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Vier israelische Geiseln der Hamas freigelassen - Junge Frauen zurück bei Familien
Erleichterung, Freude und Tränen in Israel: Die radikalislamische Hamas hat im Rahmen des Waffenruheabkommens mit Israel vier weitere israelische Geiseln aus dem Gazastreifen freigelassen. Vermummte palästinensische Kämpfer in voller Kampfmontur führten die seit Oktober 2023 in Gefangenschaft festgehaltenen Frauen am Samstag zunächst einer Menschenmenge in der Stadt Gaza vor und übergaben sie dann dem Internationalen Roten Kreuz. Kurz darauf nahm die israelische Armee die früheren Soldatinnen in Empfang und brachte sie nach Israel und zu ihren Familien zurück. Im Gegenzug sollten nach palästinensischen Angaben 200 palästinensische Häftlinge freigelassen werden.
Die israelischen Frauen Daniella Gilboa, Karina Ariev, Liri Albag und Naama Levy im Alter zwischen 19 und 20 Jahren wurden nach Armeeangaben nach ihrer Freilassung "von Spezialkräften der Streitkräfte und Mitgliedern des (Inlandsgeheimdiensts) Schin Bet" zurück nach Israel begleitet. Im Süden des Landes trafen sie sich demnach wieder mit ihren Eltern zusammen. An dem Empfangsort seien sie zudem einer "ersten medizinischen Untersuchung" unterzogen worden.
Während der Übergabe der Frauen in Gaza befanden sich auf dem Platz in der Stadt Gaza dutzende Kämpfer der Hamas und der verbündeten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Die größtenteils in Kampfuniformen gekleideten Männer stellten sich in Reihen auf und trugen Sturmgewehre und Granatwerfer. Zahlreiche Bewohner des Gazastreifens hatten sich ringsum als Schaulustige versammelt, viele jubelten den Hamas-Kämpfern zu.
Die vier jungen Frauen wurden auf eine Bühne vor einem Einkaufszentrum in Gaza, von dem eine riesige Palästinenserfahne herabhing, geführt. Sie standen vor ihrer Abfahrt, umringt von Kämpfen, vor einer Wand mit Propaganda-Losungen, darunter der auf Hebräisch geschriebene Spruch "Der Zionismus wird nicht obsiegen". Die in Militärkleidung gekleideten Frauen lächelten aber, winkten von der Bühne und streckten ihre Daumen nach oben.
In Tel Aviv brach nach der Freilassung der vier jungen Frauen auf dem "Platz der Geiseln" Jubel aus. Angehörige und Freunde von Geiseln fielen sich in die Arme und weinten vor Freude.
Die Hamas hatte die Soldatinnen während ihres Großangriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 in der Militärbasis Nahal Oz gefangengenommen, die für die Beobachtung des Gazastreifens zuständig war. Die Freilassung ist die zweite Runde im Rahmen des Mitte Januar abgeschlossenen Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Hamas. Vor einer Woche waren bereits drei israelische Geiseln, alles junge Zivilistinnen, im Austausch für palästinensische Gefangene freigekommen.
In der ersten Phase des Abkommens sollen nun noch 26 weitere israelische Geiseln freigelassen werden. Ihre Namen wurden veröffentlicht, allerdings ist nicht bekannt, in welcher Reihenfolge sie freigelassen werden.
In dieser ersten, 42-tägigen Phase, sollen insgesamt 33 israelische Geiseln sowie nach ägyptischen Angaben insgesamt etwa 1900 palästinensische Häftlinge freikommen. Zudem werden die Hilfslieferungen in den Gazastreifen verstärkt.
Insgesamt sollen sich im Gazastreifen nach der jüngsten Geiselfreilassung noch 87 Verschleppte befinden, 34 von ihnen sind nach Einschätzung der israelischen Armee bereits tot. Unter ihnen ist nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt noch eine "niedrige zweistellige Zahl" von Menschen mit "Deutschland-Bezug".
Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari sagte, die Streitkräfte machten sich "große Sorgen" um die israelischen Kleinkinder Kfir und Ariel Bibas sowie deren Mutter Shiri, die noch in Geiselhaft sind. Die Hamas hatte vor über einem Jahr den Tod der drei verkündet, israelische Behörden haben dies jedoch nie bestätigt.
Die israelische Armee verknüpfte derweil auch die Rückkehr palästinensischer Zivilisten in den Norden des Gazastreifens mit der Freilassung der Geisel Arbel Yehud. Yehud hätte "eigentlich heute freigelassen werden sollen", erklärte das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu. Bevor sie nicht freigelassen werde, werde Zivilisten die Rückkehr in den Norden nicht erlaubt. Aus Kreisen der Hamas verlautete kurz darauf, Yehud sei "am Leben und bei guter Gesundheit". Medienberichten zufolge hat Yehud einen familiären Bezug zu Deutschland.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) begrüßten am Samstag die Freilassung der Geiseln und forderten weitere Freilassungen. Die Bundesregierung freue sich, "aber es befinden sich weitere Frauen und Männer in Geiselhaft", erklärte Scholz im Onlinedienst X. "Auch sie müssen freikommen!" Baerbock erklärte, die Bundesregierung stehe den Familien der im Gazastreifen verbliebenen Geiseln mit all ihren Bemühungen zur Seite.
Aus Israel und dem Westjordanland starteten unterdessen mehrere Busse mit palästinensischen Häftlingen, die im Gegenzug für die Geiseln freikamen. Die Fahrzeuge setzten sich vom Ofer-Gefängnis im Westjordanland und der Haftanstalt Ktziot in der israelischen Negev-Wüste aus in Bewegung.
Unter den Freizulassenden ist nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Palestinian Prisoners' Club auch der 69-jährige Mohammed al-Tus. Das seit 1985 in Haft lebende Mitglied der vom damaligen Palästinenserführer Jassir Arafat gegründeten Organisation Fatah sei der Palästinenser mit der längsten Haftzeit.
Beim Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurden israelischen Angaben zufolge 1210 Menschen getötet, 251 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt. Israel ging seitdem massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 47.280 Menschen getötet.
X.Karnes--AMWN