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Ausbleibende Impulse: Wirtschaftsforscher drosseln Wachstumserwartungen
Angesichts struktureller Wettbewerbsprobleme und der Belastung für die deutsche Exportwirtschaft durch die US-Zollpolitik haben sich die Erwartungen von Wirtschaftsforschern verschlechtert. Das Münchener Ifo-Institut korrigierte seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr auf 0,1 Prozent nach unten. Auch das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft 2025 mit 0,1 Prozent nahezu stagniert.
Für das kommende Jahr senkte das Ifo seine vorherige Prognose ebenfalls ab: um 0,5 Prozentpunkte auf ein nun erwartetes BIP-Wachstum von 0,8 Prozent. Das RWI prognostiziert für 2026 aktuell einen Zuwachs der deutschen Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent - 0,1 Prozentpunkte weniger als zuvor. Das Kiel Institut geht ebenso von 1,0 Prozent 2026 aus, zuvor waren es 1,3 Prozent gewesen.
"Die erhofften Impulse aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität lassen weiter auf sich warten", erklärte das RWI. Zudem gingen die Exporte "spürbar zurück", insbesondere in die USA. Auch die privaten Investitionen seien erneut gesunken.
Mit Blick auf das Sondervermögen der Bundesregierung erklärte das RWI zudem, dass sich die Mittel entgegen den anfänglichen Erwartungen erst im Verlauf des kommenden Jahres auf die Nachfrage auswirken würden. "Die Effekte fallen zudem weniger kräftig aus - auch weil Bürokratie, politische Abstimmungen und hohe Abgabenlasten bremsen."
Die deutsche Wirtschaft passe sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle "nur langsam und kostspielig an", teilte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser mit. "Zusätzlich werden Unternehmen und Neugründungen im Besonderen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert."
Laut Ifo-Prognose dämpfen zudem die höheren US-Zölle das Wachstum in diesem Jahr um 0,3 Prozentpunkte und 2026 gar um 0,6 Prozentpunkte. Auch wenn die Weltwirtschaft in den Jahren 2025 bis 2027 "moderat um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr" wachse, profitiere die deutsche Industrie davon nicht und verliere weiter an Wettbewerbsfähigkeit.
RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt verwies auf grundlegende Wettbewerbsprobleme der deutschen Wirtschaft. Die Unberechenbarkeit der US-Zollpolitik belaste die deutsche Exportwirtschaft, erklärte er. Kernproblem sei aber die "anhaltend schwindende Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten".
"Die vielen strukturellen Probleme im Sozialsystem, die Überbürokratisierung oder der Rückstand bei Künstlicher Intelligenz und anderen modernen Technologien lassen Deutschlands Wirtschaft auf der Stelle treten", führte IfW-Präsident Moritz Schularick aus. Es sei "insgesamt enttäuschend, dass wir für das kommende Jahr nicht mehr als ein Prozent Zuwachs erwarten können, obwohl die Bundesregierung hohe Schulden aufnimmt und die staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung erhöhen will."
L.Davis--AMWN