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Libanon: 380 Tote seit Waffenruhe - Israel meldet Einsatz am Fluss Litani
Bei israelischen Luftangriffen auf den Libanon sind seit Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen beiden Ländern nach neuen offiziellen Angaben 380 Menschen getötet worden. Unter den seit dem 17. April Getöteten seien 108 Angehörige der Sicherheitskräfte und der Gesundheitsbehörden, erklärte der libanesische Gesundheitsminister Rakan Nassereddin am Dienstag. Die israelische Armee gab einen Einsatz von Bodentruppen im Libanon am Litani-Fluss bekannt, Medienberichten zufolge überquerten dabei Soldaten den Fluss.
In der Nacht zum Dienstag waren libanesischen Medienberichten zufolge sechs Menschen bei einem Angriff auf ein Haus in der südlibanesischen Ortschaft Kfar Dunin getötet worden. Sieben weitere Menschen wurden bei den Angriffen zudem verletzt, wie die staatliche libanesische Nachrichtenagentur berichtete. Am Dienstag wurden in der ebenfalls im Süden des Libanon gelegenen Stadt Nabatäa laut dem Zivilschutz zwei Rettungskräfte im Einsatz getötet.
Der arabischsprachige Sprecher der israelischen Armee, Avichai Adraee, veröffentlichte erneut mehrere Evakuierungsanordnungen auf Arabisch für Ortschaften im Süden des Libanon. Auf solche Ankündigungen folgen üblicherweise Luftangriffe.
Zudem gab die Armee einen mehrtägigen Bodeneinsatz nahe dem Litani im Südlibanon bekannt. In der vergangenen Woche hätten Soldaten einen "Sondereinsatz zur Beseitigung terroristischer Infrastruktur im Litani-Gebiet und zur Herstellung der operativen Kontrolle in der Umgebung" ausgeführt. Soldaten hätten dort Einrichtungen der Hisbollah ausgemacht sowie ein Tunnelnetzwerk, in dem "große Mengen an Waffen und Abschussrampen für Raketen" gelagert gewesen seien. Insgesamt seien mehr als 100 Ziele getroffen worden.
Israelischen Medienberichten zufolge überquerten Soldaten den Fluss und waren in einem Vorort der nördlich des Litani gelegenen Stadt Sautar al-Scharkija im Einsatz. Der Nachrichtenagentur AFP teilte die Armee mit, sie könne eine Querung des Litani nicht bestätigen. Sie veröffentlichte aber Aufnahmen von Soldaten, die zu Fuß eine Brücke über einen Fluss überqueren.
Der Litani verläuft rund 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze. Der Fluss spielt seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah.
So sieht eine im November 2024 abgeschlossene Waffenruhe vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani zurückzieht und südlich davon nur noch die libanesische Armee und die UN-Friedensmission Unifil verbleiben. Bereits eine UN-Resolution aus dem Jahr 2006 hatte die Hisbollah verpflichtet, sich nördlich des Flusses zurückzuziehen. Israel begründet sein militärisches Vorgehen im Libanon vor allem mit der anhaltenden Präsenz der Hisbollah im Grenzgebiet zu Israel - und wirft der libanesischen Armee wie der Unifil vor, nicht ausreichend gegen die Hisbollah vorzugehen.
Israels Streitkräfte hatten zuletzt ihre Angriffe auf Ziele der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon verstärkt.
Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit drei Wochen eine Waffenruhe, die von der Hisbollah aber nicht anerkannt wird. Die pro-iranische Miliz beschießt weiterhin Ziele in Israel und verübt Angriffe auf israelische Soldaten im Süden des Libanon. Auf israelischer Seite wurden seit der Waffenruhe nach Armeeangaben fünf Soldaten getötet.
Parallel dazu laufen erstmals seit Jahrzehnten direkte Friedensverhandlungen zwischen dem Libanon und Israel. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel Israels Vernichtung ist, lehnt die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern ab.
Mit Angriffen auf Israel hatte die Hisbollah den Libanon Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Nach den jüngsten Angaben der libanesischen Regierung wurden seit Anfang März rund 2880 Menschen im Libanon bei israelischen Angriffen getötet. Hierunter befinden sich laut der Hisbollah auch getötete Kämpfer der Miliz.
D.Cunningha--AMWN