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Mindestens 24 Tote bei russischem Angriff auf Rentenausgabestelle in Ostukraine
Im Osten der Ukraine sind am Dienstag bei einem russischen Angriff auf eine Ausgabestelle für Rentenzahlungen mindestens 24 Menschen getötet worden. Die russische Armee habe eine Lenkbombe auf das Zentrum der Ortschaft Jarowa abgefeuert, die sich in der Region Donezk nur rund zehn Kilometer von der Front entfernt befindet, erklärte Innenminister Ihor Klymenko im Onlinedienst Telegram. 19 weitere Menschen seien bei dem Angriff verletzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte erneut eine entschlossene internationale Reaktion auf die anhaltenden russischen Attacken.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zählten vor Ort mindestens 13 Leichen, die in schwarzen Säcken in eine Leichenhalle in der Region Donezk gebracht wurden. In dem von der Bombe getroffenen Gebäude trafen verzweifelte Angehörige der Opfer ein. Der Gouverneur von Donezk, Wadym Filaschkin, bezeichnete den Angriff als "reinen Terrorismus".
Ein Sprecher der ukrainischen Post Ukrposchta teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass eine Mitarbeiterin bei dem Angriff verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden sei. Ein Postfahrzeug sei zudem beschädigt worden. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft kündigte Ermittlungen wegen eines Kriegsverbrechens an.
In der Ukraine händigt die Post die Renten von mehr als zwei Millionen Menschen aus. Das Unternehmen kann mit der Auszahlung der Renten auf dem Land beauftragt werden - auch in Gebieten nahe der Front, wo öffentliche Einrichtungen und Banken aufgrund der Gefahr geschlossen werden mussten. Postmitarbeiter verkaufen an frontnahen Orten auch Lebensmittel und weitere Artikel des täglichen Bedarfs.
Damit die Mitarbeiter der Post nicht von Haus zu Haus gehen müssen, fand die Auszahlung bislang häufig in Gruppen auf der Straße statt. Wie AFP-Journalisten berichteten, werden die Rentenauszahlungen vor Ort oft sehnlich erwartet. Die Post kündigte nun an, das Vorgehen bei der Auszahlung anzupassen.
Russland beansprucht die ostukrainische Industrieregion Donezk für sich, obwohl es die Region derzeit nach AFP-Auswertungen nur zu 79 Prozent militärisch kontrolliert. In den vergangenen Monaten war die russische Armee nach und nach weiter fortgerückt. Nach ukrainischen Angaben haben die russischen Streitkräfte zuletzt 100.000 Soldaten an einem wichtigen Abschnitt der Frontlinie zusammengezogen.
Staatschef Selenskyj veröffentlichte nach dem Angriff auf Jarowa ein Video, das auf dem Boden liegende Leichen zeigt, die neben einem stark beschädigten Lieferwagen der ukrainischen Post liegen. Das Video konnte von AFP zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Der "brutale russische Luftangriff" habe sich gegen "einfache Zivilisten" gerichtet, erklärte Selenskyj weiter.
Der ukrainische Präsident forderte erneut eine Reaktion der ukrainischen Verbündeten auf die anhaltenden russischen Angriffe. Diese dürften "nicht ohne eine angemessene Reaktion der Weltgemeinschaft bleiben", erklärte Selenskyj. Die russischen Streitkräfte zerstörten "weiterhin Leben" und entgingen "zugleich neuen strengen Sanktionen". Selenskyj fügte an: "Eine Reaktion der USA ist nötig. Eine Reaktion Europas ist nötig. Eine Reaktion der G20 ist nötig."
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte unterdessen bei einem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in London eine Initiative zur Lieferung von Langstreckenwaffen an die Ukraine an. Deutschland erarbeite dafür derzeit Verträge über die Lieferung mehrerer tausend Langstreckendrohnen ukrainischer Produktion im Wert von 300 Millionen Euro. Die Verträge enthielten zudem Optionen für noch höhere Stückzahlen.
Ziel sei es, die Fähigkeit der Ukraine darin zu stärken, "Russlands Kriegsmaschine im Hinterland zu schwächen", sagte Pistorius. Bereits im Mai hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Aufhebung der Reichweitenbeschränkungen für an Kiew gelieferte Waffen verkündet.
Der britische Verteidigungsminister John Healey kündigte die Finanzierung von tausenden in Großbritannien hergestellten Langstrecken-Einweg-Angriffsdrohnen für die Ukraine an. Im Januar hatte Großbritannien angekündigt, gemeinsam mit Lettland eine internationale Koalition anführen zu wollen, mit der 30.000 Drohnen an die Ukraine geschickt werden sollen.
L.Durand--AMWN