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Labour erzielt laut Nachwahlbefragungen Erdrutschsieg bei britischer Unterhaus-Wahl
Nach 14 Jahren Tories-Regierungen hat die oppositionelle Labour-Partei Nachwahlbefragungen zufolge bei der Unterhaus-Wahl in Großbritannien einen Erdrutschsieg erzielt. Parteichef Keir Starmer sagte am Freitag, Großbritannien sei "bereit für den Wandel". Während Labour den Nachwahlbefragungen zufolge mit 410 der 650 Sitze rechnen kann, erlitten die konservativen Tories von Premierminister Rishi Sunak ihre schlimmste Niederlage seit Beginn des 20. Jahrhunderts und stürzten auf nur 131 Sitze ab.
Die oppositionellen Liberaldemokraten legten hingegen zu und errangen den Nachwahlbefragungen zufolge bei dem nach dem Mehrheitswahlrecht abgehaltenen Urnengang 61 Sitze. Sie würden damit die Schottische Nationalpartei, die auf zehn Sitze und damit deutlich weniger als bei der vorherigen Wahl kommen soll, als drittstärkste Partei ablösen.
Die einwanderungsfeindliche Partei Reform UK von Brexit-Verfechter Nigel Farage kommt laut den Nachwahlbefragungen auf 13 Mandate und würde damit noch deutlich besser abschneiden als in Umfragen vorausgesagt. Farage selbst gelang bei seinem achten Versuch nun der Einzug ins britische Parlament. Zuvor saß bereits für die Brexit-Partei Ukip, die Vorläuferpartei von Reform UK, im EU-Parlament in Brüssel.
Labour war vor der Unterhaus-Wahl bereits ein historischer Sieg prognostiziert worden. In Umfragen war Starmers Partei sogar auf mindestens 430 der insgesamt 650 Unterhaus-Sitze gekommen. Mit den 410 laut den Nachwahlbefragungen zu erwartenden Sitzen kommt die Labour-Partei nahe an ihr Rekordergebnis von 1997 unter Tony Blair heran, als sie 418 Mandate errungen hatte. Für eine absolute Mehrheit im Unterhaus sind lediglich 326 Sitze nötig.
Starmer, der nun vor seinem Amtsantritt als Premierminister steht, bedankte sich im Onlinedienst X bei seinen Unterstützern. Großbritannien sei "bereit für den Wandel", sagte er. "Sie haben gewählt. Jetzt ist es an der Zeit für uns, zu liefern", fuhr der 61-Jährige fort, der in seinem Wahlkreis im Norden Londons wiedergewählt wurde.
In den 14 Jahren der Tory-Regierungen hatten die Britinnen und Briten insgesamt fünf konservative Premiers erlebt - 2022 waren es drei binnen vier Monaten. Nach Jahren geprägt von Brexit, Corona, Wirtschaftskrise und jeder Menge Skandalen sehnen sie offenbar eine Veränderung herbei. Auch die Mängel beim staatlichen Gesundheitsdienst NHS, bei dem Patienten oft Monate auf Arzttermine oder eine Operation warten müssen, spielten im Wahlkampf eine wichtige Rolle.
Die Tories hatten vor allem einen Negativ-Wahlkampf geführt, vor Steuererhöhungen durch eine Labour-Regierung gewarnt und ein härteres Vorgehen bei den Themen Migration und Sicherheit angekündigt. Dagegen warb Labour-Chef Starmer für eine Rückkehr zur Seriosität in der britischen Politik, versprach ein langfristiges Wirtschaftswachstum und präsentierte sich vor allem als Diener des Landes. "Erst das Land, dann die Politik", betonte er immer wieder.
Nach der deutlichen Wahlschlappe der Tories wird Sunak voraussichtlich am Freitag bei König Charles III. seinen Rücktritt als Premierminister einreichen. Kurz darauf dürfte der Monarch Starmer dazu einladen, als Premierminister die kommende britische Regierung zu führen. Der nächste Stopp für den Labour-Chef ist dann der Amtssitz des Premiers in der Londoner Downing Street Nummer 10, wo er eine erste Rede halten und seine Minister ernennen wird.
Für Starmer, der seine politische Karriere erst vor neun Jahren startete und zuvor als Jurist arbeitete, ist dies ein bemerkenswerter Aufstieg. Sunak, der vor 20 Monaten sein Amt angetreten hatte, ist hingegen der erste amtierende britische Premierminister, der bei einer Parlamentswahl nicht wiedergewählt wurde.
Aus Deutschland trafen bereits Glückwünsche an Starmer und seine Partei ein. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) richtete auf X einen "herzlichen Glückwunsch" an die "Freunde von der Labour Party und den künftigen Premierminister Keir Starmer" und schrieb von einem "neuen Kapitel der britisch-deutschen Freundschaft und Zusammenarbeit". Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gratulierte Starmer und Labour auf X.
A.Jones--AMWN