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Sozialist Grégoire wird Bügermeister von Paris
Auf dem Rad ins Rathaus: Der Sozialist Emmanuel Grégoire wird nach Hochrechnungen neuer Bürgermeister von Paris. In Marseille und Lyon wurden bei der zweiten Runde der französischen Kommunalwahl am Sonntag die Bürgermeister des links-grünen Lagers im Amt bestätigt. Die Rechtspopulisten eroberten rund 30 Gemeinden, scheiterten aber in den Großstädten Toulon und Marseille. Im südfranzösischen Nizza gewann deren Verbündeter Eric Ciotti.
Grégoire, der 48 Jahre alte künftige Bürgermeister von Paris, fuhr noch am Abend von seiner Wahlparty mit einem Vélib-Leihfahrrad bis vor das Rathaus - und gab im Fahren erste Interviews. "Die Freude ist riesig, und die Verantwortung ist auch riesig. Wir werden jetzt ein paar Stunden feiern und morgen sehr früh mit der Arbeit beginnen", sagte Grégoire.
Er war lange die rechte Hand der bisherigen Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo gewesen, die ihn vor dem Rathaus empfing und umarmte. Er will deren klima- und fahrradfreundliche Politik fortsetzen. Zudem will er leerstehende Büroräume zu Sozialwohnungen machen. Der mehrfache Marathonläufer gilt als wenig charismatisch, aber kompetent.
Grégoire setzte sich gegen die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati durch, die sich im September in einem Korruptionsprozess verantworten muss. Sie war vom Regierungslager unterstützt worden. Präsident Emmanuel Macron bestritt allerdings öffentlich Medienberichte, nach denen er sich persönlich für sie eingesetzt hatte.
In Marseille sicherte sich der linke Amtsinhaber Benoît Payan seine Wiederwahl. Er besiegte den rechtspopulistischen Kandidaten Franck Allisio, mit dem er in den Umfragen zeitweise gleichauf gelegen hatte. Der taktische Rückzug des linkspopulistischen Kandidaten dürfte Payan zusätzliche Stimmen eingebracht haben.
Der rechtspopulistische Rassemblement National (RN) scheiterte auch in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon, wo die RN-Kandidatin Laure Lavalette in den Umfragen lange vorn gelegen hatte. Dort wurde die konservative Amtsinhaberin Josée Massi im Amt bestätigt.
RN-Parteichef Jordan Bardella sprach dennoch von "dem größten Durchbruch in der Geschichte" seiner Partei. Der RN habe "mehrere Dutzend" Städte erobert. "Der RN und seine Verbündeten hatten nie zuvor so viele Gemeinderäte", erklärte er.
Der RN-Abgeordnete Laurent Jacobelli sprach von rund 30 Städten, in denen der RN sich durchgesetzt habe. Dazu zählten etwa die südfranzösischen Orte Orange, Carcassonne und Carpentras sowie der nordfranzösische Ort Liévin. Auch in Menton, wo Louis Sarkozy, der Sohn des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy angetreten war, gewann die RN-Kandidatin.
Der größte Sieg des Rechtsaußen-Lagers dürfte Nizza, die fünftgrößte Stadt des Landes, sein. Dort setzte der mit dem RN verbündete Ciotti durch, der früher Parteichef der Republikaner gewesen war und sich dann dem RN angenähert hatte.
Bei der vorherigen Wahl 2021 hatten die Grünen überraschend mehrere Rathäuser erobert; damals war von einer grünen Welle die Rede gewesen. Mehrere von ihnen verloren sie nun wieder, etwa in Straßburg, Bordeaux, Poitiers und Besançon. In Lyon wurde der grüne Bürgermeister hingegen im Amt bestätigt.
Im nordfranzösischen Le Havre sicherte sich der ehemalige Premierminister Edouard Philippe die Wiederwahl als Bürgermeister - und damit möglicherweise ein Sprungbrett in den Elysée. Philippe will 2027 bei der Präsidentschaftswahl antreten und hatte seine Kandidatur an eine erfolgreiche Wiederwahl in Le Havre geknüpft.
Ein weiterer Ex-Premierminister verlor sein Bürgermeisteramt: François Bayrou, dessen Mandat als Regierungschef von einem Missbrauchsskandal an einer katholischen Schule geprägt war, verlor im südfranzösischen Pau gegen den sozialistischen Kandidaten.
Die Präsidentenpartei Renaissance ist in der Fläche kaum vertreten. Zu ihrem größten Erfolg dürfte der Sieg des Abgeordneten Thomas Cazenave in Bordeaux zählen.
Das Duell zwischen Hittler und Zielinski im ostfranzösischen Ort Arcis-sur-Aube, das international Schlagzeilen gemacht hatte, gewann der parteilose Kandidat Charles Hittler. Ihm unterlag der von einer Rechtsaußenpartei unterstützte Antoine Renault-Zielinski.
Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl galt die Kommunalwahl als wichtiger Stimmungstest - auch wenn die Ergebnisse häufig sehr mit den lokalen Gegebenheiten zu tun haben und zudem viele parteilose Kandidatinnen und Kandidaten antraten.
In den meisten der 35.000 Kommunen war die Wahl schon in der ersten Runde am vergangenen Sonntag entschieden worden. Nur in etwa 1600 Kommunen, vor allem in den Großstädten wurde an diesem Sonntag erneut abgestimmt. Die Wahlberechtigten wählen zunächst nur die Gemeinde- und Stadträte. Diese wählen dann in ihrer ersten Sitzung den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin - die sogenannte dritte Runde der Kommunalwahl, die als Formsache gilt.
F.Dubois--AMWN