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Armeesprecher: Israel kontrolliert Grenzkorridor zwischen Gazastreifen und Ägypten
Israel hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über einen 14 Kilometer langen Grenzkorridor zwischen dem Gazastreifen und Ägypten übernommen. Die israelische Armee habe "die operative Kontrolle" über das Gebiet erlangt, sagte Armeesprecher Daniel Hagari am Mittwoch. Aus der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens wurden unterdessen intensive Kämpfe gemeldet.
Der sogenannte Philadelphi-Korridor ist eine Sicherheitszone, die entlang der Grenze auf dem Gebiet des Gazastreifens verläuft. Der Korridor wurde 1979 durch das Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten geschaffen. Die israelische Armee nutzte ihn bis zu ihrem Rückzug aus dem Gazastreifen 2005 als Patrouillenweg. Israel vermutet seit langen, dass militante Gruppen in dem Palästinensergebiet den Korridor für den Waffenschmuggel nutzen.
Armeesprecher Hagari sagte, israelische Soldaten hätten rund 20 Tunnel in dem Grenzkorridor entdeckt. Ein ranghoher Vertreter Ägypten wies die Angaben zurück. "Israel benutzt diese Behauptungen, um die Fortsetzung des Einsatzes gegen die palästinensische Stadt Rafah zu rechtfertigen und den Krieg zu politischen Zwecken zu verlängern", sagte er nach Angaben der ägyptischen Nachrichtenagentur Al-Kahera News. Ägypten hat nach eigenen Angaben seit 2013 hunderte Grenztunnel zum Gazastreifen zerstört.
Die israelischen Armee war am Dienstag mit Panzern ins Zentrum der Stadt Rafah vorgerückt, die ganz im Süden des Gazastreifens an der Grenze zu Ägypten liegt. Israel verortet in Rafah die letzten im Gazastreifen verbleibenden Hamas-Bataillone und bombardiert trotz internationaler Kritik seit Wochen Ziele in der Stadt. Anfang Mai hatte die israelische Armee bereit die Kontrolle über den Grenzübergang Rafah erlangt.
Am Mittwoch befanden sich israelische Soldaten in Rafah im Häuserkampf, wie ein AFP-Reporter berichtete. Ein israelischer Militärhubschrauber feuerte im Zentrum der Stadt Munition und Raketen ab, mehrere Panzer waren laut Augenzeugen im Einsatz. Der militärische Flügel der Hamas feuerte nach eigenen Angaben Raketen auf israelische Soldaten ab.
Der Krieg zwischen Israel und der von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften Hamas dauert seit mehr als sieben Monaten an. Hamas-Kämpfer hatten am 7. Oktober einen Großangriff auf Israel verübt und dabei israelischen Angaben zufolge 1189 Menschen getötet. Zudem wurden 252 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Als Reaktion auf den beispiellosen Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach jüngsten Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bislang mehr als 36.100 Menschen getötet.
Nach Einschätzung von Israels nationalem Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi könnte der Krieg bis Ende des Jahres dauern. "Uns stehen möglicherweise weitere sieben Monate Kampf bevor, um (...) das zu erreichen, was wir als Zerstörung der Macht und der militärischen Fähigkeiten der Hamas definiert haben", sagte Hanegbi am Mittwoch in einem Interview mit dem staatlichen Rundfunksender Kan.
Hanegbi zufolge diskutiert die israelische Regierung derzeit über die Nachkriegsordnung im Gazastreifen. "Wir versuchen zu planen, was nach dem Krieg geschehen soll, damit die Palästinenser für ihr eigenes Leben verantwortlich sind", sagte er und fügte an: "Wir werden für die Sicherheit Israels verantwortlich sein, aber wir wollen nicht in Gaza regieren."
US-Außenminister Antony Blinken bekräftigte derweil die Forderung seiner Regierung nach einem israelischen Plan für die Zeit nach dem Krieg. Bei einem Besuch in Moldau sagte Blinken am Mittwoch: "Wenn es keinen Plan für den Tag danach gibt, wird es auch keinen Tag danach geben. Und hier müssen wir ansetzen und so schnell wie möglich handeln."
O.Karlsson--AMWN