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Israel verstärkt Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon
Israel hat seine Angriffe auf Hisbollah-Ziele in den Nachbarländern Libanon und Syrien weiter verstärkt. Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Viertel in der Hisbollah-Hochburg Baalbek im Osten des Libanon wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens acht Menschen getötet. Aktivisten berichteten zudem von 20 Toten in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, darunter militante Palästinenser und Hisbollah-Mitglieder. Die israelische Armee kommentierte die Angriffe zunächst nicht, äußerte sich aber zu vorherigen Angriffen in Beirut.
Wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte, waren unter den Toten des Angriffs in Baalbeks Stadtviertel al-Schaab fünf Frauen. Zudem seien zwölf Menschen verletzt worden. Bei dem Angriff wurde einem Mitarbeiter des libanesischen Zivilschutzes zufolge auch die dortige Zentrale der Behörde getroffen.
Dabei seien mindestens fünf Einsatzkräfte getötet worden, sagte der örtliche Zivilschutzmitarbeiter Samir Schakia. Der Regionalgouverneur von Balbeek, Baschir Chodr, fügte hinzu, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs mehr als 20 Einsatzkräfte in der Einrichtung aufgehalten hätten.
Auch aus dem benachbarten Syrien wurden israelische Angriffe gemeldet. Nach jüngsten Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei israelischen Luftangriffen in dem wohlhabenden Stadtteil Masseh in Damaskus sowie in Außenbezirken der Hauptstadt mindestens 20 Menschen getötet, darunter Mitglieder der Hisbollah sowie militante Palästinenser.
Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk verschiedener Quellen in Syrien. Die Angaben der Organisation sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.
Das syrische Verteidigungsministerium hatte zuvor zwei israelische Luftangriffe in Masseh und Vororten von Damaskus gemeldet. Nach Angaben des syrischen Präsidialamts fielen die Angriffe mit dem Besuch des hochrangigen iranischen Beamten Ali Laridschani zusammen, einem Berater von Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Laridschani traf sich demnach mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, um "regionale Entwicklungen und die israelische Eskalation" gegen die Palästinenser und den Libanon zu besprechen.
Aus Israel gab es dazu zunächst keine Angaben zu den Angriffen. Israel hat wiederholt Ziele pro-iranischer Milizen in Syrien angegriffen, äußert sich aber meist nicht dazu. Israel wirft der vom Iran unterstützten Hisbollah vor, Waffen durch Syrien in den Libanon zu schmuggeln, und erklärt immer wieder, es werde nicht zulassen, dass die israelischen Staatsgrenzen ausdehne.
Die Hisbollah ist in der an Syrien grenzenden libanesischen Bekaa-Ebene südlich von Baalbek ebenso wie im Südlibanon und in der libanesischen Hauptstadt Beirut fest verankert. Auch in Syrien weitet die vom Iran unterstützte, schwerbewaffnete Schiitenmiliz ihren Einfluss aus. Im Bürgerkrieg kämpft sie seit Jahren auf der Seite des syrischen Machthabers al-Assad. Für ihre Waffentransporte aus dem Iran ist die Miliz auf ihren Verbündeten in Damaskus angewiesen.
Zu ihren Angriffen im Libanon erklärte die israelische Armee am Donnerstag, sie habe in den vorherigen zwei Tagen rund 30 Ziele der Hisbollah in deren Hochburgen im Süden von Beirut beschossen. Es seien "Terrorziele in der Gegend von Dahieh in Beirut" angegriffen worden, hieß es in der Mitteilung. Die Angriffe seien Teil der Anstrengungen gewesen, "die militärischen Fähigkeiten der Hisbollah zu zerschlagen und zu schwächen".
Die Hisbollah hatte nach dem Großangriff der mit ihr verbündeten islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 mit regelmäßigen Raketenangriffen eine zweite Front gegen Israel eröffnet. Als Reaktion beschoss Israel Ziele der vom Iran unterstützten Miliz im Nachbarland.
Seit September hat die israelische Armee ihre Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon deutlich verstärkt. Zudem startete sie Ende September Bodeneinsätze gegen Stellungen der Miliz im Südlibanon begonnen.
Die Kämpfe seit Oktober vergangenen Jahres haben im Libanon laut einem Bericht der Weltbank mehr als fünf Milliarden Dollar (rund 4,8 Milliarden Euro) an wirtschaftlichen Verlusten verursacht. Besonders betroffen sind demnach die Bereiche Handel, Tourismus, Hotelgewerbe und Landwirtschaft. Zudem wurden seitdem fast 100.000 Wohneinheiten beschädigt, insbesondere im Süden des Landes, wie es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht heißt.
Zwischen der Wirtschaftskrise und den Auswirkungen des derzeitigen Konflikts verliere der Libanon den Gegenwert von "15 Jahren Wirtschaftswachstum", hieß es weiter mit Blick auf die schwere wirtschaftliche Dauerkrise des Landes. Der Staat ist bankrott, die Landeswährung verlor seit 2019 auf dem Schwarzmarkt mehr als 95 Prozent ihres Wertes. Armut und Arbeitslosigkeit haben zuletzt stark zugenommen.
T.Ward--AMWN