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Streit um Grönland: Warten auf Trump in Davos
In Davos sind am Mittwoch alle Augen auf Donald Trump gerichtet: Beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforum trifft der US-Präsident auf seine europäischen Verbündeten, die seinen Plan zur Übernahme Grönlands entschieden ablehnen. Der US-Präsident, der seine Annexions-Drohungen vor seiner Abreise bekräftigt hatte, landete wegen einer Flugzeugpanne am Mittag mit mehrstündiger Verspätung in der Schweiz. Nato-Generalsekretär Mark Rutte rief zu "umsichtiger Diplomatie" im Grönland-Konflikt auf.
Ein "kleines" elektronisches Problem zwang Trumps Präsidentenmaschine Air Force One am Morgen nach Angaben des Weißen Hauses zur Umkehr. Das Flugzeug landete auf dem Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews, wo Trump und seine Delegation in eine andere Maschine umsteigen mussten. Gegen 12.40 Uhr landete der US-Präsident schließlich mit rund zweistündiger Verspätung in Zürich, von wo aus er dann per Hubschrauber weiter nach Davos fliegen sollte.
Trumps Rede, die ursprünglich für 14.30 Uhr geplant war, wird vor dem Hintergrund der Grönland-Krise viel Aufmerksamkeit zuteil. Der US-Präsident will in Davos auch mehrere Staats- und Regierungschefs treffen. US-Finanzminister Scott Bessent wies die Kritik der Europäer an Trumps Kurs im Grönland-Streit zurück. "Ich werde allen sagen: Atmen Sie tief durch", sagte Bessent in Davos. Die Europäer dürften sich nicht von Bitterkeit und "diesem Wutreflex, den wir gesehen haben", leiten lassen. "Warum setzen sie sich nicht hin, warten, bis Präsident Trump hier ankommt, und hören sich seine Argumente an?"
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sagte in Davos, er arbeite "hinter den Kulissen an dieser Angelegenheit". Nur so könne er dabei helfen, die Situation zu entschärfen. "Der einzige Weg, damit umzugehen, ist am Ende eine umsichtige Diplomatie", fügte Rutte hinzu. Vor seinem Abflug hatte Trump am Dienstag gesagt, er setze auf eine "sehr gute" Lösung innerhalb der Nato. "Ich denke, wir werden etwas ausarbeiten, womit die Nato sehr zufrieden sein wird und womit auch wir sehr zufrieden sein werden." Er ließ offen, wie eine solche Einigung aussehen könnte.
Die USA bräuchten Grönland "für die nationale Sicherheit und sogar für die Sicherheit der Welt", bekräftigte Trump. Er kündigte ein persönliches Gespräch mit der politischen Führung in Grönland zu diesem Thema an. "Ich bin sicher, sie werden begeistert sein", sagte er. Auf die Frage, wie weit er bereit sei zu gehen, um eine Übernahme Grönlands durchzusetzen, antwortete er: "Sie werden es herausfinden."
Zugleich erneuerte Trump vor seinen Gesprächen in Davos die Kritik an den Europäern. Über den britischen Premier Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte er, sie seien "ein bisschen ruppig", wenn er nicht zugegen sei. "Aber wenn ich da bin, behandeln sie mich sehr freundlich", fügte er hinzu.
Trump hatte mit seinen jüngsten Zolldrohungen gegen acht europäische Länder, die er als Gegner seines Anspruchs auf eine Übernahme Grönlands ausgemacht hat, heftige Kritik ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete diese am Dienstag in Davos als "grundsätzlich inakzeptabel, umso mehr, wenn sie als Druckmittel gegen die territoriale Souveränität eingesetzt werden". Frankreich sprach sich am Mittwoch für eine Nato-Übung auf Grönland aus.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte erneut vor den Folgen einer Eskalation im Streit zwischen der EU und den USA. "Wenn wir jetzt in eine gefährliche Abwärtsspirale unter Verbündeten rutschen, würde dies nur jene Gegner stärker machen, die wir beide entschlossen sind fernzuhalten", sagte von der Leyen vor dem Europaparlament in Straßburg.
Die Europäer hoffen, Trump noch mit Verhandlungen von seiner Zolldrohung abzubringen. Zugleich bereitet die EU eine Antwort auf mögliche US-Zölle vor. Dazu gehört etwa ein Paket von Gegenzöllen. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen am Donnerstag bei einem Gipfel in Brüssel weiter über ihr Vorgehen beraten.
Der Ukraine-Krieg rückte in Davos angesichts des Streits um Grönland in den Hintergrund. Ursprünglich hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Teilnahme an dem Treffen in dem Schweizer Skiort angekündigt. Inzwischen war aber unklar, ob er noch nach Davos reisen würde.
F.Pedersen--AMWN