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Strafverfahren in Moskau: Bildhauer Jacques Tilly lässt sich nicht vertreten
Der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly lässt sich auch bei der Fortsetzung des Prozesses gegen ihn wegen seiner satirischen Spitzen gegen Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag in Moskau vor Ort nicht vertreten. "Das wäre kontraproduktiv, denn ich will dem Verfahren keine Legitimität geben", sagte er der "Rheinischen Post" (Donnerstagsausgabe). Er sei von den russischen Behörden bislang nicht kontaktiert worden.
Er habe noch nie eine formelle Ladung aus Moskau bekommen, erklärte Tilly. "Trotzdem stehe ich in Russland auf der Fahndungsliste." Stattdessen informiere ihn die deutsche Botschaft in Russland regelmäßig. "Botschafter Alexander Graf Lambsdorff behält den Prozess im Blick."
Tilly ist Chef-Wagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszugs und bekannt für politisch freche Wagen. Seit Jahren schon nimmt Tilly insbesondere Putin und dessen aggressive Politik aufs Korn. Im vergangenen Jahr hatte ein russisches Gericht ein Strafverfahren gegen Tilly eingeleitet.
"Satire ist ein edles Wort für Spott", sagte Tilly. "Sie tut weh, stärker als wir denken, gerade bei Machthabern, die mit Angst regieren." Denn wer lache, habe keine Angst mehr. "Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass ich Scherzkeks mit meinen Pappfiguren vor den Kadi gezerrt werde", sagte der Wagenbauer.
Über die Solidarität, die er erlebt, zeigte sich der Künstler erfreut. "Mir hilft der öffentliche Beistand von Menschen, die sagen: Wir wollen uns nicht daran gewöhnen, dass Satire vor Gericht gestellt wird", sagte er. "Je mehr Menschen das sagen, umso besser." Zugleich zeigte Tilly sich besorgt, "sollte die AfD an die Macht kommen und russischen Forderungen nach Auslieferung folgen". Von seiner Kunst rückte er dennoch nicht ab: "Meine Putin-Wagen waren immer richtig, sind immer richtig und bleiben auch in Zukunft immer richtig", sagte er.
2014 hatte ein Mottowagen Putin beim Düsseldorfer Rosenmontagszug als Kraftprotz im Muskelshirt gezeigt. Den Bizeps des Kreml-Chefs ersetzten die Macher dabei mit einer Bombe mit der Aufschrift "Krim", an der bereits die Lunte brennt.
2021 gestaltete Tilly einen Wagen, bei dem der 2024 unter ungeklärten Umständen in einem Straflager in Russland gestorbenen Oppositionelle Alexej Nawalny einem übermächtigen Putin mit einem Grinsen in die Weichteile tritt. Ein Jahr nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ließen Tilly und sein Team Putin in einer blutgetränkten Wanne in den blau-gelben Farben der Ukraine baden. 2024 erregte Tilly mit einer Putin-Figur hinter Gittern Aufsehen, die er auch gut sichtbar vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag platzierte.
Auch in diesem Jahr zeigten die Düsseldorfer Mottowagen wieder satirische Darstellungen von Putin. Einer der Wagen stellte ihn beim Steuern einer Drohne dar, die die AfD-Chefin Alice Weidel trägt und mit der Aufschrift "AfD: Die Landesverräter" unterzeichnet ist. Auf einem weiteren Wagen war Putin in Militäruniform zu sehen, der mit einem Messer einen Narren ersticht. Ein dritter Wagen zeigte ihn gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump, während beide Europa verspeisen.
O.M.Souza--AMWN