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Unternehmensinitiative pocht bei Gentechnik auf Kennzeichnungspflicht
Eine mögliche Lockerung der Regeln für neue Gentechnikmethoden in der Europäische Union stößt bei mehreren großen Unternehmen aus der deutschen Lebensmittelwirtschaft auf deutliche Ablehnung. Viele Kundinnen und Kunden stünden gentechnisch veränderten Produkten skeptisch gegenüber und wollten selbst entscheiden, "ob sie diese kaufen und essen", hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief, der von den Unternehmenschefinnen und -chefs von Frosta, dm, Alb-Gold, Alnatura und Andechser unterzeichnet wurde.
"Wir wollen weiterhin Produkte ohne Einsatz von Gentechnik produzieren und anbieten können", heißt es in dem Brief. 2022 seien allein in Deutschland 16 Milliarden Euro mit konventionellen Lebensmitteln umgesetzt worden, die mit dem Label "Ohne Gentechnik" versehen wurden. Im Biosektor waren es demnach 15,3 Milliarden Euro.
Gerichtet ist der offene Brief an den Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europaparlament und stellvertretenden CSU-Vorsitzenden Manfred Weber. Von der EVP als größter Fraktion im Europaparlament hänge ab, ob bei Produkten neuer Gentechnik "auch in Zukunft Transparenz und Wahlfreiheit gelten" und ob der EU-Ökolandbau weiterhin ohne Gentechnik arbeiten könne, heißt es darin.
Die Unterzeichner des Briefes zeigten sich "besorgt", dass die EVP gesetzliche Regeln durchsetzen wolle, die noch weiter als der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission gingen. "Wir ersuchen Sie und Ihre Fraktion dringend, Ihre bisher vertretene Position zu revidieren", heißt es in dem Brief. "Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten zu Recht, dass ökologisch und 'Ohne Gentechnik' erzeugte Produkte keine Gentechnik enthalten."
Hintergrund ist, dass derzeit im Europaparlament um eine Position zum Vorschlag der EU-Kommission gerungen wird, die Vorschriften für den Einsatz sogenannter Neuer Genomischer Verfahren (NGT) deutlich zu lockern. Die Mitgliedstaaten haben sich dem Vorschlag der Kommission bereits weitgehend angeschlossen. Bei der entsprechenden Abstimmung dazu hatte sich die Bundesregierung im Dezember in Brüssel enthalten - die FDP ist dafür, die Grünen sind dagegen.
NGT-Verfahren ermöglichen Eingriffe in die DNA einer Pflanze. Befürworter erhoffen sich dadurch neue Pflanzensorten, die sich besser an klimatische Veränderungen anpassen können, weniger Wasser benötigen oder resistenter gegenüber Krankheiten sind. Zudem sollen schneller neue Sorten auf den Markt kommen.
Die Geschäftsführerin der Drogeriekette dm, Kerstin Erbe, erklärte am Dienstag hingegen, dass - auch wenn gentechnische Verfahren heute präziser als früher seien - weiterhin Risiken zu beachten und zu bewältigen blieben. "Dafür brauchen wir eine klare Kennzeichnung als Entscheidungsgrundlage", mahnte sie.
Unterstützt wird der offene Brief vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), vom Ökoanbauverband Bioland, der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) und dem Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN).
O.M.Souza--AMWN