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Iran-USA-Konflikt: Türkei bietet Vermittlung an - Teheran droht mit "vernichtender" Reaktion
Nach den jüngsten Drohungen der USA mit einem Angriff auf den Iran sind Rufe nach einer diplomatischen Lösung des Konflikts laut geworden. Die Türkei bot am Donnerstag an, zwischen Teheran und Washington zu vermitteln. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sagte, er hoffe auf eine "positive Einigung" mit dem Iran. Irans Verbündeter Russland pochte auf weitere Verhandlungen. Der iranische Armeechef drohte den USA derweil im Falle eines Angriffs mit einer "vernichtenden" Reaktion.
Die USA hatten nach der brutalen Niederschlagung der jüngsten Proteste im Iran einen neuen Militäreinsatz gegen das Land nicht ausgeschlossen und Kriegsschiffe in die Region entsandt. Ein Vertreter eines Golfstaates äußerte sich am Donnerstag besorgt über einen möglichen US-Angriff. "Dies würde die Region ins Chaos stürzen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Ein Angriff würde die Wirtschaft in der Region und in den USA schädigen und zu einem "sprunghaften Anstieg der Öl- und Gaspreise führen".
Die Türkei bot an, zwischen Washington und Teheran zu vermitteln. Außenminister Hakan Fidan empfängt am Freitag seinen iranischen Kollegen Abbas Araghtschi in Ankara. "Es ist falsch, den Iran anzugreifen", sagte Fidan dem katarischen Fernsehsender Al-Dschasira. "Es ist falsch, den Krieg wieder zu beginnen." Teheran sei zu Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit.
Auch der Kreml rief zu Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran auf. "Es ist klar, dass das Verhandlungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag vor Journalisten in Moskau.
Bundesaußenminister Wadephul sagte am Rande eines Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel, er hoffe auf eine "positive Einigung" mit dem Iran. "Niemand braucht einen neuen, weiteren Konflikt", sagte der CDU-Politiker. "Aber das iranische Regime muss wissen, dass es sein Verhalten nicht so fortsetzen kann, wie wir es in der Vergangenheit gesehen haben". Wadephul sagte, die von den USA angesprochenen Punkte mit Blick auf das iranische Raketenprogramm und die nukleare Bewaffnung Teherans seien auch für Deutschland von "großer Wichtigkeit".
Trump hatte dem Iran am Mittwoch erneut mit militärischer Gewalt gedroht, falls Teheran nicht über ein neues Atomabkommen verhandele. "Die Zeit wird knapp," schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. "Der nächste Angriff wird viel schlimmer", fügte er mit Blick auf die Bombardements der US-Armee während des zwölftägigen Krieges zwischen Israel und dem Iran im vergangenen Juni hinzu.
Mit dem Eintreffen des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" befinden sich nunmehr zehn Kriegsschiffe der US-Marine in den Gewässern des Nahen und Mittleren Ostens: Darunter sind die drei Zerstörer, die die "USS Lincoln" begleiten, drei weitere Zerstörer und drei Schiffe zur küstennahen Gefechtsführung. Dies entspricht in etwa der Streitmacht, die sich vor dem US-Militäreinsatz in Venezuela Anfang Januar in der Karibik befand.
Militärexperten zufolge könnte das US-Militär gezielt Einrichtungen der iranischen Führung um das geistliche Oberhaupt Ali Chamenei angreifen, um so einen Sturz der seit 1979 bestehenden Islamischen Republik zu begünstigen.
Der iranische Armeechef Amir Hatami bekräftigte am Donnerstag die Bereitschaft seines Landes zu einer entschlossenen Reaktion auf einen möglichen US-Angriff. Jeder Angriff auf den Iran werde eine "vernichtende Antwort" Teherans zur Folge haben, sagte er im Staatsfernsehen. Die Streitkräfte seien mit 1000 weiteren Drohnen ausgestattet worden. Bei der Produktion der Drohnen seien die "neuen Bedrohungen" sowie die Lehren aus dem zwölftägigen Krieg mit Israel im vergangenen Juni berücksichtigt worden.
Derweil steht die EU nach jahrelangen Diskussionen offenbar kurz davor, die Iranischen Revolutionsgarden, die bei der Niederschlagung der jüngsten Proteste eine entscheidende Rolle gespielt haben, als Terrororganisation einzustufen. Wadephul sagte beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel, er sei "sehr zuversichtlich, dass wir hier heute zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen".
Forderungen nach einem solchen Schritt auf EU-Ebene gibt es seit Jahren. Nach der Tötung von tausenden Demonstranten durch die iranischen Sicherheitskräfte während der jüngsten Protestwelle gaben zuletzt unter anderem Frankreich und Italien ihren Widerstand gegen die Maßnahme auf.
F.Schneider--AMWN