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Wirtschaftliche Lage bei vielen Musikfestivals angespannt
Ob Pop, Jazz oder Klassik: Musikfestivals sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Kulturlandschaft. Doch die wirtschaftliche Lage vieler Festivals ist angespannt. Rund 30 Prozent der Festivals schlossen ihre letzte Ausgabe mit einem Verlust ab, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Studie "Musikfestivals in Deutschland" hervorgeht. Nur 15 Prozent der Festivals erzielten demnach "tatsächlich Gewinne".
Für die Studie - ein Kooperationsprojekt der Initiative Musik mit der Bundesstiftung LiveKultur und dem Deutschen Musikinformationszentrum - wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach bundesweit 1764 Festivalveranstalterinnen und -veranstalter befragt, von denen 638 an einer Online-Befragung im Winter 2024/25 teilnahmen. "Erstmals" werde damit auf Grundlage einer repräsentativen Datenbasis "eine fundierte Einordnung von Umfang, Struktur und Vielfalt der Musikfestivals in Deutschland ermöglicht", erklärten die Studienmacher.
Bezogen auf die wirtschaftliche Lage zeigte sich demnach, dass sich die durchschnittlichen Einnahmen der Festivals auf rund 313.000 Euro belaufen, während die Ausgaben bei etwa 296.000 Euro liegen. Hochgerechnet auf die gesamte Festivallandschaft in Deutschland ergeben sich geschätzte Einnahmen von etwa 551 Millionen Euro und Ausgaben von rund 522 Millionen Euro.
Größter Kostenfaktor mit durchschnittlich 38 Prozent sind dabei die Honorare für die Künstlerinnen und Künstler; Klassikfestivals wenden sogar 48 Prozent ihrer Ausgaben für Honorare auf. Mit Blick auf die Einnahmen dominieren bei Popmusikfestivals Ticketverkäufe (39 Prozent), gefolgt von Gastronomieerlösen (21 Prozent) und öffentlichen Zuschüssen (20 Prozent).
Klassikfestivals finanzieren sich hingegen in erster Linie durch öffentliche Zuschüsse (40 Prozent), Ticketverkäufe (30 Prozent) sowie weitere Förderungen, etwa durch Mäzene und Stiftungen (15 Prozent). Bei Jazzfestivals spielen öffentliche Förderung (39 Prozent) und Ticketverkäufe (29 Prozent) eine vergleichbare Rolle in der Einnahmenstruktur.
Die Gagenverteilung bei Festivalauftritten weist der Studie zufolge "eine deutliche Spannweite" und eine "stark hierarchisierte Struktur der Honorierung im Festivalbereich" auf. Am unteren Ende des Spektrums stehen demnach Newcomerinnen und Newcomer, die durchschnittlich 522 Euro pro Auftritt erhalten. Etablierte Musiker verdienen mit durchschnittlich 2308 Euro bereits deutlich mehr. An der Spitze stehen Hauptacts und Headliner, die mit durchschnittlich 7323 Euro ein Vielfaches der Gagen von Nachwuchskünstlern erhalten.
Trotz steigender Kosten und unsicherer Finanzierung zeigt sich laut der Studie "eine bemerkenswerte Dynamik bei Festivalgründungen - insbesondere im Bereich Elektronische Musik und populärer Genres". Knapp 18 Prozent aller Festivals wurden demnach seit 2020 neu gegründet - trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.
Im Kontrast steht diese positive Entwicklung allerdings zu einer allgemein skeptischen Zukunftseinschätzung: Knapp zwei Drittel der Veranstalter erwarten der Studie zufolge einen Rückgang der Festivalanzahl in den kommenden Jahren, nur sechs Prozent gehen von Wachstum aus.
22 Prozent und damit mehr als ein Fünftel äußern wiederum Unsicherheit bezüglich der Zukunft ihrer eigenen Veranstaltung. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Genres: Klassikfestivals sind mit 82 Prozent deutlich zuversichtlicher, ihre Veranstaltung in den kommenden Jahren fortsetzen zu können, als Popfestivals (62 Prozent). Vier Prozent der Klassik- und zehn Prozent der Popveranstalterinnen und - veranstalter befürchten das Aus ihres Festivals.
Als größte Herausforderung mit Blick auf die Zukunft betrachten die Veranstalter die Sicherung der Finanzierung (82 Prozent). Außerdem sehen 72 Prozent die gestiegenen Kosten für Technik, Personal und Sicherheit als bedeutendes Problem, während rund die Hälfte (54 Prozent) die steigenden Honorare für Künstlerinnen und Künstler als zentrale Herausforderung einstuft.
P.Mathewson--AMWN