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Wahllokale in Brasilien geschlossen - Erste Ergebnisse wohl nach zwei Stunden
Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien haben am späten Sonntagnachmittag (Ortszeit, 21.00 Uhr MESZ) alle Wahllokale geschlossen. Die ersten Ergebnisse der Stichwahl zwischen dem rechtsradikalen Amtsinhaber Jair Bolsonaro und seinem linksgerichteten Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva wurden für etwa zwei Stunden nach Beendigung der Stimmabgaben erwartet.
Angesichts der extremen politischen Polarisierung im bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas und des mutmaßlich engen Rennens zwischen den Kandidaten wurde der Wahlausgang mit besonderer Hochspannung entspannt. In den letzten Umfragen vor der Stichwahl hatte Lula vor Bolsonaro gelegen, dies mit zuletzt geschrumpften Vorsprung.
Eine unmittelbar vor Beginn der Stichwahl veröffentlichte Befragung des Instituts Datafolha sah Lula bei 52 Prozent, Bolsonaro bei 48 Prozent. Im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl Anfang Oktober hatte Lula 48 Prozent der Stimmen geholt, Bolsonaro 43 Prozent. Lula war bereits in den Jahren 2003 bis 2010 Präsident.
Der Wahlkampf war mit äußerst harten Bandagen geführt worden und nahm zuletzt immer mehr den Charakter einer Schlammschlacht an. Die Vorwürfe unfairer Praktiken hielten auch noch am Wahltag an - Lulas Arbeiterpartei (PT) warf der Polizei vor, mit massiven Straßensperren vor allem im Nordosten des Landes Wählerinnen und Wählern die Stimmabgabe erschwert zu haben. In dieser Region genießt Lula besonders starken Rückhalt.
Der Vorsitzende des Obersten Wahlgerichts, Alexandre de Moraes, teilte mit, die Behörden hätten im weiteren Verlauf des Wahltages die Auflösung dieser von der Verkehrspolizei eingerichteten Kontrollpunkte angeordnet, an denen Fahrzeuge auf mögliche Verstöße gegen die Verkehrsvorschriften überprüft worden seien.
Moraes versicherte, die Verkehrskontrollen hätten lediglich zur "Verzögerung" bei der Stimmabgabe geführt. Keiner der Busse sei von der Polizei angewiesen worden, umzudrehen und zum Herkunftsort zurückzufahren. Das Wahlrecht sei nicht verletzt worden. Moraes lehnte es deshalb auch ab, die Öffnungszeiten der Wahllokale zu verlängern.
PT-Vertreter hatten Videos in den Onlinenetzwerken verbreitet, die an den Kontrollpunkten gestoppte Busse mit Wählerinnen und Wählern zeigten. "Was im Nordosten passiert, ist inakzeptabel", erklärte Lula. Die Zeitung "Folha de São Paulo" berichtete, am Sonntagmittag habe es im Land mehr als 500 Straßensperren durch die Verkehrspolizei gegeben. Dies seien 70 Prozent mehr gewesen als während der ersten Wahlrunde am 2. Oktober.
T.Ward--AMWN