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Hisbollah-Rakete erreicht erstmals Tel Aviv
Nach dem erstmaligen Abschuss einer Rakete auf Tel Aviv durch die Hisbollah hat die israelische Armee am Mittwoch nach eigenen Angaben erneut "großflächige" Angriffe gegen die Schiitenmiliz im Libanon geflogen. Ein israelischer Militärsprecher wertete das Abfeuern der ballistischen Rakete durch die Hisbollah als "Eskalation". Die Rakete sei über Tel Aviv abgefangen worden. Durch die neuen israelischen Angriffe wurden dem libanesischen Gesundheitsministeriums zufolge 23 Menschen getötet.
"Es ist das allererste Mal, dass eine Hisbollah-Rakete den Raum Tel Aviv erreicht hat", sagte ein israelischer Militärsprecher. Die Hisbollah versuche "eindeutig, die Situation zu eskalieren". Die pro-iranische Miliz hatte zuvor erklärt, sie habe eine Rakete vom Typ Kader 1 abgefeuert, "die das Mossad-Hauptquartier am Stadtrand von Tel Aviv zum Ziel hatte". Das Hauptquartier des israelischen Auslandsgeheimdienstes sei "verantwortlich für die Ermordung von Führungskräften und die Explosion von Pagern und drahtlosen Geräten". Durch diese Explosionen waren Anfang vergangener Woche 39 Menschen getötet und fast 3000 weitere verletzt worden.
Die israelische Armee erklärte, sie habe den Raketenwerfer, von dem die Rakete abgefeuert worden sei, bei Nafachijeh im Südlibanon attackiert. Kampfflugzeuge hätten zudem "großflächige" Angriffe auf Hisbollah-Einrichtungen im Libanon geflogen. Die Luftwaffe habe "Terroristen getroffen, die an terroristischer Infrastruktur tätig waren, Einrichtungen zur Lagerung von Waffen, Raketenwerfer und andere terroristische Hisbollah-Ziele", hieß es.
Am Montag hatte das israelische Militär den bisher größten Einsatz gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon seit Beginn des Gaza-Krieges ausgeführt. Nach Angaben der libanesischen Regierung wurden dabei mindestens 558 Menschen getötet. Es war der blutigste Tag seit dem Bürgerkrieg im Libanon von 1975 bis 1990.
Am Dienstag startete die israelische Armee eine zweite Angriffswelle. Die Hisbollah reklamierte ihrerseits 18 Angriffe auf Israel für sich, während Israel erklärte, die Miliz habe rund 300 Raketen abgefeuert. Die Hisbollah bestätigte zudem den Tod des für ihr Raketenarsenal zuständigen Kommandeurs Ibrahim Kobeissi bei einem israelischen Angriff auf die Hauptstadt Beirut.
Bei den Angriffen am Mittwoch seien vier Menschen im Dorf Joun im Chouf-Gebirge südöstlich von Beirut gestorben, drei im Dorf Maaysra etwa 25 Kilometer nördlich der Hauptstadt, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Neun Menschen wurden demnach bei israelischen Angriffen im Südlibanon getötet, sieben weitere bei einem Angriff auf Baalbeck-Hermel im Osten. Libanesischen Behördenangaben zufolge flohen hunderttausende Zivilisten vor der Gewalt im Süden und Osten des Landes.
Seit dem beispiellosen Angriff der islamistischen, mit der Hisbollah verbündeten Palästinenserorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel und dem dadurch ausgelösten Krieg im Gazastreifen haben sich die regionalen Spannungen verschärft. Israels Norden steht seitdem unter Dauerbeschuss durch die Hisbollah. Die israelische Armee reagiert auf die Angriffe mit Gegenangriffen im Libanon.
Am Mittwoch wollte sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage im Libanon befassen. An der Sitzung um 18.00 Uhr Ortszeit (Donnerstag 00.00 Uhr MESZ) wollte auch UN-Generalsekretär António Guterres teilnehmen. Er hatte am Dienstag zum Auftakt der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York gewarnt, es müsse alles getan werden, "um zu verhindern, dass der Libanon zu einem weiteren Gaza wird".
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der ebenfalls bei der Generaldebatte sprechen wird, verschob seine Abreise nach New York auf Donnerstag, wie sein Büro mitteilte. Er hatte am Dienstag angekündigt, Israel werde "weiterhin die Hisbollah angreifen".
Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, sagte unterdessen in Teheran, die gezielte Tötung von Hisbollah-Kommandeuren durch Israel werde die Miliz "nicht in die Knie zwingen". Die "Autorität, Fähigkeiten und Stärke" der Hisbollah "können durch den Verlust dieser Märtyrer nicht ernsthaft beeinträchtigt werden", sagte Chamenei.
O.Norris--AMWN