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Fußball-Fest mit Kontroversen: Mega-Event Weltmeisterschaft startet in Mexiko
In Mexiko-Stadt beginnt am Donnerstagabend das bislang größte Sportereignis der Welt: Nach einer Eröffnungsshow mit Stars wie Shakira wird im Aztekenstadion das erste Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer angepfiffen, die dieses Jahr von Mexiko, den USA und Kanada ausgerichtet wird. Überschattet wird das Turnier unter anderem von Debatten über horrende Ticket-Preise, restriktive Einreiseregeln der USA sowie Gewalt und Proteste in Mexiko.
Erstmals nehmen an der Fußball-WM 48 statt 32 Nationen teil, es gibt eine Rekordzahl von 104 Spielen in 16 verschiedenen Stadien. Das Sportereignis soll umgerechnet gut elf Milliarden Euro an Einnahmen generieren.
Deutschland spielt in der Gruppe E und bestreitet am Sonntag sein Auftaktspiel gegen WM-Neuling Curaçao. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) tippte wie viele andere bereits auf einen "klaren Sieg" der deutschen Mannschaft, Vize-Kanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte der "Rheinischen Post" vom Donnerstag, er traue "unseren Jungs" auch den Titel zu. Als Favoriten gelten allerdings Spanien, Frankreich und England mit seinem deutschen Trainer Thomas Tuchel.
Das WM-Finale findet am 19. Juli nahe der US-Metropole New York im Bundesstaat New Jersey statt. Vorab gab es viel Kritik an den Ticket-Preisen. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, Gianni Infantino, wies dies am Mittwoch (Ortszeit) zurück. Die Preise seien "angemessen", sagte er in Mexiko-Stadt.
Tickets für die WM-Spiele kosten in Einzelfällen mehr als 30.000 Dollar (26.000 Euro). Mehrere US-Bundesstaaten untersuchen bereits möglichen Ticket-Wucher. Infantino verwies in seiner Pressekonferenz darauf, dass auch Tickets für 60 Dollar angeboten worden seien. Davon gab es allerdings nur äußerst wenige. Der Durchschnittspreis lag laut dem Fifa-Chef unter 500 Dollar.
Den Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan, dem die USA die Einreise verwehrten, bezeichnete Infantino als "unglücklich". Offensichtlich mit Blick auf die breite Kritik an dem Fall riet der Schweizer der Öffentlichkeit, "sich zu entspannen". Infantino verwies zugleich darauf, dass die Fifa den Regierungen der Gastgeberländer nichts vorschreiben könne.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hatte am Mittwoch an die US-Regierung appelliert, ihre Einreisepolitik hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf "die Menschenrechte und die Menschenwürde" zu überdenken. Die rigiden US-Einreisevorschriften hatten schon vor Beginn des Turniers für Spannungen gesorgt.
So mussten die Spieler der iranischen Nationalmannschaft lange auf ihre Visa für die USA warten. Inzwischen haben zwar alle iranischen Spieler ihre US-Einreisegenehmigungen erhalten, doch einigen Delegationsmitgliedern wurden die Visa verweigert. Zudem hatte die iranische Mannschaft wegen des US-israelischen Krieges gegen ihr Land ihr WM-Quartier von den USA in die mexikanische Grenzstadt Tijuana verlegt.
Beim Gastgeberland Mexiko bereitet die Sicherheitslage Sorgen. Am Mittwoch (Ortszeit) wurden bei einem Angriff im westlichen Bundesstaat Michoacán fünf Polizisten getötet, wie örtliche Behörden mitteilten. Fünf weitere Beamte wurden demnach verletzt. Der Angriff fand im Bezirk Nahuatzen statt, in dem das mächtige Drogenkartell Jalisco Nueva Generación aktiv ist.
Die Hauptstadt des Bundesstaates Michoacán, Morelia, liegt jeweils etwa 300 Kilometer von den WM-Austragungsorten Mexiko-Stadt und Guadalajara entfernt. Nach den Worten der mexikanischen Regierung ist die Sicherheit der Fußball-Fans nicht gefährdet.
Am Dienstag hatten tausende demonstrierende Lehrerinnen und Lehrer den Haupt-Zugang zum Azteken-Stadion in Mexiko blockiert. Staatschefin Claudia Sheinbaum kritisierte den Protest für höhere Lehrergehälter und eine Abkehr von der Rentenreform kurz vor der WM als "Provokation".
In der Folge richtete die Polizei in einem Umkreis von 1,6 Kilometern um das Azteken-Stadion eine Sicherheitszone ein, die nur Menschen mit gültigem WM-Ticket betreten dürfen. Am Mittwochabend (Ortszeit) demonstrierten in einem Viertel in der Nähe des WM-Stadions hunderte Menschen, die in dem von Drogengewalt geplagten Land nach ihren verschwundenen Angehörigen suchen.
Die mexikanische Nationalmannschaft könnte die Stimmung im Land am Donnerstagabend mit einem Sieg über Südafrika aufhellen. Auf den Tag genau vor 16 Jahren hatte diese Paarung auch die Fußball-WM in Südafrika eröffnet. Damals endete das Spiel 1:1.
Die USA spielen in ihrer ersten Partie am Freitag in Los Angeles gegen Paraguay. US-Außenminister Marco Rubio, Verkehrsminister Sean Duffy und Heimatschutzminister Markwayne Mullin wollen sich das Spiel im Stadion ansehen.
Die Weltmeisterschaft sei ein bedeutender Moment für die Trump-Regierung, mit der das Ko-Gastgeberland "amerikanische Führungsstärke und Gastfreundschaft vor einem weltweiten Publikum" unter Beweis stellen könne, erklärte ein Sprecher des State Department.
US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch gesagt, er wolle bei der Weltmeisterschaft dabei sein. Er ließ aber offen, welches oder welche Spiele er besuchen will.
P.Martin--AMWN