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Referendum beendet Hamburger Olympiaträume: Bürger gegen Bewerbung ihrer Stadt
Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Hamburger in einem Referendum gegen eine Bewerbung ihrer Stadt für die Olympischen Spiele entschieden. 54,9 Prozent der teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger stimmten gegen die Pläne, 45,1 Prozent waren dafür, wie die Landeswahlleitung in der Hansestadt am Sonntag nach der Auszählung mitteilte. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) teilte mit, dass Hamburg seine Bewerbung als Ausrichterstadt beim Deutschen Olympischen Sportbund zurückgezogen habe.
Nach dem Referendum in der Hansestadt sind weiterhin Berlin, München sowie die Region Köln-Rhein-Ruhr im Rennen für das nationale deutsche Olympia-Konzept. Deutschland plant eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Verantwortlich dafür ist der Deutsche Olympische Sportbund, das Konzept für die Bewerbung wird noch entwickelt. Über die Vergabe entscheidet das Internationale Olympische Komitee. Ob Deutschland den Zuschlag bekäme, ist ungewiss.
München und die allermeisten Städte der Region Köln-Rhein-Ruhr, die mit einer Gemeinschaftsbewerbung für Nordrhein-Westfalen an den Start gehen wollen, stimmten in Referenden bereits für eine Ausrichtung. Gleiches gilt für die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel, die in allen Konstellationen die Segelwettbewerbe übernehmen soll. In der Hauptstadt Berlin ist hingegen kein Bürgerentscheid vorgesehen.
In Hamburg war es bereits das zweite Mal, dass Pläne für eine Bewerbung um Olympische Spiele durch einen Bürgerentscheid gestoppt wurden. 2015 sprach sich eine Mehrheit der Bürger in einem Referendum gegen eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 aus.
Viele Bürgerinnen und Bürger hätten sich auf die Spiele gefreut und seien über das Ergebnis "enttäuscht", räumte Tschentscher ein. Zudem hätten Olympische Spiele der Stadt "Rückenwind" gegeben. Das Votum sei für den Senat gleichwohl verbindlich. Die Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) bezeichnete das Ergebnis des Referendums als "herbe Enttäuschung und eine verpasste Chance"
Die Anti-Olympia-Initiative NOlympia Hamburg sprach dagegen von einem "Zeichen für Fairplay und Teamgeist". Das Abstimmungsergebnis solle der Politik "eine Lehre sein", erklärte Sprecher Eckart Maudrich. Die Bürgerinnen und Bürger wollten "kein weiteres Leuchtturmprojekt", sondern "bezahlbare Mieten, gut ausfinanzierte soziale Einrichtungen, Sportplätze, Universitäten und Schulen". Dies müsse der Senat angehen.
Der Deutsche Olympische Sportbund möchte im Herbst entscheiden, mit welchem Standort Deutschland auf internationaler Ebene ins Rennen um die Ausrichtung der Spiele ab 2036 geht. Die Olympischen Sommerspiele bis dahin sind bereits vergeben - im Jahr 2028 finden diese in der US-Metropole Los Angeles statt, 2032 im australischen Brisbane.
Als "schade, aber auch ehrlich" bezeichnete die für Sport zuständige Staatsministerin der Bundesregierung, Christiane Schenderlein (CDU), das Ergebnis aus Hamburg. Trotz des Ausgangs des Referendums in der Hansestadt lebe "der Traum" von den Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland weiter. Es gelte nun, im weiteren Prozess "das Konzept mit den größten Erfolgschancen" zu finden, fügte sie hinzu.
Pläne für eine deutsche Olympiabewerbung entstanden nach den vielfach als gelungen gewerteten Sommerspielen in Paris 2024. Sie sind jedoch umstritten - unter anderem wegen der zu erwartenden Kosten sowie weit verbreiteter Kritik an kommerzialisierten Großveranstaltungen und internationalen Sportverbänden. Gerade Olympische Spiele im Jahr 2036 gelten zudem als politisch-symbolisch überaus heikel: Exakt 100 Jahre zuvor richteten die Nationalsozialisten 1936 in Berlin die Spiele aus.
Sollte Deutschland den Zuschlag für Sommerspiele zwischen 2036 und 2044 erhalten, wäre es das insgesamt dritte Mal. Nach 1936 richtete die Bundesrepublik nochmals 1972 Olympische Sommerspiele in München aus.
Laut vorläufigem Ergebnis stimmten rund 357.900 Hamburgerinnen und Hamburger gegen die Olympiabewerbung, knapp 294.00 votierten dafür. Die Wahlbeteiligung lag laut Landeswahlleitung bei 49,6 Prozent. Abgestimmt werden konnte wochenlang per Briefwahl, abschließend waren am Sonntag zudem mehr als 100 Wahllokale geöffnet.
A.Mahlangu--AMWN