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Nach angeblichem Angriff auf Putin-Residenz: Moskau will Verhandlungskurs verschärfen
Nach dem angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz von Kreml-Chef Wladimir Putin hat Moskau eine noch härtere Gangart in den Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs angekündigt. "Die Konsequenzen werden sich in einer Verhärtung der Verhandlungsposition der Russischen Föderation niederschlagen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag. Kiew dementierte unterdessen erneut einen ukrainischen Angriff auf die Putin-Residenz und erklärte, Moskau lege dafür weiterhin keine Belege vor.
Der russische Außenminister Sergew Lawrow hatte die Anschuldigungen zu dem angeblichen Angriff auf die Putin-Residenz am Tag nach einem Treffen zwischen dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump erhoben. Trump hatte sich nach dem Gespräch am Sonntag optimistisch gezeigt und von "großen Fortschritten" bei den Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs gesprochen.
Nach den russischen Vorwürfen zu einem Beschuss der Putin-Residenz könnten die Verhandlungen nun aber noch schwieriger werden. Schon bislang zeigte sich Moskau wenig nachgiebig und erklärte immer wieder, den Konflikt auch mit militärischen Mitteln zu Ende bringen zu können. Am Dienstag bekräftigte Moskau, dass es militärische Vergeltung für die angebliche Attacke auf die Putin-Residenz geben werde. "Was eine militärische Reaktion betrifft, wissen wir, wie und wann wir antworten werden", sagte Peskow.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bekräftigte unterdessen in einer Onlinebotschaft zu den russischen Anschuldigungen, "dass kein Angriff dieser Art stattgefunden hat". Zugleich betonte er, dass Russland weiterhin "keine plausiblen Belege" für einen Beschuss der Putin-Residenz geliefert habe.
Der Kreml-Sprecher nannte es jedoch "verrückt", solche Beweise zu fordern. Es brauche keine Belege für "solch einen massiven Drohnenangriff", der dank der guten Koordination im russischen Luftabwehrsystem abgewehrt worden sei, sagte er.
Lawrow hatte die Ukraine beschuldigt, Putins Residenz in der Region Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg in der Nacht zum Montag mit 91 Drohnen attackiert zu haben, die alle von der russischen Luftabwehr zerstört worden seien. Moskau äußerte sich nicht dazu, wo sich Putin zum Zeitpunkt des angeblichen Angriffs aufhielt. Russland habe nach dem "terroristischen Angriff" Ziele in der Ukraine für "Vergeltungsangriffe" ausgewählt, kündigte auch Lawrow an.
Selenskyj wies die Anschuldigungen bereits am Montag als "weitere Lüge" Russlands zurück. Er warf Moskau vor, mit diesen Anschuldigungen die diplomatischen Bemühungen der USA zur Beendigung des Konflikts zu untergraben. Auch erklärte Selenskyj, Russland wolle nur einen Vorwand schaffen für weitere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, die sich gegen Regierungsgebäude richten könnten.
Trump zeigte sich am Montag "sehr wütend" über den angeblichen Angriff auf die Putin-Residenz. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um so etwas zu tun", sagte er in seinem Privatanwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. Am Tag zuvor war er am selben Ort mit Selenskyj zusammengetroffen. Trotz des von Trump danach bekundeten Optimismus waren Schlüsselfragen aber weiterhin ungeklärt, so die Zukunft der von Russland reklamierten, aber nur teilweise besetzten Donbass-Region in der Ostukraine.
Am Dienstag berieten dann ihrerseits erneut Spitzenvertreter Europas und Kanadas in einer Schaltkonferenz über Wege zur Beendigung des russischen Angriffskriegs. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte anschließend im Onlinedienst X: "Wir treiben den Friedensprozess voran." Er forderte zugleich "Transparenz und Ehrlichkeit von allen – auch von Russland".
Konkretes zum Inhalt der Schaltkonferenz wurde zunächst nicht bekannt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb von einer "guten Diskussion" über die Unterstützung der Ukraine, die Sicherheit des Landes und seinen Wiederaufbau. "Letztlich liegt das Wohlergehen eines freien ukrainischen Staates in seinem Zugang zur EU", betonte sie. Dieser stelle auch eine "wesentliche Sicherheitsgarantie" für die Ukraine dar.
Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen setzte Russland seine massiven Luftangriffe auf die Ukraine auch in der Nacht zum Dienstag fort. Laut der ukrainischen Luftabwehr wurde das Land mit zwei Raketen und rund 60 Drohnen beschossen. Die südukrainische Stadt Saporischschja wurde nach Angaben der örtlichen Behörden in den Morgenstunden von drei Bomben getroffen, dabei sei eine Frau verletzt und mehrere Häuser und Wohngebäude seien beschädigt worden.
Ferner ordneten die ukrainischen Behörden die Evakuierung von mehr als einem Dutzend Dörfern im Norden des Landes an. "Der Verteidigungsrat hat beschlossen, 14 Grenzdörfer zu evakuieren, in denen noch 300 Menschen leben", teilte der Verwaltungschef der Region Tschernihiw, Wjatscheslaw Tschaus, mit. Er fügte hinzu, dass das "Grenzgebiet jeden Tag bombardiert" werde. Die Region Tschernihiw an der Grenze zu Belarus wird täglich von der russischen Armee angegriffen.
Die russische Armee gab am Dienstag die Einnahme zweier kleiner Dörfer in der nordostukrainischen Region Charkiw und der südlichen Region Saporischschja bekannt. Die russischen Streitkräfte haben in den vergangenen Monaten zwar langsame, aber kontinuierliche Geländegewinne vor allem im Osten der Ukraine erzielt.
M.Fischer--AMWN