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Bewaffnete Sicherheitskräfte verwehren Studentinnen in Kabul Zugang zu Unis
Einen Tag nach dem Hochschulverbot für Frauen in Afghanistan haben bewaffnete Sicherheitskräfte hunderten Studentinnen den Zugang zu Universitäten in Kabul verwehrt. "Wir sind am Ende, jetzt haben wir alles verloren", sagte eine junge Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Das Verbot der radikalislamischen Taliban löste weltweit Empörung aus. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kündigte an, das Thema auf die Agenda der G7-Gruppe zu setzen.
"Sie wollen, dass Frauen zuhause bleiben und Kinder kriegen. Das ist alles, mehr sollen sie nicht", sagte die 21 Jahre alte Setara Farahmand, die in der afghanischen Hauptstadt deutsche Literatur studiert. Die Taliban wollten die Frauen "abschaffen", sagte sie.
Männliche Kommilitonen in Kabul zeigten sich solidarisch. "Es zeigt nur, wie ungebildet sie sind, und wie wenige Ahnung sie vom Islam und Menschenrechten haben", sagte ein Student über die Taliban, die am Vortag das Verbot öffentlich gemacht hatten.
Mehrere in Hidschab gekleidete Frauen versammelten sich in Kabul in der Nähe von Universitäten, deren Tore verschlossen blieben. Die meisten Hochschulen haben derzeit Winterferien, waren bisher aber für Personal und Studierende zugänglich.
Der afghanische Hochschulminister hatte am Dienstag alle staatlichen und privaten Universitäten angewiesen, "den genannten Erlass für die Suspendierung von Bildung für Frauen bis auf weiteres umzusetzen".
Die Bundesregierung verurteilte die Entscheidung scharf. "Indem sie die Zukunft von Mädchen und Frauen in Afghanistan zerstören, haben die Taliban beschlossen, die Zukunft ihres eigenen Landes zu zerstören", schrieb Baerbock im Onlinedienst Twitter. Es werde den Radikalislamisten aber nicht gelingen, "Frauen unsichtbar zu machen" fügte sie hinzu. Baerbock kündigte an, den Hochschulausschluss von Frauen in Afghanistan auf die Agenda der G7-Gruppe wichtiger Industriestaaten zu setzen, in der Deutschland bis zum Jahresende den Vorsitz hat.
Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) twitterte: "Gebildete Frauen sind offenbar die größte Bedrohung für das menschenverachtende Regime der Taliban." Das Hochschulverbot sei "ein Verbrechen an allen Mädchen und Frauen, aber auch an der Zukunftsfähigkeit des ganzen Landes."
Frankreichs Außenministerium kritisierte, die Entscheidung reihe sich "in die Liste der zahllosen Verletzungen und Einschränkungen der Rechte und Grundfreiheiten von Afghaninnen ein, die von den Taliban ausgesprochen worden sind". Ministeriumssprecherin Anne-Claire Legendre sagte, die Verletzungen seien "absolut inakzeptabel".
US-Außenminister Anthony Blinken drohte den Taliban mit Konsequenzen. "Die Taliban können nicht damit rechnen, anerkannte Mitglieder der Staatengemeinschaft zu werden, bis sie die Rechte aller Menschen in Afghanistan anerkennen", sagte er.
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst beunruhigt". Die Verweigerung von Bildung verstoße nicht nur gegen die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen, sondern werde auch verheerende Auswirkungen auf die Zukunft des Landes haben, erklärte sein Sprecher.
Vor weniger als drei Monaten hatten tausende Mädchen und Frauen im ganzen Land Aufnahmeprüfungen für Universitäten absolviert. Viele von ihnen wollten Lehramt oder Medizin studieren.
Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im August 2021 sind die Rechte der Frauen an Universitäten bereits drastisch beschnitten worden: Sie mussten getrennte Eingänge benutzen, durften nicht gemeinsam mit den männlichen Studierenden in Hörsälen sitzen und durften nur noch von Frauen oder alten Männern unterrichtet werden.
Die radikalislamischen Taliban hatten bei ihrer erneuten Machtübernahme zunächst angekündigt, weniger hart vorgehen zu wollen als während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001. Inzwischen aber wird die Miliz immer radikaler.
A.Mahlangu--AMWN