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Rund 300.000 Menschen ziehen bei Hamburger CSD-Demonstration durch die Stadt
Rund 300.000 Menschen sind am Samstag bei der Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) in Hamburg durch die Stadt gezogen. Das teilten Polizei und Veranstalter am Nachmittag übereinstimmend mit. Beide sprachen von einem sehr friedlichen Verlauf der Großveranstaltung.
Die Kundgebung unter dem Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst" fand eine Woche nach dem islamistischen Anschlag beim Berliner CSD statt. Die Sicherheitsvorkehrungen waren daher massiv verschärft worden. Die Polizei wollte rund doppelt so viele Sicherheitskräfte einsetzen wie im Vorjahr.
Die Route der Demonstration führte durch die Hamburger Innenstadt, zudem gab es unter anderem ein Straßenfest. Bei der Zahl der Teilnehmenden handele es sich um einen neuen Rekord, sagte ein Sprecher der Veranstalter. Im vergangenen Jahr waren etwa 260.000 Menschen gezählt worden.
Eine Polizeisprecherin beschrieb die Stimmung am Nachmittag als "absolut friedlich und ausgelassen". Über Zwischenfälle sei nichts bekannt. "Wir sind sehr zufrieden", betonte die Sprecherin. Auch die Veranstalter sprachen von einem sehr friedlichen Verlauf.
"Die Stimmung ist gut", sagte auch ein Sprecher der Veranstalter. Er zeigte sich beeindruckt, dass "die Stadtgesellschaft zusammenkommt und solidarisch an unserer Seite steht". Es seien auch "viele Menschen auf den Straßen, die nicht queer sind, auch Familien mit Kindern, Senioren und heterosexuelle Paare" - deutlich mehr als in früheren Jahren.
"Wir fühlen uns getragen von der Stadtgesellschaft, wir sind stolz auf Hamburg", sagte der Sprecher. Die Veranstalter hatten zuvor nach eigenen Angaben etwa 250.000 Teilnehmende erwartet.
An dem Zug beteiligten sich knapp 60 Trucks und knapp 80 Fußgruppen. Neben denen, die durch die Stadt zogen, beteiligten sich auch zahlreiche Menschen am Straßenrand an dem Geschehen. Diese sind laut Polizei in die Zahl der Teilnehmenden eingerechnet.
Unter den Teilnehmenden waren auch Politikerinnen und Politiker aus Hamburg und dem Bund, darunter der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Matthias Miersch, die frühere Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang und die Hamburger Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne).
Der Berliner CSD-Verein nahm mit einem eigenen Wagen an der Demonstration in Hamburg teil. Auch Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) war vor Ort. Nach dem Anschlag in Berlin "geht es jetzt darum, an der Seite der queeren Community zu stehen", erklärte sie. "Der Anschlag darf nicht dazu führen, dass sich queere Menschen aus Angst zurückziehen oder weniger sichtbar werden", betonte Kiziltepe.
Auch in weiteren, teils kleineren Städten gab es am Samstag CSD-Demonstrationen. In Naumburg in Sachsen-Anhalt beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter etwa tausend Menschen.
Am Samstag vergangener Woche war in Berlin ein 21-Jähriger mit einem Kleintransporter nahe der Abschlussfeier der CSD-Demonstration in Menschen gefahren und hatte weitere mutmaßlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der Anschlag hatte sich am Rande der eigentlichen Veranstaltungszone ereignet.
Die CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar "Stonewall Inn" in der Christopher Street in New York stürmte. Das gilt als Geburtsstunde der modernen Lesben- und Schwulenbewegung.
P.Stevenson--AMWN