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Seehundbestand in Wattenmeer stagniert: Fast 24.000 Tiere gezählt
Der Seehundbestand im Wattenmeer stagniert weiterhin unterhalb des vor einigen Jahren erreichten Niveaus. In den Nordseeanrainerstaaten Deutschland, Dänemark und Niederlande wurden bei der jüngsten Zählung im August annähernd 24.000 Tiere registriert, wie das gemeinsame Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven am Freitag mitteilte. Das war ein Anstieg von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr, bedeutete jedoch weiterhin einen Rückgang gegenüber der Werten zwischen 2012 und 2021. So waren 2020 mehr als 28.000 Tiere gezählt worden.
Das Wattenmeersekretariat sprach von Hinweisen "auf eine Stabilisierung des Bestands auf niedrigerem Niveau". Nach zwischenzeitlich relativ wenigen Jungtieren sei diesmal bei den jährlichen Zählflügen zur Zeit des Fellwechsels die zweithöchste jemals beobachtete Zahl von jungen Seehunden beobachtet worden. Insgesamt waren es etwas mehr als zehntausend, was einem klaren Anstieg um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach.
Die Frage, warum der Seehundbestand nach einem jahrzehntelangen Anstieg wieder schrumpfte und sich seit einigen Jahren längerfristig auf einem niedrigeren Niveau einzupendeln scheint, beschäftigt die Experten schon seit einiger Zeit. Sicher ausgeschlossen werden können Krankheiten oder größere Abwanderungsbewegungen. Als Gründe denkbar sind demnach etwa zunehmende menschliche Aktivitäten oder Konkurrenz durch andere Tiere.
So nimmt die Zahl der Kegelrobben, größere Verwandte der Seehunde, im Wattenmeer der Nordsee seit Jahren kontinuierlich zu. Ihr Bestand wuchs laut Wattenmeersekretariats zuletzt jährlich um etwa zehn Prozent. Bei der jüngsten Zählung wurden bereits rund zwölftausend Kegelrobben registriert.
In Deutschland leben die meisten der fast 24.000 Seehunde - etwa 15.000 sind es den neuen Zahlen zufolge entlang der Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie im Hamburger Wattenmeer und auf Helgoland. In den Niederlanden gibt es rund 7300 Tiere, etwa 1700 in Dänemark.
Die regionale Bestandsentwicklung verlief im Jahresvergleich wie häufig unterschiedlich: Im nördlichen Verbreitungsgebiet in Dänemark und Schleswig-Holstein sank die Zahl teils deutlich, in den anderen Gebieten stieg sie an. Auf Helgoland verdoppelte sich die dortige Kolonie fast, sie ist jedoch klein - sie wuchs von 56 auf 100 Tiere.
Das Wattenmeer gehört seit 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe und wird von den Anrainerstaaten Deutschland, Niederlande und Dänemark gemeinsam geschützt. Auf deutschem Gebiet ist es als Nationalpark eingestuft. Das Wattenmeersekretariat im niedersächsischen Wilhelmshaven koordiniert länderübergreifend die Schutzmaßnahmen und beobachtet die Entwicklung.
Bereits seit 1991 werden Seehunde im Bereich des Wattenmeers durch ein spezielles Abkommen geschützt, das unter anderem die Einrichtung von Schutzgebieten zur Jungtieraufzucht vorsieht. Die Tiere leben auch in anderen Bereichen der Nordsee, etwa an der Küste von Großbritannien.
Der Bestand der Seehunde ging im vergangenen Jahrhundert drastisch zurück, 1975 lebten im gesamten Wattenmeer nur schätzungsweise 4000 Tiere. Die Zahl erholte sich seit den 70er Jahren allmählich wieder. Zwischenzeitlich dezimierten katastrophale Ausbrüche der sogenannten Seehundstaupe, einer Seuche, die Zahl der Tiere aber massiv. In den Jahren 1988 und 2002 verendete jeweils etwa die Hälfte des Bestands.
P.Santos--AMWN