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Ukraine greift St. Petersburg mit Drohnen an - Kiew dementiert russische Eroberung im Donbass
Die Ukraine hat massive Drohnenangriffe auf Russland ausgeführt und dabei insbesondere die Stadt St. Petersburg ins Visier genommen. In der Nacht zu Samstag habe die Luftabwehr fast 500 Drohnen abgefangen, teilte das russische Verteidigungsministerium am Samstag mit. Derweil dementierte Kiew die von Russland verkündete Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka im Osten der Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer "weiteren russischen Lüge".
Russland kündigte Vergeltung für die ukrainischen Drohnenangriffe an. Der Versuch, "zivile Infrastruktur in Russland zu beschädigten", werde eine "angemessene Reaktion" seitens der russischen Armee nach sich ziehen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Demnach hatte die russische Luftabwehr insgesamt 494 Drohnen sowie zehn Raketen abgefangen.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin zufolge wurden nahe der russischen Hauptstadt 62 Drohnen abgeschossen. In der Grenzregion Brjansk und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wurde nach russischen Angaben jeweils ein Mensch getötet. In der Region Belgorod wurden den Behörden zufolge Infrastruktureinrichtungen beschädigt, die Strom- und Wasserversorgung fiel teilweise aus.
In St. Petersburg wurden nach Angaben von Gouverneur Alexander Beglow 72 Drohnen abgefangen. Bei den Angriffen sei ein Erdölterminal im Bezirk Kirowski getroffen worden. Die "technischen Folgen" seien behoben worden, Opfer habe es nicht gegeben, erklärte er. Eine Drohne sei im Bereich des historischen Schloss- und Parkkomplexes Peterhof niedergegangen, ohne Schäden zu verursachen.
Der Leningrader Gouverneur Alexander Drosdenko meldete zudem eingeschlagene Trümmerteile im Bereich des Hafens Wyssozk nördlich von St. Petersburg nahe der Grenze zu Finnland.
Selenskyj erklärte, ukrainische Streitkräfte hätten Ölinfrastruktur in Häfen getroffen, die Einnahmen für Russlands Krieg erziele. Zudem habe es erfolgreiche Angriffe auf Kronstadt gegeben. Der Marinestützpunkt in St. Petersburg sei ein wichtiges militärisches Ziel.
Die ukrainischen Angriffe auf St. Petersburg erfolgten nach einem schweren russischen Angriff auf Kiew, bei dem am Donnerstag 30 Menschen getötet worden waren. Am Freitagabend wurden bei einem russischen Angriff auf das Zentrum von Sumy zudem nach ukrainischen Angaben mindestens vier Menschen getötet und 33 weitere verletzt.
Widersprüchliche Darstellungen gaben Kiew und Moskau zur Lage in der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka im Osten der Ukraine ab. Selenskyj wies die russischen Angaben zur angeblichen Eroberung Kostjantyniwkas scharf zurück. Der russische Staatschef Wladimir Putin habe "beschlossen, die Welt zu belügen", erklärte Selenskyj in Onlinediensten: "Natürlich ist das nicht wahr. Es ist nur eine weitere russische Lüge."
Der ukrainische Präsident schlug Putin ein Treffen in der Stadt vor. "Wenn Kostjantyniwka unter russischer Kontrolle wäre, dann hätte Putin vielleicht kein Problem damit, mich dort zu treffen, um einen diplomatischen Weg zu finden, diesen Krieg endlich zu beenden", erklärte er.
Der ukrainische Armeesprecher Andrij Kowaljow sagte der Nachrichtenagentur AFP, ukrainische Soldaten hielten weiter ihre Verteidigungslinien. Die Lage sei "schwierig", aber unter Kontrolle der ukrainischen Verteidigungskräfte. Kowaljow räumte ein, dass einzelne Soldaten tief in ukrainische Gefechtsformationen eingedrungen seien. In der Stadt liefen Anti-Sabotage-Einsätze, die russischen Kräfte würden "entdeckt und eliminiert".
Nach ukrainischen Angaben unternahmen russische Truppen am Freitag, dem Tag der angeblichen Eroberung von Kostjantyniwka, elf erfolglose Angriffsversuche auf die Stadt.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte am Freitag erklärt, Kostjantyniwka stehe vollständig unter russischer Kontrolle. Im russischen Fernsehen war Putin in Militäruniform zu sehen, wie er Soldaten für die angebliche Einnahme der Stadt dankte, die von "großer strategischer Bedeutung" sei. Das Verteidigungsministerium in Moskau bekräftigte am Samstag, russische Truppen hätten die Stadt "befreit".
Kostjantyniwka ist eine der letzten ukrainischen Bastionen auf dem Weg zu den Städten Kramatorsk und Slowjansk, die weiterhin unter Kontrolle Kiews stehen. In der Stadt lebten vor Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 rund 78.000 Menschen.
Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, er habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag in einem Telefonat über die Lage an der Front informiert. Schwerpunkt des Gesprächs sei die Unterstützung für die ukrainische Luftabwehr gewesen. "Oberste Priorität haben derzeit Raketen für die Patriot-Systeme", betonte Selenskyj. Merz erklärte, die Ukraine könne "sich auch weiter auf Deutschlands Unterstützung verlassen".
O.Johnson--AMWN