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Israelische Panzer rücken ins Zentrum von Rafah vor
Panzer der israelischen Armee sind nach Angaben von Augenzeugen am Dienstag ins Zentrum von Rafah im Süden des Gazastreifens vorgerückt. Die Panzer seien an einem Kreisverkehr in der Innenstadt aufgefahren, sagte ein Zeuge der Nachrichtenagentur AFP. Die Information wurde von Sicherheitskreisen in der Stadt bestätigt. Unterdessen wollte der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung über einen tödlichen israelischen Angriff beraten, bei dem am Montag ein Flüchtlingslager nahe Rafah getroffen worden war.
Israel verortet in der Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten die letzten verbleibenden Hamas-Bataillone und bombardiert trotz internationaler Kritik seit Wochen Ziele in der Stadt. Auch in der Nacht zu Dienstag wurden Luftangriffe auf den Westen der Stadt gemeldet.
Die Situation sei sehr gefährlich, sagte die 30-jährige Faten Juda der AFP. "Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen. Es gab willkürliche Bombardierungen aus allen Richtungen." Ihre Familie fürchte um ihr Leben und werde wieder flüchten, fügte sie hinzu.
In der Nacht zum Montag war ein vom UN-Palästinenserhilfswerk (UNRWA) betriebenes Flüchtlingslager in der Nähe von Rafah von einem israelischen Luftangriff getroffen worden. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden dabei 45 Menschen getötet und mehr als 240 verletzt. Infolge des Beschusses war in dem Lager ein Feuer ausgebrochen; der palästinensische Zivilschutz berichtete von "verkohlten und zerstückelten Leichen". International hatte der Vorfall Entsetzen ausgelöst.
UNRWA-Chef Philippe Lazzarini sagte, die Bilder zeigten, "dass Rafah zur Hölle auf Erden geworden ist". UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff und sagte, der "Horror" müsse aufhören. Angesichts des tödlichen Angriffs berief der UN-Sicherheitsrat eine Dringlichkeitssitzung ein.
Israels Regierungschef Netanjahu bedauerte den Tod unschuldiger Zivilisten in Rafah. "In Rafah haben wir eine Million unbeteiligter Bewohner evakuiert", sagte er vor dem Parlament in Jerusalem. Trotz der israelischen Bemühungen sei es aber zu einem "tragischen Missgeschick" gekommen. "Wir untersuchen den Fall und werden die Schlussfolgerungen daraus ziehen."
Die israelische Armee hatte zuvor erklärt, bei dem Angriff, "einen Hamas-Komplex in Rafah getroffen" und zwei ranghohe Vertreter der radikalislamischen Palästinenserorganisation getötet zu haben.
Der israelische Luftangriff folgte auf einen massiven Raketenbeschuss aus Rafah. Nach israelischen Angaben waren am Sonntag erstmals seit Monaten wieder Raketen auf Tel Aviv und das Zentrum Israels abgefeuert worden.
Der Krieg zwischen Israel und der von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften Hamas dauert seit mehr als sieben Monaten an. Hamas-Kämpfer hatten am 7. Oktober einen Großangriff auf Israel verübt und dabei israelischen Angaben zufolge mehr als 1170 Menschen getötet. Zudem wurden 252 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Als Reaktion auf den beispiellosen Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bislang mehr als 36.000 Menschen getötet.
Im Zuge der Angriffe suchten zahlreiche Palästinenser in Rafah Zuflucht vor der israelischen Offensive gesucht. Das UN-Palästinenserhilfswerk erklärte nun, eine Million Menschen habe die Stadt wieder verlassen, seitdem das israelische Militär Anfang Mai Rafah verstärkt angegriffen hatte.
P.Martin--AMWN