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Wal vor Insel Poel: Helfer können Rettungsversuch starten
Im Kampf um das Leben des Buckelwals in der Ostsee können die Helfer einer privaten Rettungsinitiative einen neuen Rettungsversuch wagen. Das neue Konzept der Helfer sei intensiv "abgeklopft worden durch unsere Fachleute", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Samstag auf der Insel Poel. Nach der Prüfung sei die Landesregierung zu der Erkenntnis gekommen, "dass wir das nicht ablehnen und damit dulden".
Das Land erteile keine Genehmigungen, nach den rechtlichen Vorgaben sei es grundsätzlich zulässig, einem hilflosen Wildtier zu helfen. Es werde "immer so getan, als ob wir irgendwas behindern oder verhindern", sagte Backhaus weiter. "Das ist schlicht und ergreifend unwahr." Maßstab der Bewertung bleibe der Tierschutz und die Frage, ob der Rettungsversuch ohne zusätzliche Gefahren für Mensch und Tier umgesetzt werden könne. Die Verantwortung für die Maßnahme liege weiterhin bei der privaten Initiative.
"Wir kriegen morgen oder jetzt in der Nacht höhere Wasserstände", fuhr der Minister fort. Er könne nicht ausschließen, dass sich der Wal vielleicht auch schon früh am Morgen von selbst auf den Weg mache.
Behörden und von diesen hinzugezogene Experten hatten den Zustand des etwa zwölf Meter langen Meeressäugers bereits vor mehr als drei Wochen als derart kritisch eingestuft, dass sie weitere Hilfsversuche mangels Überlebenschancen einstellten. Mehrfachstrandungen von Walen gelten als sicheres Zeichen für gravierende Beeinträchtigungen, dazu kommen noch etwaige Komplikationen wie Organschäden durch Liegen in Flachwasser.
In der vergangenen Woche entschied Backhaus jedoch, einen neuen Rettungsversuch einer von Unternehmern finanzierten Privatinitiative zu dulden. Ihr Konzept sah ursprünglich vor, den Wal mit einem System aus Luftkissen und Pontons anzuheben und bis in die Nordsee oder den offenen Atlantik zu schleppen. Dieser Plan ist inzwischen vom Tisch. Nun wird Backhaus zufolge ein Transport im Inneren eines Spezialschiffs ins Auge gefasst. Demnach könnte das anscheinend noch bewegungsfähige Tier in dem absenkbaren Spezialschiff anders als in der Pontonkonstruktion wie in einem Becken treiben oder schwimmen.
Das neue Konzept sehe "im Vergleich zu bisherigen Ansätzen eine schonendere Vorgehensweise" vor, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium am Samstag. "Der Wal soll während des Transports in einer wassergefüllten Umgebung bewegt werden, die den Eingriff in das Tier reduziert."
Der schätzungsweise zwölf bis 15 Tonnen schwere Wal muss vor dem Abtransport erst aus dem extrem flachen Bereich bewegt werden, in dem er seit Montag in einem von Helfern ausgespülten Sandbecken liegt. Dafür wollte die Initiative eine breite Rinne graben, die eine Verbindung zu tieferem Fahrwasser schaffen soll. Diese stehe schon bereit, sagte eine Sprecherin der Initiative am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.
Mit Blick auf den für Sonntag erwarteten Anstieg des Wasserstands bringe die Initiative so genannte Big Bags - mit Kies gefüllte Säcke - in die Nähe des Wals, erklärte die Sprecherin weiter. Diese sollen dafür sorgen, dass das Tier vor Ort in dem Becken bleibt und nicht in noch flachere Bereiche gerät, bis die Rettungsaktion startet.
Der Zustand des Wals bleibe "insgesamt weiterhin kritisch", erklärte das Umweltministerium weiter. Backhaus zufolge, der am Freitag selbst im Wasser bei dem Wal war, atmet das Tier "derzeit in Abständen von etwa drei bis vier Minuten, der Herzschlag ist regelmäßig, und das Tier zeigt Bewegungen" der Brustflossen.
"Ich sage: Wahrscheinlich lebt der Wahl länger, als man uns das vorher gesagt hat", sagte Backhaus am Samstag auf der Insel Poel mit Blick auf ein früheres Gutachten. "Das kann ich Ihnen hier heute sagen. Er sollte nämlich eigentlich schon tot sein. Das nehme ich zur Kenntnis."
L.Miller--AMWN