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Geheim gehaltene Tochter von Mitterrand erlebte "Angst und Einsamkeit"
Die zwei Jahrzehnte lang vor der Öffentlichkeit geheim gehaltene Tochter des früheren französischen Präsidenten François Mitterrand hat in ihrer Kindheit unter "Angst und Einsamkeit" gelitten. "Es sind Dinge, die viele Kinder erleben, Angst, Einsamkeit, die Pflicht, Dinge zu verschweigen", sagte Mazarine Mitterrand Pingeot, deren jüngstes Buch am Mittwoch in Frankreich erschienen ist, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.
"In meinem Fall war es noch komplizierter, weil mein Vater ein sehr bekannter Mann war", erklärt sie. In ihrem Buch beschreibt sie die 300 Quadratmeter große Wohnung am Seine-Ufer, in der sie im Alter zwischen neun und 16 Jahren mit ihrer Mutter lebte. Mitterrand führte mit der 27 Jahre jüngeren Anne Pingeot über Jahrzehnte hinweg ein Parallelleben. Er ließ seine Zweitfamilie auf Staatskosten unterbringen und von mehreren Gendarmen rund um die Uhr überwachen.
"Ich erinnere mich gut an diese großen Räume", sagt die Präsidententochter. "Mehr noch an die Räume als an das, was darin passiert ist, denn das war nicht viel", sagte sie. Es habe weder unangemeldeten Besuch noch Feiern gegeben, erinnert sie sich.
"Es war ein Leben im Versteck, ich konnte fast nichts machen", sagt sie. "Ich konnte keine Initiative ergreifen, aber ich habe auch nicht danach verlangt", fügt sie hinzu. Ihre Eltern hätten ihr nichts verbieten müssen, sie sei an den Zustand gewöhnt gewesen. "Ich mochte die Gendarme gern. Mit ihnen habe ich viel Zeit verbracht", berichtet sie. Ihr Verhältnis zur Außenwelt sei immer "gefiltert" gewesen.
Mitterrand starb im Januar 1996, nachdem er 14 Jahre lang im Elysée regiert hatte - so wie seine Zweitfamilie hatte er auch seine Krebserkrankung lange geheimgehalten. Bei seiner Beerdigung nahmen sowohl seine Ehefrau Danielle als auch Anne Pingeot und ihre Tochter öffentlich Abschied am Sarg.
Erst 1994 war durch eine Reportage im Klatschblatt "Paris Match" öffentlich bekannt geworden, dass der verheiratete Staatschef seit Jahrzehnten eine Beziehung zu Anne Pingeot hatte, in der 1974 Mazarine geboren worden war. Zahlreiche Journalisten sollen aber lange zuvor davon gewusst haben.
Anne Pingeot veröffentlichte 2016 einen Band mit mehr als 1200 Liebesbriefen, die Mitterrand ihr geschrieben hatte. Mitterand war 46, Ex-Minister, Senator und zweifacher Familienvater, als er die 19-jährige Pingeot im Badeort Hossegor kennengelernt hatte. In seinem letzten Brief an sie schrieb er: "Du warst das Glück meines Lebens."
F.Schneider--AMWN