einer relativ armen Region an der Pazifikküste. Gouverneurin Nubia Carolina Córdoba-Curi erklärte im Kurzbotschaftendienst X, in der Regionalhauptstadt Quibdó habe es "Verletzte und schwere Schäden an Häusern" gegeben.
"Die Menschen rannten nackt nach draußen, sie sprangen aus dem zweiten Stock ihrer Häuser", berichtete der Jurastudent Wilmer Cuesta in Quibdó der Nachrichtenagentur AFP. Auch nahegelegene Städte im Westen des Landes wurden erschüttert, in ihnen brach teilweise Panik aus.
Besonders betroffen war das für den Kaffee-Anbau bekannte Departamento Risaralda mit der Regionalhauptstadt Pereira im Westen des Landes, das auch bei Touristen beliebt ist. Dort gab es den Behörden zufolge dutzende Tote. Viele Todesopfer gab es auch im Departamento Valle del Cauca mit der Regionalhauptstadt Cali, der drittgrößten Stadt des Landes. Aus der ebenfalls in der Kaffee-Region gelegenen Stadt Manizales wurden ebenfalls Tote gemeldet.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von zahlreichen zerstörten Häusern in Cali und Manizales. In Manizales knickte unter anderem einer der Türme der bekannten Kathedrale ein. In Cali suchten Helfer nach Angaben eines AFP-Korrespondenten teils mit bloßen Händen nach Überlebenden.
Unter den hunderten Freiwilligen war Nelson Moreno, der nach einer Freundin suchte, die unter den Trümmern von zwei fünfstöckigen Gebäuden eingeschlossen war. Der Vater seiner Freundin sowie das Baby der jungen Frau seien verletzt gerettet worden, berichtete er. "Jetzt brauchen wir Taschenlampen und Schutzbrillen gegen den Staub", um die Arbeiten in der Nacht fortzusetzen.
An den kleineren Flughäfen in Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura wurde der Flugverkehr nach Angaben der Luftfahrtbehörde "aus Sicherheitsgründen" eingestellt.
"Es war ein sehr heftiger, extrem heftiger Erdstoß - Gegenstände fielen überall im Haus herunter", berichtete die 66-jährige Martha Estrada aus der Kaffee-Anbauregion. "Es gibt keinen Strom und kein Handynetz."
In Bogotá wurden Gebäude evakuiert, die Schäden in der kolumbianischen Hauptstadt beschränkten sich nach Worten von Bürgermeister Carlos Galán aber auf Risse in Gebäuden. Viele Menschen liefen in Panik auf die Straßen, als die Alarmsirenen ertönten. Die 29 Jahre alte Valeria Polo in Bogotá sagte, das Beben sei "sehr, sehr stark" gewesen.
Zahlreiche Länder boten Kolumbien nach dem Beben Hilfe an. Die USA gaben nach Angaben des Außenministeriums 15,5 Millionen Dollar frei. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die EU sei bereit, Unterstützung zu leisten. "Wir haben bereits unseren Satellitendienst Copernicus mobilisiert, um bei den Rettungseinsätzen zu helfen", schrieb sie auf X. Emotionale Unterstützung kam von Kolumbiens Superstar Shakira. Die Sängerin sandte im Onlinedienst X "meine ganze Kraft und meine ganze Liebe an meine Heimat".
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zufolge waren die Erdstöße auch in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito sowie in Panama und Venezuela zu spüren. "Wir haben es bemerkt, weil die Lampen hin und her schwankten", sagte die 66 Jahre alte Ana Hernández in der venezolanischen Stadt Maracaibo. Die Behörden in Panama erklärten, mögliche Schäden in der schwer zugänglichen Grenzregion Darién zu prüfen.
Zuletzt hatten im Juni zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 Venezuela erschüttert. Im Nachbarland Kolumbiens stieg die Opferzahl inzwischen auf über 6300, wie Parlamentspräsident Jorge Rodríguez am Montag mitteilte.
L.Harper--AMWN