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Neandertaler perfektionierten schon vor 125.000 Jahren Fettgewinnung
Neandertaler haben bereits vor rund 125.000 Jahren die Gewinnung von Fett aus Knochen perfektioniert. Das zeigen Funde der Ausgrabungsstätte Neumark-Nord im Geiseltal in Sachsen-Anhalt, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Donnerstag in Halle berichtete. Solche komplexen Praktiken galten bislang als typisch für deutlich spätere Menschengruppen.
Damals hatte in der Region ein See gelegen, an dessen Ufer Neandertaler systematisch Knochen von mindestens 172 großen Säugetieren, darunter Hirsche, Pferde und Auerochsen, in zehntausende Stücke zerschlugen. Durch Erhitzen in Wasser gewannen sie anschließend energiereiches Knochenfett. Die Experten sprachen von einer prähistorischen "Fettfabrik". Mehr als 120.000 winzige Knochenfragmente sowie mehr als 16.000 Feuersteinwerkzeuge und andere Artefakte wurden dort geborgen.
Diese Entdeckung verändere das Verständnis von den Ernährungsstrategien der Neandertaler grundlegend und verschiebe den Beginn solch komplexer und arbeitsintensiver Ressourcenverwertung "um Zehntausende von Jahren weiter zurück in die Vergangenheit", erklärte die Universität Mainz am Mittwoch.
"Die Neandertaler gingen äußerst planvoll vor – von der Jagd über den Transport der Kadaver bis hin zur Fettgewinnung an einem speziell dafür genutzten Ort", erklärte der leitende Archäologe der Studie, Lutz Kindler. Sie wussten demnach um den hohen Nährwert von Fett und verstanden es, dieses effizient zugänglich zu machen.
Für die altsteinzeitlichen Menschen war die Jagd die Lebensgrundlage und insbesondere kalorienreiches Fett von entscheidender Bedeutung im Überlebenskampf. Schon die frühesten Vorfahren des Menschen in Afrika zerschlugen Knochen, um Knochenmark zu gewinnen.
"Die Entdeckungen von Neumark-Nord verändern unser Bild von der Anpassungsfähigkeit und den Überlebensstrategien der Neandertaler", erklärte der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, Harald Meller. "Offenbar betrieben sie bereits komplexes und arbeitsintensives Ressourcenmanagement, konnten vorausplanen, Nahrung effizient verarbeiten und ihre Umwelt geschickt nutzen."
Neben dem Landesamt für Archäologie waren Forschern des Leibniz-Zentrums für Archäologie und der Universität Leiden in den Niederlanden an der Studie beteiligt. Die Fundstelle Neumark-Nord in einem ehemaligen Braunkohletagebau hatte schon für einige neue Erkenntnisse gesorgt. Sie lieferte unter anderem den ersten Beweis dafür, dass Neandertaler aktiv Jagd auf Waldelefanten machten, die größten Landsäugetiere des Pleistozäns.
P.Santos--AMWN