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90 Jahre nach Hinrichtung durch Nazis: Neue Gedenkanlage für Marinus van der Lubbe
Genau 90 Jahre nach der Hinrichtung des von den Nazis als mutmaßlicher Verursacher des Reichstagsbrands von 1933 verurteilten Marinus van der Lubbe ist auf dem Leipziger Südfriedhof am Mittwoch eine neue Grab- und Gedenkanlage eingeweiht worden. Während der Zeremonie erinnerten laut Stadtverwaltung unter anderem Vertreter der Familie van der Lubbes und der Stadt gemeinsam mit Historikern und Künstlern an den dort bestatteten Niederländer.
Der Brand des Berliner Reichstags vom 27. Februar 1933 und das Schicksal des angeblichen Brandstifters sind historisch von großer Bedeutung, weil das damalige Geschehen eine wichtige Rolle bei der Festigung der nationalsozialistischen Diktatur spielte. Der aus den Niederlanden stammende und in politischen Gruppierungen der Arbeiterbewegung gegen die Nazis aktive van der Lubbe wurde in dem brennenden Gebäude festgenommen.
Die Nationalsozialisten, welche die Macht zum damaligen Zeitpunkt noch nicht vollständig übernommen hatten, stellten den Brand als Beweis für eine staatsgefährdende kommunistische Verschwörung dar, die drastische Notstandsmaßnahmen rechtfertige. Sie nutzten die damaligen Ereignisse zur Festnahme politischer Gegner und für massive Grundrechtseinschränkungen.
Van der Lubbe wurde später vor dem Leipziger Reichsgericht angeklagt und im Dezember 1933 wegen Hochverrats und Brandstiftung zum Tod verurteilt. Er wurde am 10. Januar 1934 hingerichtet und danach anonym in einem Grab auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt. Das Todesurteil gegen van der Lubbe wurde 2008 von der Justiz "von Amts wegen" aufgehoben, weil es sich um eine Entscheidung auf Basis nationalsozialistischen Unrechts gehandelt hatte.
Bis heute ist umstritten, ob van der Lubbe den Brand im Reichstag wirklich allein legte. Es gibt unter Historikern auch die These, dass er dies nur gestand, um andere Mitglieder der Arbeiterbewegung zu schützen. Es gibt zudem die Theorie, dass er ein von den Nazis präsentierter Sündenbock war, während das Feuer tatsächlich von diesen gelegt und inszeniert worden war.
Erst seit dem vergangenen Jahr steht nach einem DNA-Abgleich fest, dass van der Lubbe tatsächlich auf dem Leipziger Südfriedhof bestattet ist. Initiiert wurde die forensische Untersuchung gemeinsam von der Stadt Leipzig und der örtlichen Paul-Bennhof-Gesellschaft, die sich um den Erhalt und die Pflege historisch bedeutender Grabstätten kümmert.
Spezialisten öffneten das van der Lubbe zugeschriebene Grab und nahmen Proben. Deren DNA-Profil wurde später mit dem eines Enkels des Bruders van der Lubbes abgeglichen, wobei es eine vollständige Übereinstimmung gab.
Die neue Grab- und Gedenkanlage an der authentischen letzten Ruhestätte van der Lubbes besteht nach Angaben der Stadt Leipzig aus einem bereits im vergangenen Jahr dorthin versetzten Gedenkstein von Künstlern aus den Niederlanden und einer Informationstafel. Dabei handelt es sich noch um ein Provisorium, das später aber durch eine dauerhafte Tafel ersetzt werden soll.
Y.Nakamura--AMWN