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Ukraine: Selenskyj und Erdogan bemühen sich um Wiederbelebung von Verhandlungen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben sich am Mittwoch um eine Wiederbelebung der Verhandlungen über eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg bemüht. "Bei dem heutigen Treffen haben wir auch betont, dass der Istanbul-Prozess mit einem pragmatischen und ergebnisorientierten Ansatz fortgesetzt werden muss", sagte Erdogan bei einer Pressekonferenz mit Selenskyj in Ankara. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff nahm - entgegen vorheriger Angaben - nicht an dem Treffen teil. Zuvor hatte ein US-Medienportal über Geheimgespräche zwischen Moskau und Washington über einen Ukraine-Friedensplan berichtet.
Erdogan sagte, der sich weiter verschärfende Krieg zwischen Russland und der Ukraine mache eine Wiederbelebung der Gespräche nötig: "Insbesondere die zunehmenden Angriffe auf die Energieinfrastruktur und die daraus resultierenden Verluste an Menschenleben führen zu irreparabler Zerstörung für beide Seiten", sagte Erdogan. "Wir sind stets bereit", Vorschläge mit Moskau zu diskutieren, betonte der türkische Präsident und lobte den Einsatz "unseres Verbündeten, der USA".
Die Türkei unterhält gute Beziehungen zu Russland und zur Ukraine gleichermaßen und hat sich seit Beginn des Ukraine-Krieges als Vermittler zwischen Kiew und Moskau angeboten.
Der ukrainische Präsident sagte nach dem Gespräch im Präsidentenpalast in Ankara, er hoffe auf eine Wiederaufnahme des Gefangenenaustausches mit Russland Ende des Jahres, "um eine bedeutende Zahl von Gefangenen zurückholen zu können". Selenskyj hatte am Dienstag in Onlinenetzwerken mit Blick auf seinen Türkei-Besuch erklärt, die Ukraine bemühe sich darum, "die Verhandlungen wiederzubeleben, und wir haben Lösungen entwickelt, die wir unseren Partnern vorschlagen werden".
Von ukrainischer Seite hatte es am Dienstag geheißen, dass Selenskyj in Ankara sowohl Erdogan als auch Witkoff treffen werde. Der US-Sondergesandte bestätigte seine Teilnahme zunächst nicht, Medien berichteten über eine Absage seiner geplanten Reise in die türkische Hauptstadt.
Am Mittwochnachmittag kam ein offizielles Dementi: "Es ist falsch, dass der US-Sondergesandte Witkoff in die Türkei reisen wird", erklärte ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums, der seinen Namen nicht nennen wollte. Der ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak hatte zuvor erklärt, im "ständigen Austausch" mit Witkoff zu stehen.
Moskau hatte seinerseits erklärt, keine Vertreter nach Ankara zu schicken. Russland sei aber weiter "offen" für Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe in der Ukraine.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow lehnte es am Mittwoch aber ab, sich zu einem US-Medienbericht über Geheimgespräche zwischen Moskau und Washington über einen Ukraine-Friedensplan zu äußern. "Es gibt nichts Neues, worüber wir Sie informieren können", antwortete er auf eine Journalistenfrage zu dem Bericht des Nachrichtenportals "Axios".
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte vor Journalisten in Berlin zu den angeblichen geheimen US-russischen Gesprächen, die Bundesregierung und die zuständigen Berater seien "mit der amerikanischen Regierung in engem und täglichem Kontakt" dazu, "ob wir hier möglicherweise zu einem entsprechenden Plan kommen können". Allerdings sei es "im Augenblick nicht absehbar, ob das kurzfristig zu einem Ergebnis führt", fügte er hinzu.
Delegationen aus Russland und der Ukraine trafen sich seit Mai zu drei Verhandlungsrunden in Istanbul, bei denen der Austausch von Gefangenen und die Rückgabe getöteter Soldaten vereinbart wurde. Fortschritte in Richtung einer Waffenruhe gab es bei den Treffen in der Türkei aber nicht. Moskau lehnte eine Feuerpause ab. Die russische Armee setzte vielmehr ihre Angriffe auf ukrainische Städte mit unverminderter Härte fort.
Am Mittwoch wurden bei neuen Angriffen im Westen der Ukraine laut Behördenangaben mindestens 25 Menschen getötet. Bei dem Angriff auf die Stadt Ternopil wurden mehrere Wohngebäude getroffen. Dutzende Menschen wurden zudem verletzt - auch bei Angriffen im Osten der Ukraine.
Ch.Havering--AMWN