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Südkorea überprüft nach tödlichem Flugzeugunglück Boeing-Maschinen
Nach dem tödlichen Flugzeugunglück in Südkorea mit einer Boeing 737-800 hat die Regierung eine "umfassende Prüfung" aller Flugzeuge dieser Bauart im Land angeordnet. Die Wartungsprotokolle wichtiger Bauteile wie Motoren und Fahrwerke von 101 Flugzeugen sechs verschiedener Fluggesellschaften würden untersucht, erklärte am Montag der stellvertretende Minister für zivile Luftfahrt, Joo Jong Wan. Zugleich begann eine einwöchige Staatstrauer für die 179 Todesopfer des Unglücks.
Zur Prüfung der Boeing-Maschinen reisten Vertreter der US-Flugsicherheit sowie des Herstellers nach Südkorea. Der Überprüfungsprozess solle bis zum 3. Januar abgeschlossen sein, kündigte Joo an.
Am Sonntag war eine aus Thailand kommende Maschine der südkoreanischen Billigfluglinie Jeju Air auf dem Flughafen Muan im Südwesten des Landes verunglückt. Die Boeing 737-800 war bei einer versuchten "Bauchlandung" ohne ausgefahrenes Fahrwerk von der Landebahn abgekommen, gegen eine Mauer geprallt und hatte Feuer gefangen. 179 der 181 Insassen kamen ums Leben. Nur zwei Besatzungsmitglieder konnten lebend aus dem Wrack geborgen werden. Es handelte sich um die schlimmste Flugzeugkatastrophe in der Geschichte Südkoreas.
Die Behörden vermuteten unmittelbar nach dem Unglück zunächst einen Vogelschlag sowie widrige Wetterbedingungen als mögliche Unglücksursache. Am Montag bekam dann eine weitere Boeing 737-800 von Jeju Air nach ihrem Start vom internationalen Flughafen Gimpo in Seoul Probleme mit dem Fahrwerk und musste umkehren. Die 41 Flugzeuge umfassende Flotte von Jeju Air umfasst 39 Flugzeuge dieses Typs.
Im ganzen Land wehten die Flaggen zu Beginn einer einwöchigen Staatstrauer am Montag auf Halbmast. Interimspräsident Choi Sang Mok reiste zum Unglücksort, um dort an einer Gedenkfeier teilzunehmen. Vor Ort dauerten die Bemühungen um die Identifizierung der Leichen weiter an. Joo erklärte, bisher seien 146 Opfer anhand von DNA-Analysen oder Fingerabdrücken identifiziert worden. Behördenangaben zufolge waren alle Passagiere des Unglücksflugzeugs Koreaner, mit Ausnahme von zwei Thailänder.
Choi versicherte, die Regierung unternehme "alle Anstrengungen", um die Opfer zu identifizieren und die Familien zu unterstützen. Eine "gründliche Untersuchung der Unfallursache" werde durchgeführt. Zudem werde eine "dringliche Sicherheitsinspektion des gesamten Flugzeugbetriebssystems" erfolgen, um künftig Katastrophen zu verhindern.
Angehörige der Opfer verbrachten die Nacht in speziellen Zelten in der Flughafenlounge. Am frühen Montag durchkämmten noch immer Soldaten ein Feld neben der Landebahn, offenbar auf der Suche nach sterblichen Überresten.
Die Aktien von Jeju Air fielen am Montag um bis zu 15 Prozent. Wie die Fluglinie der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, stornierten Kunden rund 68.000 Flüge.
Experten äußerten unterdessen Kritik an der Bauweise des Flughafens. Kim Kwan Il von der Silla Universität in Busan zeigte sich angesichts von Videoaufnahmen des Unglücks "ziemlich verärgert". Auf dem Video ist zu sehen, dass die Maschine eine gekonnte Notlandung macht, dann aber auf eine Mauer prallt. "In diesem Bereich hätte es überhaupt keine feste Bebauung geben dürfen", kritisierte Kim. Dies verstoße "gegen internationale Sicherheitsstandards". Normalerweise seien an Flughäfen nur "weiche" Zäune installiert, die sich biegen könnten.
P.Costa--AMWN