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Proteste im Iran: Aktivisten melden 27 getötete Demonstranten und mehr als tausend Festnahmen
Seit Beginn der neuen Proteste im Iran haben Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten Dutzende Menschen getötet, darunter auch Minderjährige. Mindestens 27 Menschen seien von den Sicherheitskräften "durch Schüsse oder andere Gewalt" in acht Regionen des Landes getötet worden, erklärte die Organisation Iran Human Rights (IHR) am Dienstag. Unter den Getöteten seien fünf Kinder. Aus Sicht von IHR-Chef Mahmud Amiry-Moghaddam ist "das Regime derzeit instabiler denn je".
Die IHR mit Sitz in Norwegen warf den Sicherheitskräften vor, allein am Samstag mindestens sechs Menschen getötet zu haben, als sie das Feuer auf Teilnehmer einer Protestveranstaltung in Malekschahi in der westiranischen Provinz Ilam eröffneten - einem Landkreis mit etwa 20.000 Einwohnern, in dem viele kurdische Iraner und Vertreter der Minderheit der Loren leben.
Am Sonntag stürmten Sicherheitskräfte dann der IHR zufolge ein Krankenhaus in Ilam, in das Verletzte nach dem Protest in Malekschahi gebracht worden waren. Demnach wurden mehrere verletzte Demonstranten von den Behörden festgenommen. Insgesamt wurden laut IHR seit Beginn der Proteste vor zehn Tagen mehr als tausend Menschen festgenommen.
Bei dem jüngsten Protest in Teheran hatten Menschenrechtsorganisationen zuvor den Einsatz von Tränengas gegen Demonstranten auf dem Markt der Hauptstadt gemeldet. Aufnahmen zufolge skandierten Teilnehmer Slogans gegen die politische und religiöse Führung des Landes. Daraufhin feuerten die Sicherheitskräfte Tränengas auf die Demonstranten.
In den von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Online-Videos war zu hören, wie Demonstranten in Anspielung auf den im Exil lebenden Schah-Sohn Resa Pahlavi den Slogan riefen "Pahlavi wird zurückkehren". Ein weiterer Slogan richtete sich gegen das seit 1989 amtierende geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Die IHR und die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRNA) veröffentlichten ihrerseits Aufnahmen, auf denen Dutzende von Demonstranten die Worte "Freiheit" und "Schamlos" skandierten.
Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass es rund um den Markt in Teheran zu "sporadischen Versammlungen" gekommen sei. Demnach löste die Polizei die Proteste auf, die Demonstranten hätten sich in die nahegelegenen Gassen entfernt.
Später meldete Fars den Tod eines Polizisten im Westen des Iran bei einer Demonstration. Der Beamte aus Ilam sei "vor wenigen Stunden" getötet worden. Er sei "in der Region Malekschahi von einer Kugel der Randalierer direkt getroffen" worden. Bereits am Samstag hatten Staatsmedien den Tod eines Mitglieds der iranischen Revolutionsgarden gemeldet.
Der Iran sieht sich derzeit mit der größten Protestwelle seit 2022 konfrontiert. Damals hatte der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam massive Proteste ausgelöst. Amini war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen worden. Auslöser der aktuellen Protestwelle ist die Wut über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage im Iran.
Zunächst demonstrierten Ende Dezember vor allem Händler und Ladenbesitzer in Teheran, ihnen schlossen sich rasch auch zahlreiche Studierende an. Landesweit haben sich die Proteste nach jüngsten IHR-Angaben auf mindestens 26 der 31 Provinzen ausgeweitet. An mehr als 20 Universitäten des Landes hätten Studierende Demonstrationen abgehalten.
Laut einer auf offiziellen Meldungen in iranischen Medien basierenden Zählung sind seit Beginn der Proteste mindestens zwölf Menschen getötet worden, darunter auch Angehörige der Sicherheitskräfte.
Die Proteste dauern seit mittlerweile zehn Tagen an. Sie haben zwar noch nicht das Ausmaß der Demonstrationen von 2022 erreicht, doch fordern sie die Führung in Teheran angesichts der Wirtschaftskrise und auch des Zwölftage-Krieges mit Israel Mitte vergangenen Jahres erneut heraus.
"Die Islamische Republik hat eine gut dokumentierte Geschichte blutiger Unterdrückung und Massenmorde an Demonstranten bei früheren Aufständen", erklärte IHR-Chef Mahmud Amiry-Moghaddam. Aus seiner Sicht ist "das Regime derzeit instabiler denn je" und fürchte "ernsthaft um sein Überleben". Es bestehe daher die große Sorge, "dass die Unterdrückung dieses Mal noch gewalttätiger und weitreichender ausfallen könnte als zuvor".
X.Karnes--AMWN