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Bangen und Hoffen in Israel: Geiseln sollen Montagfrüh freikommen
Banges Warten auf die langersehnte Rückkehr aller Geiseln: Die israelische Regierung rechnet für Montagfrüh mit der Freilassung der letzten verbliebenen Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas. Die Übergabe der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln solle am "frühen Montagmorgen" stattfinden, sagte Regierungssprecherin Schosch Bedrosian am Sonntag. Am selben Tag planen die USA und Ägypten ein Gipfeltreffen, bei dem nach Angaben der ägyptischen Regierung ein Dokument "zur Beendigung des Krieges im Gazastreifen" feierlich unterzeichnet werden soll.
"Wir gehen davon aus, dass alle 20 lebenden Geiseln gleichzeitig an das Rote Kreuz übergeben und in sechs bis acht Fahrzeugen transportiert werden", sagte Bedrosian. Erst wenn die Ankunft sämtlicher Geiseln in Israel bestätigt sei, würden im Gegenzug diejenigen palästinensischen Häftlinge freikommen, deren Freilassung vereinbart worden sei. Auch die Hamas hatte zuvor mitgeteilt, dass die Geisel-Übergabe am Montagmorgen stattfinden solle.
Zwei Jahre nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des dadurch ausgelösten Krieges im Gazastreifen war am Freitag eine Waffenruhe in Kraft getreten. Israel und die Hamas hatten zuvor der ersten Phase eines von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Friedensplans zugestimmt.
Dieser sieht in der ersten Phase die Freilassung der verbliebenen Geiseln aus der Gewalt der Hamas vor. Nach Angaben von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sind 20 der beim Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 verschleppten Geiseln noch am Leben, 27 weitere sind tot. Übergeben werden sollen auch die sterblichen Überreste eines bereits 2014 getöteten und seitdem im Gazastreifen festgehaltenen israelischen Soldaten. Im Gegenzug sollen fast 2000 inhaftierte Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freikommen. Die Frist für die Freilassung der Geiseln läuft am Montag um 12.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MESZ) ab.
Die Waffenruhe hielt am Sonntag den dritten Tag in Folge. Die israelische Armee zog sich wie vereinbart aus mehreren Bereichen des Gazastreifens zurück.
Trump wird am Montag zu einem Besuch in Israel erwartet - seinem ersten seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Nach einem Gespräch mit Netanjahu wird Trump am eine Rede vor dem israelischen Parlament halten und Angehörige von Geiseln treffen. Am Nachmittag wird der US-Präsident dann im ägyptischen Scharm el-Scheich erwartet, wo ein internationaler Nahost-Gipfel stattfinden soll. Daran sollen Staats- und Regierungschefs aus mehr als 20 Ländern teilnehmen, unter anderen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Bei dem Gipfeltreffen soll nach Angaben der ägyptischen Regierung ein Dokument "zur Beendigung des Krieges im Gazastreifen" feierlich unterzeichnet werden. Ziel sei es, "den Krieg im Gazastreifen zu beenden, die Bemühungen um Frieden und Stabilität im Nahen Osten zu verstärken und eine neue Ära regionaler Sicherheit und Stabilität einzuläuten", erklärte das ägyptische Präsidialamt. Israelische Vertreter nehmen laut Regierungssprecherin Bedrosian nicht an dem Gipfel teil. Auch die Hamas ist nach eigenen Angaben nicht vertreten.
Einige entscheidende Konfliktpunkte sind jedoch bisher nicht geklärt. So sieht Trumps Friedensplan unter anderem die Entmachtung und Entwaffnung der Hamas vor. Die islamistische Palästinenserorganisation lehnt dies jedoch strikt ab. Ein Hamas-Vertreter sagte AFP, eine Entwaffnung der Hamas sei "ausgeschlossen".
Wie am Sonntag aus Hamas-Verhandlerkreisen verlautete, will die islamistische Palästinenserorganisation aber zumindest auf eine führende Rolle bei der künftigen Verwaltung des Gazastreifens verzichten. Das "Regieren im Gazastreifen" stehe für die Hamas "nicht mehr zur Debatte", sagte ein Hamas-Vertreter AFP. Zugleich schränkte er ein: "Aber sie bleibt ein grundlegender Bestandteil der palästinensischen Struktur."
US-Vizepräsident JD Vance zufolge kann Stabilität im Nahen Osten nur durch anhaltenden "Druck" der USA gesichert werden. Auch die EU wird ihre Präsenz im Gazastreifen nach der Einschätzung des zurückgetretenen französischen Außenministers Jean-Noël Barrot künftig "sehr wahrscheinlich" verstärken. Er nannte in diesem Zusammenhang die EU-Kontrollmission Eubam und die Initiative Eupol Copps, mit der palästinensische Sicherheitskräfte unterstützt werden.
"Das Abkommen ist nicht einfach, aber es ist ein historischer Moment", sagte Israels Präsident Isaac Herzog, der am Sonntag den sogenannten Platz der Geiseln in Tel Aviv besuchte. Bereits am Abend zuvor waren dort zehntausende Menschen zusammengekommen. Viele von ihnen trugen T-Shirts mit den Porträts der Geiseln, die am Montag freikommen sollen. Die Menge schwenkte israelische und US-Flaggen, einige Demonstranten riefen "Danke, Trump!".
Y.Nakamura--AMWN