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Israel mobilisiert 60.000 Reservisten für die Armee
Für das weitere militärische Vorgehen in der Stadt Gaza mobilisiert Israel zehntausende Reservisten. Verteidigungsminister Israel Katz billigte den Plan der israelischen Armee für die Einnahme der Stadt sowie die Entsendung von Einberufungsanordnungen an etwa 60.000 Reservesoldaten, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch erklärte. Die Armee rechnet Medienberichten zufolge mit einem monatelangen Militäreinsatz. Der Hamas-Zivilschutz warf der israelischen Armee unterdessen die Tötung von mindestens 21 Menschen im Gazastreifen vor.
Die Armee will nach eigenen Angaben die Stadt Gaza und die in Al-Mawasi im Zentrum des Gazastreifens liegenden Flüchtlingslager einnehmen. Der israelische Armeechef Ejal Samir hatte am Sonntag die vorläufige Genehmigung der "nächsten Phase" der Pläne zur Einnahme von Gaza bekanntgegeben. Die Armee werde ihre Einsätze nun auf die Stadt "konzentrieren", um die radikalislamische Hamas "entscheidend" zu schlagen, hieß es in einer Erklärung.
Medienberichten zufolge rechnet das israelische Militär mit einem langwierigen Einsatz zur Einnahme der Stadt. Die Streitkräfte bereiteten sich auf eine "ausgedehnte Operation von mehreren Monaten vor, die bis in das Jahr 2026 andauern wird", berichtete das israelische Militärradio. Die israelische Tageszeitung "Maariv" meldete, der Feldzug könne rund hundert israelischen Soldaten das Leben kosten.
Der deutsche Vizeregierungssprecher Steffen Meyer sagte in Berlin, die Bundesregierung lehne "diese Verschärfung der Militäroperation" ab. Es lasse sich "immer weniger erkennen", wie das Vorgehen Israels "die Freilassung der Geiseln aber auch einen Waffenstillstand" herbeiführen solle.
Im Gazastreifen setzte die israelische Armee ihre seit mehr als einer Woche verstärkten Angriffe auf die Stadt Gaza fort. Eine neue Phase der Gefechte soll nach Angaben eines israelischen Militärvertreters "eine schrittweise, präzise und gezielte Operation in und um die Stadt Gaza" beinhalten, darunter auch in Gebieten, in denen die Armee bislang noch nicht im Einsatz war. Die Truppen führten derzeit Angriffe in den Stadtteilen Seitun und Dschabalia aus, erklärte der Militärvertreter.
Der von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierte Zivilschutz im Gazastreifen warf der israelischen Armee vor, bei Angriffen mindestens 21 Menschen getötet zu haben. Anwohner des Stadtteils Sabra berichteten ebenfalls von vermehrten israelischen Angriffen. Zivilschutz-Sprecher Mahmud Bassal sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einer "sehr gefährlichen und unerträglichen" Situation in Seitun und Sabra.
Auf den jüngsten Vermittler-Vorschlag für eine Waffenruhe im Gazastreifen, dem die Hamas am Montag nach eigenen Angaben zugestimmt hatte, ging die israelische Regierung nach wie vor nicht ein. Der Vorschlag sieht eine Freilassung von zehn lebenden israelischen Geiseln und die Rückgabe von 18 toten Geiseln an Israel vor, wie AFP aus Hamas-Kreisen erfuhr.
Das hochrangige Hamas-Mitglied Mahmud Mardawi erklärte in Onlinediensten, die Palästinenserorganisation habe "die Tür für die Möglichkeit einer Einigung weit geöffnet". Es bleibe abzuwarten, ob der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu "sie wieder schließen wird, wie er es in der Vergangenheit getan hat."
Israelischen Medienberichten zufolge hat Netanjahu bislang kein Treffen des israelischen Sicherheitskabinetts veranlasst, um über den Waffenruhe-Vorschlag zu sprechen. Am Dienstag hatte ein israelischer Regierungsvertreter jedoch erklärt, Israel halte an seiner Forderung nach der Freilassung aller Geiseln fest.
Die Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem beispiellosen Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Bei dem Angriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Fast zwei Jahre danach hält die Hamas in dem Palästinensergebiet noch immer 49 Geiseln in ihrer Gewalt. Nur 22 von ihnen sind nach Einschätzung der israelischen Armee noch am Leben.
Israel geht seit dem Hamas-Großangriff massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 62.000 Menschen getötet. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen, werden von Vertretern der UNO aber als realistisch eingestuft.
D.Sawyer--AMWN