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Israel und Hamas setzen Krieg nach Feuerpause mit unverminderter Härte fort
Nach dem Auslaufen einer einwöchigen Feuerpause haben Israel und die radikalislamische Hamas im Gazastreifen ihren Krieg mit unverminderter Härte fortgesetzt. Die israelische Armee griff am Freitag nach eigenen Angaben "mehr als 200 Terrorziele" im Gazastreifen an, die Hamas feuerte wieder Raketen auf Israel ab. Unterdessen wurden die internationalen Bemühungen um eine erneute Waffenruhe fortgesetzt. UN-Generalsekretär António Guterres und die USA drangen auf eine neue Feuerpause.
Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas war am Freitag um 07.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 MEZ) ausgelaufen. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von Luft- und Artillerieangriffen im Norden und Süden des Gazastreifens. Gleichzeitig feuerten palästinensische Gruppen von dort Raketen auf Israel ab. In mehreren israelischen Orten in der Nähe des Gazastreifens ertönten Sirenen. Die dortigen Behörden kündigten erneut Sicherheitsmaßnahmen wie die Schließung von Schulen an.
Die Hamas "wird jetzt die Mutter aller Schläge einstecken", sagte der israelische Regierungssprecher Eylon Levy. Er schrieb die Schuld für das Ende der Waffenruhe der Palästinenserorganisation zu, weil diese "nicht alle entführten Frauen freigelassen" habe. Zudem habe die Hamas vor Ablauf der Feuerpause keine neue Liste von Geiseln übergeben, die freigelassen werden sollen. Die Hamas halte immer noch 137 Geiseln fest. Zudem habe die Hamas vor Ende der Waffenruhe eine Rakete auf israelisches Gebiet abgefeuert.
Die Hamas erklärte hingegen, sie habe Israel einen Austausch von "älteren Menschen" sowie die Übergabe der Leichen israelischer Geiseln vorgeschlagen. Israel habe darauf nicht reagiert.
Das israelische Militär teilte mit: "In den vergangenen Stunden griffen Boden-, Luft- und Seestreitkräfte Terrorziele im Norden und Süden des Gazastreifens an, unter anderem in Chan Junis und Rafah." Es seien "mit Sprengstoff präparierte Gebiete, für terroristische Zwecke genutzte Tunnel, Abschussrampen für Raketen sowie Operationskommandozentralen" der islamistischen Palästinenserorganisation getroffen worden, hieß es weiter.
Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium meldete, seit dem Ende der Feuerpause seien mehr als hundert Palästinenser getötet worden. Es gebe außerdem "Hunderte Verletzte".
Die israelische Armee veröffentlichte unterdessen eine Karte mit sogenannten Evakuierungszonen für Zivilisten im Gazastreifen. Dies solle den Bewohnern dabei helfen, zu evakuierende Gebiete im Falle eines Angriffs schneller zu erkennen.
Bewohner in verschiedenen Teilen des Gazastreifens erhielten am Freitag zudem Warnungen auf ihre Mobiltelefone. "Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte werden einen vernichtenden Militärangriff auf Ihr Wohngebiet starten, um die Terrororganisation Hamas zu eliminieren", hieß es in der Warnung, in der die Menschen zum Aufsuchen von Schutzräumen aufgefordert wurden. "Halten Sie sich von militärischen Aktivitäten jedweder Art fern", hieß es weiter. Rund zehn Minuten später waren Explosionen zu hören.
Die Feuerpause war seit Freitag vergangener Woche in Kraft. Am Donnerstag wurden noch acht israelische Geiseln freigelassen, darunter einige Doppelstaatler.
Während der Waffenruhe wurden im Rahmen einer Einigung zwischen Israel und der Hamas 80 von der Palästinenserorganisation aus Israel verschleppte Geiseln befreit, unter ihnen insgesamt 14 deutsche Doppelstaatler. Im Gegenzug wurden 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen. Außerdem ließ die Hamas 23 Thailänder, einen Philippiner und einen russisch-israelischen Doppelstaatler außerhalb der Vereinbarung frei. Fünf Geiseln waren bereits vor der Feuerpause freigelassen worden.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erklärte nach Wiederaufnahme der Kämpfe, die Regierung sei "entschlossen, die Ziele des Krieges zu erreichen". Dazu gehörten die Freilassung der Geiseln und die Eliminierung der Hamas. Es müsse sichergestellt werden, "dass der Gazastreifen nie wieder eine Bedrohung für die Bewohner Israels darstellt".
Am 7. Oktober waren hunderte Hamas-Kämpfer nach Israel eingedrungen und hatten Gräueltaten überwiegend an Zivilisten verübt. Israelischen Angaben zufolge wurden etwa 1200 Menschen in Israel getötet und rund 240 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Israel bombardierte als Reaktion wochenlang massiv Ziele im Gazastreifen aus der Luft und vom Boden aus. Angaben der Hamas zufolge, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden seitdem mehr als 15.000 Menschen in dem Palästinensergebiet getötet, unter ihnen mehr als 6000 Kinder und Jugendliche.
Trotz der Wiederaufnahme der Kämpfe wurden die Gespräche über eine erneute Waffenruhe fortgesetzt. "Wir arbeiten weiter mit Israel, Ägypten und Katar an Bemühungen, die humanitäre Pause im Gazastreifen zu verlängern", erklärte der Nationale Sicherheitsrat des Weißen Hauses.
Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warb für eine erneute Feuerpause. "In diesen Minuten müssen wir alles dafür tun, dass die humanitäre Feuerpause fortgeführt wird", erklärte Baerbock. Dies sei nötig sowohl für die verbleibenden Geiseln als auch für die notleidenden Menschen in Gaza, die dringend mehr humanitäre Hilfe benötigten.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, auch Moskau "hätte natürlich die Nachricht über eine Verlängerung der humanitären Pause bevorzugt, zumal der Prozess der Geiselfreilassungen nicht abgeschlossen ist".
Irans Außenminister Hossein Amir-Abdollahian warnte angesichts der Wiederaufnahme der Kämpfe vor "schweren Konsequenzen".
P.Stevenson--AMWN