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"Eine der schlimmsten Tragödien" der Schweiz: Rund 40 Tote bei Brand in Bar an Silvester
Erschütternde Bilanz des Brandes in einer Bar im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht: Bei dem Unglück sind nach Angaben der Behörden rund 40 Menschen ums Leben gekommen und 115 weitere verletzt worden. Die meisten Verletzungen seien schwer, sagte der Polizeichef des Kantons Wallis, Frédéric Gisler, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Der Schweizer Präsident Guy Parmelin nannte den Brand "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat".
Die Krankenhäuser im Kanton Wallis waren wegen der vielen Verletzten überlastet, einige wurden in Kliniken in anderen Regionen gebracht. Nach Angaben des italienischen Außenministers Antonio Tajani wurden zwischen zwölf und 15 Italiener bei dem Feuer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert. Etwa 16 Italiener würden vermisst. Das französische Außenministerium erklärte am Donnerstagabend, dass mindestens neun Franzosen verletzt worden seien und acht weitere noch vermisst würden.
Informationen über mögliche deutsche Todesopfer oder Verletzte lagen am Donnerstag nicht vor. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die deutsche Botschaft in Bern stehe mit den Schweizer Behörden "in engem Kontakt".
Das Flammeninferno in der bei Touristen beliebten Bar "Le Constellation" war aus zunächst unklarer Ursache ausgebrochen, als überwiegend junge Partygäste den Beginn des neuen Jahres feierten. Laut Polizei ereignete sich gegen 01.30 Uhr eine "Explosion unbekannter Ursache". Einen Anschlag schlossen die Behörden aus.
Der für Sicherheit zuständige Staatsrat des Wallis, Stéphane Ganzer, sagte, die Explosion habe sich erst nach dem Ausbruch des Feuers ereignet, der Brand sei nicht durch explosive Gegenstände ausgelöst werden. Er sprach von "Chaos" und dramatischen Szenen am Brandort.
Der 18-jährige Alexis Laguerre, der mit Freunden an der Bar vorbeikam, sagte dem Schweizer Sender SRF: "Menschen rannten durch die Flammen (...). Menschen benutzten Stühle, um die Fenster einzuschlagen."
Ein junger Mann, der sich während des Unglücks in der Bar aufhielt, sagte der Schweizer Zeitung "24 Heures", Feuerwerkskörper auf Flaschen hätten einen Deckenbrand ausgelöst, der sich schnell ausgebreitet und Panik ausgelöst habe.
Zwei Französinnen nannten im Sender BFMTV Geburtstagskerzen auf Champagnerflaschen als Brandauslöser. "Sekunden später hat die gesamte Decke gebrannt", sagte eine von ihnen. Demnach hatten sich zum Unglückszeitpunkt rund 200 Gäste in der Bar aufgehalten, die meisten zwischen 15 und 20 Jahre alt.
Die Notaufnahme im wichtigsten Krankenhaus im Wallis war voll, die Brandopfer wurden auf Kliniken im ganzen Land verteilt. Wie die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-ATS berichtete, nahmen die auf Brandverletzungen spezialisierten Uni-Kliniken in Zürich und Lausanne Verletzte auf, andere Opfer kamen nach Genf.
Italiens Außenminister Tajani bot im Onlinedienst X die Unterstützung eines Klinikzentrums für schwere Brandverletzungen in Mailand an. Die EU teilte mit, sie stehe mit den Schweizer Behörden wegen medizinischer Unterstützung in Kontakt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich erschüttert. Auf X schrieb er: "Ein Moment der Freude wurde in Crans-Montana in der Schweiz zur Tragödie." In einem Kondolenztelegramm sprach er dem Schweizer Bundespräsidenten Parmelin, dem schweizerischen Volk und den betroffenen Familien sein "tiefstes Mitgefühl" aus. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron reagierte ebenfalls bestürzt und sprach der Schweiz die "volle Solidarität" Frankreichs aus.
Das Unglück hatte einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften ausgelöst. Auch etwa zehn Hubschrauber waren die Nacht über im Einsatz. Über Crans-Montana wurde wegen des Großeinsatzes eine Flugverbotszone verhängt. Für Angehörige wurden eine Notrufnummer und ein Informationszentrum eingerichtet.
Nach Angaben der Website von Crans-Montana hatte die Bar Platz für 300 Gäste im Inneren und für 40 weitere auf der Terrasse. Laut "24 Heures" befindet sich das Lokal im Erdgeschoss eines Gebäudes, verfügt aber auch über ein Untergeschoss, das für Veranstaltungen genutzt wurde. Laut einem örtlichen Unternehmensregister und Freunden der Eigentümer gehört die Bar einem französischen Paar.
Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Er schilderte der Nachrichtenagentur AFP, dass Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten.
Eine Anwohnerin sagte "24 Heures", als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana "in vollem Gange" gewesen, der Champagner sei "in Strömen geflossen". Nach Ausbruch des Feuers hätten sich die Menschen "fassungslos, besorgt, still" auf den Straßen versammelt. Ein weiterer Anwohner sagte der Zeitung: "Es ist furchtbar, viele junge Menschen gehen in diese Bar."
Die Generalstaatsanwältin des Wallis, Béatrice Pilloud, sagte, für die Identifizierung der Todesopfer und deren schnellstmögliche Übergabe an die Hinterbliebenen werde großer Aufwand betrieben.
In dem international bekannten Urlaubsort Crans-Montana findet ab dem 30. Januar der alpine Ski-Weltcup statt.
F.Bennett--AMWN