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Irans neuer Anführer schwört in erster Botschaft "Rache" und will Straße von Hormus weiter blockieren
Fast zwei Wochen nach Beginn des Iran-Krieges hat sich der neue oberste Anführer des Landes, Modschtaba Chamenei, in der ersten Botschaft seit seiner Ernennung unnachgiebig und kämpferisch gezeigt. Der 56-Jährige schwor "Rache" für die Opfer der US-israelischen Angriffe im Iran und rief zu einer fortgesetzten Blockade der für den Ölhandel weltweit wichtigen Straße von Hormus auf, wie Chamenei am Donnerstag im Staatsfernsehen erklären ließ. Die Internationale Energie-Agentur sprach von einer beispiellosen Störung der Ölversorgung, der Ölpreis stieg zeitweise wieder über 100 Dollar.
Chameneis erste Botschaft wurde von einer Journalistin des iranischen Staatsfernsehens verlesen, seit seiner Ernennung zum geistlichen Oberhaupt des Iran am Sonntag ist er nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Nun unterstrich er, bis die "Rache" "vollständig umgesetzt" sei, werde dies "zu unseren Prioritäten gehören". Chamenei dankte auch der "Widerstandsfront" im Jemen, im Libanon und im Irak. Er forderte zudem die Länder der Golfregion und im Nahen Osten auf, die US-Militärstützpunkte zu schließen. Versprechen der Vereinigten Staaten, Sicherheit und Frieden zu schaffen, seien "nichts weiter als eine Lüge".
Dass sich der 56-Jährige seit seiner Ernennung am Sonntag nicht öffentlich geäußert hatte, hatte in den vergangenen Tagen Spekulationen über seinen Verbleib ausgelöst. Der iranische Botschafter in Zypern hatte gesagt, vermutlich sei Modschtaba Chamenei bei dem Angriff auf seinen Vater verletzt worden.
Sein Vater Ayatollah Ali Chamenei war am 28. Februar, am ersten Tag des Iran-Krieges, bei einem israelischen Luftangriff auf Teheran getötet worden. Modschtaba Chamenei wurde am 8. März als Nachfolger zum politischen und geistlichen Oberhaupt des Iran ernannt.
Modschtaba Chamenei rief nun auch zu einer fortgesetzten Blockade der für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormus auf. "Der Hebel der Blockade der Straße von Hormus muss auf jeden Fall genutzt werden", ließ er erklären. Die iranischen Revolutionsgarden teilten daraufhin mit, die Meerenge weiter zu blockieren. "Dem Befehl des Oberbefehlshabers folgend, werden wir dem aggressiven Feind die härtesten Schläge versetzen", teilte Marinekommandeur Aliresa Tangsiri im Onlinedienst X mit.
Der Iran startete auch eine neue Angriffswelle gegen die Ölinfrastruktur in den Golfstaaten. Die Angriffe richteten sich gegen Ziele in Bahrain, Saudi-Arabien und im Oman. Bei Attacken auf zwei Öltanker vor der Küste des Irak wurde nach Angaben der irakischen Hafenbehörde ein Besatzungsmitglied getötet.
Der Ölpreis zog wieder an. Am Donnerstag überstieg der Preis für ein Barrel Öl der Referenzsorte Brent erneut die Marke von 100 Dollar. "Der Krieg im Nahen Osten verursacht die größte Störung des Angebots in der gesamten Geschichte des globalen Ölmarkts", erklärte die Internationale Energie-Agentur (IEA).
Durch die gestiegenen Öl- und Kraftstoffpreise steht US-Präsident Donald innenpolitisch unter Druck. Er nannte die Ölpreise mit Blick auf den Iran-Krieg nun aber zweitrangig. Von weitaus größerer Bedeutung sei es für ihn, "ein Reich des Bösen, den Iran, daran zu hindern, Atomwaffen zu besitzen und den Nahen Osten und tatsächlich die ganze Welt zu zerstören", schrieb Trump in seinem Onlindedienst Truth Social. Der Iran stehe kurz vor der Niederlage, sagte Trump zudem. Ein sofortiges Kriegsende sei aber nicht zu erwarten.
Um den Ölpreisschock zu mildern, hatte Trump Öltankern in der Straße von Hormus Geleitschutz in Aussicht gestellt. Doch US-Energieminister Chris Wright sagte nun, die US-Streitkräfte seien im Moment darauf konzentriert, den Iran anzugreifen. Er nannte es aber "sehr wahrscheinlich", dass solche Eskorten bis Ende März stattfinden würden.
Die israelische Armee setzte derweil ihre Angriffe auf den Iran fort. Dabei trafen die Streitkräfte nach eigenen Angaben eine Entwicklungsstätte für die Produktion von Atomwaffen.
Die Führung in Teheran warf der Europäischen Union "Mittäterschaft" bei den Angriffen der USA und Israels vor. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums prangerte auf X "Gleichgültigkeit und Duldung" der Angriffe durch die EU an.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sagte bei einem Besuch in Ankara, es müsse gewährleistet sein, "dass vom Iran keine Gefahr mehr für die Nachbarn ausgeht, aber auch für Europa nicht ausgeht". Andererseits sei die territoriale Integrität von Staaten zu akzeptieren.
Seit Beginn der Luftangriffe der USA und Israels wurden nach UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mehr als drei Millionen Menschen vertrieben. In Deutschland wächst angesichts des Iran-Krieges die Sorge vor einer möglichen Massenflucht aus der Region.
Im Iran wurden indes nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg fast 200 Menschen festgenommen. Unter anderem seien den Betroffenen die Weitergabe von Inhalten an ausländische Medien, Spionage und eine Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen worden, wie die in den USA ansässige Organisation HRANA mitteilte.
F.Schneider--AMWN