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Digitaler Raum als Gefahr und Chance für Jüngere: Experten legen Betrachtung vor
Der digitale Raum ist aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht wegzudenken und birgt zugleich Gefahren und Chancen. Außerdem mangelt es nicht an Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt - Probleme gibt es eher bei Umsetzung und Zuständigkeit. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse der zu diesem Thema vom Familienministerium eingesetzten Expertenkommission, die am Montag eine erste Bestandsaufnahme präsentierte.
In dem Gremium arbeiten seit September vergangenen Jahres 18 Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen an Empfehlungen für einen besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Darunter sind Rechtsexperten, Kinderärzte, Experten der Psychologie, Pädagoginnen sowie Kinder und Jugendliche selbst, die zu ihrem Alltag befragt werden. Ende Juni will das Gremium konkrete Handlungsempfehlungen vorstellen und im September einen Abschlussbericht vorlegen - nun gab die Kommission eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme ab.
Es gehe bei der Debatte längst nicht nur um eine Diskussion über Handys an Schulen oder ein Social-Media-Verbot, sondern um einen "breiten Ansatz", sagte dazu Familienministerin Karin Prien (CDU) in Berlin. Weil es sich um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen handle, sei auch eine "integrierte Gesamtstrategie" nötig.
Der nun vorgelegte Text legt zum einen dar, dass digitale Medien mittlerweile ein "zentraler Bestandteil der Alltags- und Lebenswelt" junger und auch schon sehr junger Menschen seien - verbunden mit einem breiten Spektrum an Risiken: Suchtgefahr, Cybermobbing, Gewaltdarstellungen und sexualisierte Gewalt. Bei der Wirkung digitaler Inhalte spiele eine große Rolle, ob die Kinder und Jugendlichen bereits vorbelastet seien, etwa durch psychische Störungen, erlebte Traumata oder das Medienverhalten in der Familie.
Zugleich biete der digitale Raum Chancen - Schutz und Teilhabe dürften "keine Gegensätze" bilden, sagte der Ko-Vorsitzende der Kommission, Olaf Köller. Kinder und Jugendliche könnten mit digitalen Medien auch Freundschaften aufbauen, Gleichgesinnte etwa in der queeren Community oder in ihrer religiösen Gemeinde finden sowie sich gegenseitig stützen.
Letztlich komme es darauf an, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Medienkompetenz angemessen zu schulen, um eine sichere Teilhabe zu ermöglichen, schlussfolgert der Bericht. Daran müssten viele Einrichtungen und Verantwortliche beteiligt werden: Im ganz jungen Alter vor allem die Familie und die Eltern, außerdem Kitas und Schulen, die Kinder- und Jugendhilfe sowie Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich.
Schon jetzt sei die Medienkompetenzvermittlung in allen 16 Bundesländern als fächerübergreifende Aufgabe verankert, jedoch: "Die Umsetzung ist dabei sehr unterschiedlich." Elternbildung in dem Bereich sei ein "bundesdeutscher Flickenteppich" und die Unterstützung nicht systematisch genug organisiert, heißt es im Bericht.
Die Expertinnen und Experten kommen außerdem zu dem Schluss, dass der Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum bereits jetzt "weitreichend geregelt" sei. "Ein pauschales Regulierungsdefizit lässt sich nicht feststellen." So regele das EU-Gesetz für digitale Dienste (DSA) den Schutz Minderjähriger auf Plattformen, daneben gebe es das Datenschutzrecht und die KI-Verordnung und in Deutschland zum Beispiel das Jugendschutzgesetz.
Allerdings seien die Regeln in der Anwendung komplex und nicht immer klar voneinander abzugrenzen. Die größten praktischen Schwächen lägen in der "Anwendung, Altersabsicherung und wirksamen Durchsetzung" der Regeln, weniger im Normbestand.
In der jüngsten Vergangenheit war viel über Altersbeschränkungen bei der Nutzung sozialer Medien diskutiert worden, wie sie in anderen Ländern bereits gelten oder vorbereitet werden. In der Regierungskoalition gehen die Ansichten dazu auseinander. Zunächst sollen nun die Handlungsempfehlungen der Expertinnen und Experten abgewartet werden.
A.Mahlangu--AMWN