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Später als gedacht: Hauskatze erreichte Europa erst vor 2000 Jahren
Die Hauskatze kam erst vor rund 2000 Jahren aus Nordafrika nach Europa und damit deutlich später als gedacht. Das zeigen Genanalysen von Katzenfunden aus knapp hundert archäologischen Fundstätten in Europa und Anatolien in der Türkei, wie die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns am Donnerstagabend in München berichteten. Bisher wurde angenommen, dass Katzen mit jungsteinzeitlichen Ackerbauern und Viehzüchtern aus dem Vorderen Orient vor etwa 7000 Jahren Europa erreichten.
Frühere Studien zeigten, dass die Hauskatze Felis catus von der nordafrikanischen Wildkatze Felis lybica lybica abstammt. Außerdem belegen archäologische Funde, dass sich Katzen schon vor fast 10.000 Jahren dem Menschen angeschlossen haben. Die Geschichte ihrer Domestikation, insbesondere die geographische Region, der Zeitpunkt und die Umstände ihrer Ausbreitung, sind jedoch bis heute weitgehend ungeklärt.
Ein internationales Forscherteam konnte nun mit Hilfe genetischer Analysen nachweisen, dass Hauskatzen nicht wie bisher angenommen vor 6000 bis 7000 Jahren mit jungsteinzeitlichen Bauern aus dem Vorderen Orient nach Europa gelangten. Dies ist das Ergebnis einer Analyse der DNA-Proben von 225 Katzen aus 97 archäologischen Fundstätten in Europa und Anatolien, wobei die ältesten untersuchten Proben etwa 11.000 Jahre alt sind.
Erstmals fanden sich demnach genetische Belege, dass der geografische Ursprung der heutigen Hauskatzen in Nordafrika und nicht wie bisher angenommen im Vorderen Orient liegt. Die Forschenden vermuten, dass Seefahrer vor etwa 2000 Jahren Katzen von dort nach Europa brachten.
Sie identifizierten zwei genetisch unterschiedliche Populationen aus Nordafrika. Die erste gelangte nach Sardinien und begründete die heute noch dort lebenden Wildkatzenpopulationen auf der Insel, während die zweite zur Römerzeit das europäische Festland erreichte und erheblich zum Genpool moderner Hauskatzen beigetragen habe.
"Die nordafrikanischen Wildkatzen haben sich aufgrund des reichhaltigen Angebots an Ratten und Mäusen oder Fischereiabfällen wohl dauerhaft in getreideanbauenden Siedlungen beziehungsweise in Hafenvierteln aufgehalten und sich so an die Nähe des Menschen gewöhnt", erklärte Joris Peters, Leiter der Staatssammlung für Paläoanatomie München. Vermutlich seien daher unterschiedliche Wildkatzenpopulationen an dem Domestizierungsprozess beteiligt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.
P.Stevenson--AMWN