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Studie: Zuwanderung stützt Arbeitsmarkt - doch Integration muss besser werden
Der deutsche Arbeitsmarkt profitiert einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge von Zuwanderung, könnte dabei aber noch weitere Potenziale heben. "Eine bessere Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten mindert nicht nur den Fachkräftemangel, sondern erhöht auch die Steuereinnahmen und stabilisiert die Sozialversicherung", erklärte die Stiftung am Donnerstag in Gütersloh. Besonders große Potenziale gibt es demnach unter anderem bei qualifizierten Zugewanderten - sie würden "zu oft" lediglich als Helfer eingesetzt.
Laut der Studie steht der deutsche Arbeitsmarkt vor allem wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung vor großen Herausforderungen. So lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im März um 0,2 Prozent unter dem Vorjahreswert, obwohl die Zahl der ausländischen Beschäftigten deutlich um 3,4 Prozent zulegte. Der Grund dafür ist, dass die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit um 0,9 Prozent sank.
Unter dem Strich fehlten "binnen eines Jahres 75.000 Beschäftigte", erklärte die Stiftung. Zugleich sind demnach viele Branchen bereits jetzt auf Zuwanderung angewiesen: So habe knapp die Hälfte der Beschäftigten in Reinigungsberufen eine ausländische Staatsangehörigkeit (47,5 Prozent), in der Lebensmittelherstellung seien es fast 44 Prozent und in der Tourismus- und Gastronomiebranche 36 Prozent, führte die Bertelsmann-Stiftung aus. In der Pflege kommt demnach mehr als jeder fünfte Beschäftigte aus dem Ausland.
"Die Zahlen zeigen: Ohne Zuwanderung in beträchtlicher Höhe geraten viele Branchen in Schwierigkeiten", erläuterte der Arbeitsmarktexperte der Stiftung, Tobias Ortmann. "Auch, wenn mancherorts Stellen abgebaut werden, gibt es weiterhin über eine Million offene Stellen in Deutschland", fügte er hinzu. "Wer den Wohlstand unserer Gesellschaft bewahren will, muss die Integration von Zugewanderten verbessern", mahnte Ortmann. Es sei "höchste Zeit, die Debatte um Zuwanderung zu versachlichen".
Großes ungenutztes Potenzial gibt es laut der Studie bei zugewanderten Frauen, die deutlich weniger häufig sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind als diejenigen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Zudem arbeiteten ausländische Beschäftigte häufig unterhalb ihrer Qualifikation, erklärte die Stiftung. So arbeiteten in der Gruppe der deutschen Beschäftigten gut zwölf Prozent als Helferinnen und Helfer. Bei ausländischen Beschäftigten seien es hingegen fast 36 Prozent - und sogar mit Studienabschluss arbeiteten 12,5 Prozent der ausländischen Beschäftigten auf diesem Niveau.
Eine wichtige Stellschraube ist demnach die Sprachförderung: Gute Deutschkenntnisse erhöhten die Chance auf Arbeit, besonders bei Frauen, erklärte die Stiftung. Deshalb müsse eine verlässlich finanzierte und mit Qualifizierung und Kinderbetreuung verzahnte Sprachförderung ermöglicht werden, auch berufsbegleitend. Ähnlich entscheidend sei die Anerkennung von Abschlüssen und Berufserfahrung - denn viele Zugewanderte brächten Qualifikationen mit, könnten sie in Deutschland aber nicht nutzen.
Hierbei führen der Bertelsmann-Stiftung zufolge unterschiedliche Zuständigkeiten etwa nach Berufsfeld oder Region "zu langen Verfahren und häufig nur zu Teilanerkennungen". Deshalb müssten Nachqualifizierungen "schneller, berufsbegleitend und finanzierbar" sein.
Auch lange Asylverfahren und unsichere Bleibeperspektiven verzögern demnach die Arbeitsaufnahme "und schrecken Betriebe ab". Hinzu kämen "Schnittstellenprobleme zwischen Ausländerbehörden und der Arbeitsverwaltung". Nötig sei daher eine "gebündelte Anlaufstelle" für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, erklärte Bertelsmann-Arbeitsmartkexperte Roman Wink. Themen wie Sprache, Behördenprozesse und Kinderbetreuung müssten "als durchgängige Integrationskette funktionieren".
D.Cunningha--AMWN