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Lindner schwört FDP auf Arbeit außerhalb des Parlaments ein - emotionale Rede
Der scheidende FDP-Chef Christian Lindner hat seine Partei auf die Arbeit in der außerparlamentarischen Opposition eingeschworen und sich mit bewegenden Worten aus der Politik verabschiedet. Beim Parteitag in Berlin rief er die Mitglieder am Freitag dazu auf, diesen nach dem Wahldebakel vom Februar nicht als "Nullpunkt" anzusehen, sondern als "neuen Anfang für diese große freie demokratische Partei". Er fügte hinzu: "Die liberale Demokratie, sie ist ohne die liberale Partei nicht denkbar".
Es sei nun die Verantwortung der FDP, "die Reformen zu durchdenken und öffentlich einzufordern", die die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) brauche, "damit die eigenen neuen Schulden dauerhaft tragfähig sind", sagte Lindner in seiner Abschiedsrede. Er sprach damit das von Schwarz-Rot vor der Regierungsbildung beschlossene Finanzpaket an. Im Parlament "gibt es eine marktwirtschaftliche Opposition gegenwärtig nicht".
Lindner hielt am Freitag die letzte Rede seiner knapp zwölfjährigen Amtszeit. Er rechtfertigte darin trotz der historischen Wahlniederlage vom Februar erneut den Eintritt in die Ampel-Regierung 2021 - und die Inkaufnahme des Koalitionsbruchs im November 2024. Beides habe seine Partei "aus staatspolitischen Gründen" getan. In der Ampel-Koalition habe die FDP "getan, was in der Konstellation möglich war", sagte Lindner. Das Wahlergebnis werde nun aufgearbeitet.
Lindners Rede war ansonsten ungewöhnlich stark mit persönlichen, emotionalen Worten gespickt. Er dankte sowohl seiner Familie und seiner Ehefrau Franca Lehfeldt für deren "Nachsicht mit mir". An seine Frau gerichtet sagte Lindner: "Du musstest das Leben eines Politikers mitführen, obwohl Du mich geheiratet hast und nicht die FDP." Das bedeute ihm alles. Lindner und Lehfeldt sind vor kurzem Eltern einer Tochter geworden.
Seinen politischen Weggefährten, darunter neben seinem voraussichtlichen Nachfolger Christian Dürr auch dem scheidenden Generalsekretär Marco Buschmann und Parteivize Wolfgang Kubicki, dankte Lindner für deren Loyalität, Freundschaft und Humor. Er sei stolz, dass sich Dürr für seine Nachfolge bewerbe. Auch sein Nachfolger brauche die von ihm viel betonte "Loyalität - schenkt sie ihm und lasst ihn nicht allein". Die Zukunft der Partei liege nun "in der politischen und personellen Erneuerung".
Mit Lindner verlässt eine Ausnahmeerscheinung die politische Bühne. Die FDP führte er so lange wie keiner seiner Vorgänger, zudem war er zwei Jahre Generalsekretär. Unter ihm fuhren die Liberalen mehrere Wahlerfolge ein, aber auch empfindliche Niederlagen.
Ende 2013 hatte Lindner den FDP-Vorsitz übernommen, die Liberalen waren da gerade erstmals aus dem Bundestag ausgeschieden. 2017 führte er seine Partei als Spitzenkandidat zurück in den Bundestag und 2021 schließlich in die Ampel-Regierung.
Bei der Neuwahl im Februar trat er erneut als Spitzenkandidat an, konnte aber die schwachen Umfragen nicht mehr wenden. Das Resultat bei der Bundestagswahl waren das historisch schlechteste Ergebnis mit 4,3 Prozent und damit das zweite Ausscheiden aus dem Parlament. Lindner kündigte daraufhin noch am Wahlabend seinen Rückzug aus der aktiven Politik an.
Er will nun als freiberuflicher Redner und Autor tätig bleiben - und seine Familie in den Mittelpunkt stellen. "Ich schaue auf eine großartige Reise mit euch zurück und dafür bin ich zutiefst dankbar", sagte Lindner sichtlich berührt. Sein Abschied sei das Ende eines Kapitels - für die FDP beginne nun ein neues.
O.M.Souza--AMWN