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Nach Trump-Drohungen: Grönländer wählen neues Parlament
Überschattet von den Übernahme-Drohungen von US-Präsident Donald Trump haben die Grönländer am Dienstag ein neues Parlament gewählt. Die Wahllokale öffneten um 12.00 Uhr (MEZ), erste Ergebnisse sollen in der Nacht zum Mittwoch vorliegen.
"Unser Land befindet sich im Auge des Sturms", sagte Regierungschef Mute Egede wenige Stunden vor Beginn der Wahl in einer Videobotschaft auf Facebook. "Die internationale Gemeinschaft beobachtet uns genau, und wir haben kürzlich erlebt, wie sehr sie versuchen, Einfluss auf unser Land auszuüben."
Zentrales Thema des Wahlkampfs war die mögliche komplette Unabhängigkeit der arktischen Insel von Dänemark. Entsprechende Bestrebungen wurden durch Trumps Drohung beflügelt, Grönland notfalls mit Gewalt den Vereinigten Staaten einzuverleiben.
Auf der größten Insel der Welt leben 57.000 Menschen. Das geografisch zu Nordamerika gehörende Grönland war im 18. Jahrhundert von Dänemark kolonisiert worden. Seit 1979 ist die Insel in vielen Bereichen autonom, doch entscheidet etwa über Außen- und Verteidigungspolitik immer noch die ehemalige Kolonialmacht Dänemark. Diese subventioniert Grönland jährlich mit mehr als 520 Millionen Euro, das macht ein Fünftel des Bruttoinlandsproduktes der Arktis-Insel aus.
Zweites großes Thema im Wahlkampf waren deshalb die Ankurbelung der eigenen Wirtschaft und damit Strategien zur Erreichung einer höheren Lebensqualität.
Fast alle Parteien auf der Insel befürworten eine Unabhängigkeit Grönlands, es besteht aber Uneinigkeit über den Zeitplan. Die nationalistische Oppositionspartei Naleraq will diese so schnell wie möglich erreichen. Die beiden Parteien der scheidenden Koalitionsregierung - die links-grüne Inuit Ataqatigiit von Regierungschef Egede und die sozialdemokratische Siumut - haben es weniger eilig. Ihrer Meinung nach muss Grönland vor der Unabhängigkeit eine gewisse wirtschaftliche Eigenständigkeit erreichen.
Trump hatte in der vergangenen Woche in einer Rede vor dem US-Kongress seine bereits im Wahlkampf angekündigten Übernahmepläne für das rohstoffreiche Grönland bekräftigt. Zwar unterstützten die USA das Recht der dortigen Bevölkerung, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden, betonte der Republikaner. Er sei aber sicher, dass die USA Grönland "auf die eine oder andere Weise" bekommen würden.
In einem Beitrag auf seiner Onlineplattform Truth Social schrieb Trump am Sonntagabend, die USA seien bereit, "Milliarden von Dollar zu investieren", neue Jobs zu schaffen und die Grönländer reich zu machen.
Regierungschef Egede hatte Trumps Äußerungen wiederholt zurückgewiesen und erklärt, die Menschen in seinem Land seien Grönländer und wollten keine US-Bürger werden. Einer im Januar veröffentlichten Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent der Bewohner der Insel eine Übernahme durch die USA ab.
P.Mathewson--AMWN