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Norwegen trauert um Harald V. - Haakon ist neuer König
Die Norweger trauern um ihren langjährigen Monarchen: Zahlreiche Menschen säumten am Freitagabend die Straßen, als der Sarg des wenige Stunden zuvor verstorbenen Königs Harald V. im Regen durch die Straßen von Oslo zum Palast gefahren wurde. Vor dem Schloss im Herzen der norwegischen Hauptstadt legten tausende Norweger Blumen nieder, umarmten einander weinend und erinnerten an den beliebten König. Dessen 53 Jahre alter Sohn trat als Haakon VIII. seine Nachfolge an. Der Tod des dienstältesten Monarchen Europas löste auch international große Anteilnahme aus.
"Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass Seine Majestät König Harald uns heute verlassen hat", teilte das Königshaus mit. "König Harald ist am Freitag, dem 28. August, um 06.35 Uhr im Nationalkrankenhaus friedlich entschlafen."
Am Donnerstag hatte das Königshaus mitgeteilt, dass der 89-Jährige sich in einem "extrem ernsten Zustand" befinde. Die Königsfamilie versammelte sich an seinem Krankenbett. Der an einer Form von Blutarmut leidende Monarch war am Montag vergangener Woche in die Universitätsklinik Rikshospitalet eingewiesen worden.
Der neue König Haakon VIII. traf am Mittag gemeinsam mit seiner Tochter Ingrid Alexandra, der neuen Kronprinzessin, im Palast ein. Dort informierte er das Regierungskabinett formell über den Tod seines Vaters. Er dankte der Regierung und den norwegischen Bürgern "für ihre Unterstützung und ihr Mitgefühl für die königliche Familie in dieser Zeit".
"Eine Ära ist zuende. Eine neue beginnt. Der König ist tot. Lang lebe der König", sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Störe in einer Ansprache nach dem Treffen. Die Norweger würden ihren langjährigen Monarchen "wegen seiner Liebe zu seinem Volk, seines Humors und seiner Wärme und seiner unerschütterlichen Treue zu uns" in Erinnerung behalten.
Im ganzen Land läuteten am Mittag die Kirchenglocken. Die Regierung rief Staatstrauer bis zur Beisetzung von Harald V. aus. Der verstorbene Monarch soll zunächst in der Schlosskapelle aufgebahrt werden. Der neue König Haakon VIII. soll am kommenden Dienstag vor dem Parlament seinen Eid auf die Verfassung ablegen.
Vor dem Palast legten tausende Menschen Blumen, Karten und Landesflaggen nieder. Viele umarmten einander, während sie auf das stetig wachsende Blumenmeer schauten. "Er war ein König für das Volk", sagte Kristoffer Hamre. Die 65-jährige Vigdis Haug hob Haralds Fähigkeit hervor, die Menschen zusammenzubringen. "Er war so ein bodenständiger König, der sich um uns alle gekümmert hat", sagte sie.
Viele Trauernde erinnerten an Haralds Rede nach den Anschlägen des Rechtsextremen Anders Behring Breivik im Sommer 2011, bei denen 77 Menschen getötet wurden. "Ich bleibe bei meiner Überzeugung, dass die Freiheit stärker ist als die Angst", sagte der König damals.
Auch international löste Haralds Tod große Anteilnahme aus. Der Monarch sei "ein herausragender Vertreter seines Landes" gewesen, erklärte Schwedens König Carl XVI. Gustaf. Der dänische König Frederik X. bezeichnete den verstorbenen Monarchen als "außergewöhnlichen Mann", der "Pflicht und Verantwortung mit Präsenz und Mitgefühl verband".
Der britische König Charles III. erklärte, Harald V. habe sein Land mit "Herzlichkeit und Bescheidenheit" geführt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte "tiefe Trauer". "Norwegen verliert eine große Persönlichkeit, die für Besonnenheit und Einheit stand", erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Harald V. war seit 1991 König von Norwegen und seit dem Tod von Queen Elizabeth II. der älteste lebende Monarch Europas. In den vergangenen Jahren hatte er mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Eine Abdankung schloss er jedoch aus.
Haralds Sohn und Nachfolger Haakon VIII. will den Wahlspruch "Alles für Norwegen" beibehalten, den schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater gewählt hatten. Neue Königin ist Haakons Frau, die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit.
Die norwegische Königsfamilie hatte in den vergangenen Monaten turbulente Zeiten durchgemacht. Mette-Marit geriet wegen ihrer Freundschaft mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und des Vergewaltigungsprozesses gegen ihren Sohn Marius Borg Hoiby in die Negativ-Schlagzeilen. Der 29-Jährige, der aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammt, war im Juni wegen zwei Vergewaltigungen und zahlreicher weiterer Straftaten zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, die er zurzeit im Hausarrest verbüßt.
Mette-Marit selbst war erst Mitte Juli nach einer Lungentransplantation aus dem Krankenhaus entlassen worden. Bei ihr war 2018 eine schwere Lungenkrankheit diagnostiziert worden. Schließlich musste ihr eine Spenderlunge transplantiert werden, ohne die sie nach Einschätzung der Ärzte nur noch ein Jahr zu leben gehabt hätte. Trotz der Skandale um sie und ihren Sohn ist die Königsfamilie im Land weiterhin sehr beliebt.
H.E.Young--AMWN