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Baerbock ruft zu Kampf für Frauenrechte auf - Paus warnt vor Geschlechterklischees
Anlässlich des internationalen Frauentags an diesem Freitag haben deutsche Spitzenpolitikerinnen und Sozialverbände zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und zum den Kampf für weltweite Frauenrechte aufgerufen. "Frauenrechte sind weltweit ein Maßstab für den Zustand der Gesellschaften", sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in einer am Morgen veröffentlichten Videobotschaft. Frauenministerin Lisa Paus (Grüne) warnte vor einem Rückfall in traditionelle Geschlechterrollen. Pro Asyl mahnte besseren Schutz für geflüchtete Frauen in Deutschland an.
Je besser Frauen gesellschaftlich repräsentiert seien und je mehr Mittel ihnen zur Verfügung stünden, "umso stärker ist ein Land, sozial und wirtschaftlich", hob Außenministerin Baerbock hervor. "Größere wirtschaftliche Stärke, mehr innovative Ideen und Wohlstand sind nur einige Gründe, warum sich feministische Außenpolitik für alle auszahlt", sagte Baerbock weiter in dem englischsprachigen Video im Internetdienst X.
Bei weltweiter Gleichheit der Geschlechter würde sich die Wirtschaftskraft um 28 Billionen US-Dollar steigern, verwies sie auf diesbezügliche Berechnungen. Die Außenministerin rief "meine Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt" auf, durch feministische Außenpolitik ihre Länder stärker zu machen. "Bis Mädchen und Frauen gleichberechtigt an allen Tischen sitzen, bleiben unsere Gesellschaften unvollständig", schrieb Baerbock ergänzend auf X.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus warnte vor einer Wiederbelebung alter Rollenbilder. "Das ist schon so, dass manche Parteien natürlich andere Frauen- und Familienbilder haben als andere", sagte Paus den Sendern RTL und ntv. "Wenn sie auf Tiktok gehen oder so, dann stellen sie fest, diese klassischen Klischees - Was sind Frauen, was sind Männer - Das hat durchaus eine gewisse Renaissance", so die Ministerin.
Früher habe es weniger geschlechtsspezifisches Kinderspielzeug gegeben, weniger Rosa und Hellblau. "Jetzt ist es durchgängig so, dass in verschiedenen Spielkategorien sie sehr, sehr zugespitzte Spielzeuge haben für die entsprechenden Geschlechter. Und das verstärkt natürlich Klischees."
Die FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, forderte mehr Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Das sei ein Thema "so alt wie die Menschheit", werde aber trotz der jüngsten Beispiele aus Israel und der Ukraine oft ignoriert, sagte Strack-Zimmermann im TV-Sender Welt. "Bedauerlicherweise gibt es durchaus auch Frauen in Deutschland und in Europa, die das ungern hören, weil es natürlich ein Problem aufwirft, das uns alle berührt."
Beim Überfall der Hamas auf Israel und im Ukraine-Krieg zeige sich die ganze Brutalität sexualisierter Gewalt. "Man will Frauen schwängern, damit sie die Kinder der Feinde bekommen, man will sie schwerst verletzen", sagte Strack-Zimmermann. Das sei nach den 7. Oktober, "als man Frauen, von denen man wusste, sie sind schwanger, den Bauch aufgeschnitten und den Fötus rausgerissen hat" deutlich geworden. "Es gibt nichts, was es nicht gibt in dieser Form der sexualisierten Gewalt."
Der Flüchtlingsverband Pro Asyl mahnte zu mehr Sicherheit für geflüchtete Frauen in Deutschland. Insbesondere in Gemeinschaftsunterkünften seien Frauen nicht ausreichend vor Gewalt geschützt. In Asylverfahren werde geschlechtsspezifische Verfolgung häufig nicht ausreichend anerkannt. Vor allem im Krieg und in stark autoritär geprägten Verhältnissen müssten Frauen oft Zwangsverheiratung, Misshandlungen, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigungen oder Genitalverstümmelung fürchten.
Insgesamt hätten knapp 94.000 Frauen und Mädchen 2023 in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Nur bei knapp 4800 davon habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine geschlechtsspezifische Verfolgung festgestellt. In Deutschland seien die Betroffenen in den Unterkünften oft nicht ausreichend vor Gewalt geschützt und hätten keinen ungehinderten Zugang zu Beratung und Hilfsangeboten.
Der Sozialverband VdK forderte eine Abschaffung des Ehegattensplittings. "Nicht der Trauschein sollte der entscheidende Faktor für die steuerliche Förderung sein, sondern der Umstand, ob jemand Kinder großzieht oder nicht", sagte Verbandschefin Verena Bentele den Funke-Zeitungen vom Freitag. Ob die Eltern verheiratet seien oder nicht, sollte hingegen keine Rolle spielen. Das Ehegattensplitting trage dazu bei, dass die Armutsgefährdung bei Frauen mit dem Alter steige.
O.Johnson--AMWN