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Wahl in Großbritannien: 77 konservative Parlamentarier treten nicht mehr an
In Großbritannien haben am Freitag weitere prominente konservative Parlamentarier erklärt, bei der für den 4. Juli angesetzten Parlamentswahl nicht mehr antreten zu wollen. Mit Wohnungsbauminister Michael Gove kündigte am Freitag ein amtierendes Mitglied aus dem Kabinett von Premierminister Rishi Sunak an, von einer Kandidatur abzusehen. Nach fast 20 Jahren als Abgeordneter "und mehr als einem Jahrzehnt im Kabinett in fünf Regierungsabteilungen habe ich heute die Entscheidung getroffen, abzutreten", schrieb Gove im Onlinedienst X.
Der 56-jährige ehemalige Journalist diente unter vier Premierministern unter anderem als Bildungs-, Justiz- und Umweltminister. Unter Sunak war er Minister für Chancengleichheit, Wohnungsbau und Kommunen.
Zuvor hatten bereits die Abgeordneten und ehemaligen Minister John Redwood und Greg Clark angekündigt, bei der Wahl nicht mehr antreten zu wollen; ebenso Craig Mackinlay, der nach der Amputation seiner Hände und Füße nach einer Blutvergiftung erst am Mittwoch unter großem Beifall ins britische Parlament zurückgekehrt war.
Während der Euro-Skeptiker Redwood lediglich erklärte, es gebe "andere Dinge, die er gerne tun" möchte, gab Mackinlay Zweifel angesichts der hohen Arbeitsbelastung als Grund an.
Insgesamt haben bisher bereits 77 konservative Abgeordnete ihren Rückzug aus dem britischen Parlament bekanntgegeben. Das sind mehr als vor dem überwältigenden Sieg des Labour-Politikers Tony Blair im Jahr 1997, als 72 konservative Abgeordnete das Handtuch warfen.
Auch die Ex-Premierministerin Theresa May und der ehemalige Tory-Parteivorsitzende Nadhim Zahawi gaben an, bei der Wahl nicht erneut kandidieren zu wollen.
Premier Rishi Sunak hatte am Mittwoch den 4. Juli als Termin für die Parlamentswahl bekanntgegeben. Die Parteien können ihre Kandidaten bis zum 7. Juni ernennen. Das britische Parlament zählt insgesamt 650 Abgeordnete. Seit 14 Jahren haben die Konservativen hier die Mehrheit. Dies könnte sich ändern: Derzeit liegen die Tories in Umfragen weit hinter der Labour-Partei.
Gove war Bildungsminister unter David Cameron, wandte sich in der Brexit-Kampagne 2016 allerdings gegen seinen Regierungschef. Er unterstütze im Anschluss Boris Johnsons Bemühungen, Tory-Vorsitzender zu werden und bewarb sich zwischenzeitlich sogar selber um den Posten. 2019 wurde er Teil des Kabinetts Johnson, wurde allerdings von diesem noch vor Auseinanderbrechen der Regierung geschasst.
D.Cunningha--AMWN