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Assad stellt dschihadistische Offensive als Teil westlicher Destabilisierung dar
Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat die Großoffensive dschihadistischer Kämpfer in seinem Land als Versuch dargestellt, die Grenzen in der Region entsprechend westlicher Interessen zu verschieben. Die jüngste Eskalation spiegele die Ziele wider, "die Landkarte im Einklang mit den Zielen der Vereinigten Staaten und des Westens neu zu gestalten", hieß es in einer Erklärung seines Büros vom Montag. Unterdessen kündigten kurdische Truppen im Nordwesten Syriens angesichts von Angriffen pro-türkischer Kämpfer Evakuierungen an.
Assads Äußerungen stammten aus einem Telefongespräch mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian. Darin sprach er der Erklärung zufolge von einer "terroristischen Eskalation", die die "Region spalten und die Länder darin fragmentieren" solle.
Die Dschihadistengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS), der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida, und verbündete Gruppierungen hatten am Mittwoch eine überraschende Großoffensive gegen die syrischen Regierungstruppen gestartet. Bei den heftigsten Kämpfen seit 2020 wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte schon mehr als 457 Menschen getötet, darunter mindestens 72 Zivilisten.
Die Kämpfer eroberten dabei nach Angaben der Beobachtungsstelle Syriens zweitgrößte Stadt Aleppo - mit Ausnahme der von kurdischen Kräften kontrollierten Stadtteile. Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigten am Montag Männer in Militärkleidung, die die Straßen der Stadt patrouillierten und Flaggen der syrischen Opposition hochhielten.
Laut der Beobachtungsstelle nahmen die Dschihadisten auch Dutzende von Städten im Norden des Landes ein, darunter Chan Scheichun und Maaret al-Numan, etwa auf halbem Weg zwischen Aleppo und Hama. AFP-Aufnahmen zeigten, wie Kämpfer in die Provinz Hama in Zentralsyrien vordrangen, am Straßenrand waren zurückgelassene Panzer und Ausrüstung der Armee zu sehen.
Der syrische Bürgerkrieg hatte 2011 begonnen, nachdem Assad Proteste gegen die Regierung mit Gewalt niederschlagen ließ. Eine halbe Million Menschen wurden getötet und Millionen weitere vertrieben. Zuletzt war der Konflikt weitgehend eingefroren gewesen.
Die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien riefen am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung zu einer "Deeskalation" in Syrien auf. Angesichts der dschihadistischen Großoffensive gegen die Truppen von Machthaber Assad forderten sie "alle Parteien zur Deeskalation und zum Schutz von Zivilisten und Infrastruktur auf, um neue Vertreibungen und die Störung des Transports humanitärer Hilfe zu verhindern".
Die Türkei, die Rebellengruppen in Syrien unterstützt, wies Assads Andeutungen über "ausländische Einmischung" zurück. "Der Mangel an Gesprächen zwischen dem Regime und der Opposition haben das Problem zu diesem Punkt gebracht", argumentierte Außenminister Hakan Fidan.
Pro-türkische Kämpfer hatten nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle am Sonntag die Stadt Tal Rifaat im Nordosten Syriens unter ihre Kontrolle gebracht. Maslum Abdi, Chef des kurdisch geführten Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF), kündigte die Evakuierung kurdischer Zivilisten aus dem Gebiet an. Die Situation im Nordwesten Syriens habe sich "schnell und plötzlich entwickelt", teilte Abdi mit. "Unsere Kräfte sehen sich intensiven Angriffen an mehreren Fronten gegenüber".
Die Regierung Assad wird von Russland und dem Iran unterstützt, die beide am Montag weitere militärische Hilfe zusagten. Der russische Präsident Wladimir Putin und Irans Präsident Peseschkian hätten bei einem Telefonat ihre "bedingungslose Unterstützung" für die syrische Regierung ausgedrückt und die Notwendigkeit einer Abstimmung mit der Türkei betont, erklärte der Kreml.
Russland und Syrien setzten am Montag ihre gemeinsamen Luftangriffe auf Ziele in der Provinz Idlib fort. Der Beobachtungsstelle zufolge wurden dabei elf Zivilisten getötet, darunter fünf Kinder.
Der Irak verlegte unterdessen Panzer an die Grenze zu Syrien. Die Syrische Beobachtungsstelle berichtete zudem, dass etwa 200 Kämpfer einer pro-iranischen Gruppierung aus dem Irak über die Grenze nach Syrien gekommen seien, um die dortige Armee in der Region Aleppo zu unterstützen.
Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk verschiedener Quellen in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.
F.Dubois--AMWN