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Prozess gegen "Diddy" Combs beginnt mit Auswahl der Geschworenen
Nach zahlreichen Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung hat am Montag in New York der Prozess gegen US-Rapper Sean "Diddy" Combs begonnen. Zu Beginn des Strafprozesses, der acht bis zehn Wochen dauern soll, wurden am Montag die Geschworenen ausgewählt. Ihre Eröffnungsplädoyers sollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung laut vorläufiger Planung am Montag kommender Woche halten.
Bei einer Verurteilung droht dem 55 Jahre alten Rap-Mogul lebenslange Haft. Derzeit sitzt der unter den Künstlernamen Puff Daddy, P. Diddy und Diddy bekannte Musiker im berüchtigten Metropolitan Detention Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn in Untersuchungshaft.
Combs war im September 2024 festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rapper vor, Frauen und Männer sexuell missbraucht und mit Drohungen und Gewalt zur Teilnahme an Drogen- und Sex-Partys genötigt zu haben. Mit seinem Geschäftsimperium soll er ein kriminelles Unternehmen geschaffen haben, das sich auch der Entführung, Brandstiftung, Bestechung und Behinderung der Justiz schuldig machte.
Combs weist alle Vorwürfe zurück. Auf welche Strategie sein Anwalt Marc Agnifilo setzt, wurde kürzlich bei einer Anhörung deutlich: Der Ex-Rapper habe den Lebenswandel eines "Swingers" geführt, sagte der Verteidiger - also eines Menschen, der wechselnde Partnerschaften und Sexualkontakte pflegt. Nach Agnifilos Darstellung verlief das alles einvernehmlich.
Dagegen sprechen Aussagen von Combs' Ex-Freundin, der Sängerin Casandra "Cassie" Ventura. Sie verklagte den Musiker 2023 wegen jahrelanger Misshandlungen und Vergewaltigung. Die beiden einigten sich kurz darauf auf einen außergerichtlichen Vergleich.
Seither reichten jedoch zahlreiche weitere Frauen und auch Männer Klagen wegen sexueller Übergriffe gegen den Rapper ein. Eine der Frauen gibt an, im Alter von 17 Jahren von Combs und mehreren Mittätern vergewaltigt worden zu sein. In der Folge durchsuchten bewaffnete Polizisten Combs' Luxus-Anwesen in Miami und Los Angeles.
In dem New Yorker Prozess soll Ventura als wichtigste Zeugin der Anklage aussagen. Als zentrales Beweismittel dürfte ein Überwachungsvideo aus einem Hotel dienen, das einen gewaltsamen Angriff auf Ventura im Jahr 2016 zeigt.
Zu dem Übergriff, bei dem Combs seine langjährige Freundin in einem Hotelflur zu Boden warf, sie schlug, trat und hinter sich herschleifte, kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach einer der als "Freak-Offs" bekannt gewordenen Drogen- und Sex-Partys des Rap-Moguls. Combs hatte sich nach Bekanntwerden des Videos entschuldigt und erklärt, er habe sich seither "professionelle Hilfe gesucht" und eine Therapie gemacht. Die mutmaßlichen Übergriffe gingen nach Überzeugung der Anklage jedoch weiter.
Unklar ist, in welchem Umfang das Video den Geschworenen gezeigt wird. In Voranhörungen war die Qualität der Aufnahmen einer der Streitpunkte zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Richter Arun Subramanian sagte jedoch, dass zumindest ein Teil des Videos als Beweismittel zulässig sei.
Der Prozess gegen Combs könnte ein Wendepunkt im Umgang der Musikindustrie mit #MeToo-Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe sein. Abgesehen vom Fall des R&B-Stars R. Kelly, der 2022 wegen Sexualverbrechen und Menschenhandels zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, hat die Musikbranche sich anders als die Filmindustrie in Hollywood kaum mit verbreitetem Machtmissbrauch in Form sexualisierter Gewalt auseinandergesetzt.
Aus Sicht von Caroline Heldman, die die Organisation Sound off Coalition zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch in der Musikindustrie mitbegründet hat, wirft Combs' Gerichtsverfahren ein Schlaglicht auf das verbreitete Problem in der Branche und das stillschweigende Hinnehmen sexueller Übergriffe. Vielfach sorge der Ruhm von Musik-Stars dazu, dass es ihnen an Mitgefühl mangele und sie glaubten, dass "die Regeln nicht für sie gelten".
Heldman ist im Fall Combs allerdings "zuversichtlich, dass der Gerechtigkeit genüge getan" werde. "Ich hoffe, dass das andere Überlebende dazu bringen wird, sich zu melden", sagte die Aktivistin der Nachrichtenagentur AFP.
J.Oliveira--AMWN