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Riesige Menschenmassen geleiten Chameneis Leichnam bei Trauerzug durch Teheran
Begleitet von einer unüberschaubaren Menschenmenge ist der Leichnam von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei am Montag in einem Trauerzug durch die Straßen der Hauptstadt Teheran gefahren worden. Sein Sarg und die seiner getöteten Angehörigen standen auf der offenen Ladefläche eines Lastwagens, auf Chameneis Sarg lag der schwarze Turban, der ihn als Nachfahre des Propheten Mohammed ausgewiesen hatte. Die Menschen entlang der Straße skandierten Parolen gegen die USA und Israel, die Chamenei Ende Februar am ersten Tag des Iran-Krieges getötet hatten.
Zur Zahl der Teilnehmer an dem Trauermarsch äußersten sich die iranischen Behörden zunächst nicht, im Vorfeld hatten sie mit bis zu 20 Millionen Teilnehmern bei den tagelangen Trauerfeiern gerechnet. Die Bevölkerung war aufgerufen, massenhaft zu den Feierlichkeiten zu erscheinen, um nach dem Krieg ein Bild der Einigkeit und der Standhaftigkeit gegenüber den Erzfeinden USA und Israel zu vermitteln.
In dem Trauerzug waren Plakate zu sehen, die zur Tötung von US-Präsident Donald Trump und des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu aufriefen. "Alle sprechen von Rache", sagte der 58 Jahre alte Gholamresa Chanbabaei, während er ein Bild von Trump in den Händen trug, der darauf mit einer Waffe bedroht wurde. "Es muss geschehen, sonst wird es später noch schlimmer." Ein vom Staatsfernsehen verbreitetes Video zeigte eine an einem Galgen hängende Trump-Puppe.
Der Trauerzug sollte zehn Stunden dauern und den Höhepunkt der am Samstag begonnenen öffentlichen Trauerfeierlichkeiten für den bei US-israelischen Angriffen am 28. Februar getöteten Chamenei bilden. Am Wochenende war Chameneis Sarg im religiösen Mosalla-Komplex in Teheran aufgebahrt worden. Sonntag und Montag waren zu Feiertagen erklärt worden, damit die Bevölkerung Abschied von Chamenei nehmen konnte. Der Luftraum über Teheran wurde gesperrt.
Bei Temperaturen um die 35 Grad wurden die Teilnehmer des Trauerzugs von Tankwagen aus mit Wasser besprüht, Getränke und Essen wurden ausgegeben. Die Organisatoren verteilten iranische Flaggen und Bilder von Ali Chamenei und seinem Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei.
Um ein Chaos wie bei den Trauerfeierlichkeiten für Chameneis Vorgänger Ayatollah Ruhollah Khomeini zu vermeiden, begleiteten Sicherheitskräfte zu Fuß den Trauerzug. 1989 waren bei einem Massengedränge während der Trauerfeier für Khomeini nach Angaben der Staatsmedien mehr als zehn Menschen ums Leben gekommen und mehr als 10.000 weitere verletzt worden. Zahlreiche Trauernde hatten damals das Fahrzeug gestürmt, wobei das Leichentuch zerriss und Khomeinis Leichnam zu Boden fiel.
Chamenei stand seit 1989 an der Spitze des klerikalen Systems im Iran und war damit der mächtigste Mann im Staat. Der erzkonservative oberste Führer war am 28. Februar zu Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Neben dem 86-Jährigen wurden dabei auch mehrere seiner Angehörigen und weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet.
Bei dem Angriff soll auch Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei verletzt worden sein, der später zum neuen obersten Führer des Landes ernannt wurde. Er trat seitdem nicht öffentlich auf und zeigte sich anders als seine drei Brüder auch nicht bei den Trauerfeierlichkeiten.
Am Dienstag soll Chameneis Sarg in die schiitische Gelehrtenstadt Ghom gebracht werden, am Mittwoch in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak. Am Donnerstag soll Chameneis gemeinsam mit seinen getöteten Familienmitgliedern in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran beigesetzt werden.
Die Tötung Chameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht hat in der Islamischen Republik eine neue Ära eingeläutet, die jedoch von Ungewissheit geprägt ist. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste im Januar mit tausenden Toten gelten die Trauerfeierlichkeiten als Test dafür, wie stark die Unterstützung für die Führung in Teheran ist.
Seit dem 8. April gilt im Iran-Krieg eine brüchige Waffenruhe. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Beide Seiten haben aber gedroht, dass sie die Kämpfe jederzeit wieder aufnehmen könnten.
S.F.Warren--AMWN