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Drusen erobern Stadt Suwaida in Südsyrien zurück - Erster Hilfskonvoi eingetroffen
Nach den brutalen Kämpfen mit mehr als tausend Toten im Süden Syriens ist es am Sonntag in der überwiegend von Drusen bewohnten Stadt Suwaida vorerst ruhig geblieben. Die religiöse Minderheit der Drusen eroberte die Stadt am Wochenende von sunnitischen Beduinen und mit ihnen verbündeten Milizen nach übereinstimmenden Angaben zurück. Eine Waffenruhe hielt weitgehend. Am Sonntag traf ein ertster Hilfskonvoi in Suwaida ein.
US-Außenminister Marco Rubio rief die Regierung in Damaskus auf, ihre Kräfte in der Region zu lassen, um neue Gewalt und Gräueltaten von Islamisten zu verhindern.
Kämpfer der Drusen, einer Abspaltung vom Islam, brachten die Stadt Suwaida nach Angaben von Aktivisten am Samstag vollständig unter ihre Kontrolle. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Sonntag mit, seit Mitternacht sei es "relativ ruhig". Die Regierungskräfte hätten Zufahrtsstraßen gesperrt, damit bewaffnete Kämpfer nicht nach Suwaida gelangen könnten.
Das syrische Innenministerium bestätigte ein Ende der Gefechte in der Stadt und die "Evakuierung" der Kämpfer. Auch Journalisten der Nachrichtenagentur AFP am Stadtrand von Suwaida berichteten am Sonntag, dass es ruhig geblieben sei.
US-Außenminister Rubio warnte die islamistische Regierung in Damaskus, die sich seit ihrer Machtübernahme im vergangenen Dezember gemäßigt gibt, vor einem Abzug ihrer Kräfte aus Suwaida. Die Truppen müssten in Südsyrien bleiben, "um den Islamischen Staat und andere gewalttätige Dschihadisten davon abzuhalten, in das Gebiet einzudringen und Massaker zu verüben", erklärte Rubio im Onlinedienst X. Nur so könne ein "vereintes, inklusives und friedliches Syrien" erreicht werden.
Rubio forderte die Regierung zudem auf, Mitglieder ihrer Sicherheitskräfte, die Gräueltaten in Suwaida begangen hätten, zur Rechenschaft zu ziehen. Die Beobachtungsstelle, Augenzeugen und Drusen hatten den Regierungskräften in Suwaida vorgeworfen, auf der Seite der Beduinen und ihrer sunnitischen Verbündeten gekämpft und Gräueltaten verübt zu haben.
Bei den vor einer Woche begonnenen Kämpfen in Südsyrien wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 1000 Menschen getötet. Unter den Todesopfern seien 336 drusische Kämpfer und 298 drusische Zivilisten, von denen 194 "von Kräften des Verteidigungs- und Innenministeriums in Schnellverfahren hingerichtet" worden seien, erklärte die Organisation, die ihre Informationen aus einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien bezieht und deren Angaben sich oft nicht unabhängig überprüfen lassen.
Zudem seien 342 Mitglieder der Regierungskräfte getötet worden und 21 Beduinen, darunter drei Zivilisten, die "von drusischen Kämpfern hingerichtet" worden seien, teilte die Beobachtungsstelle mit. Bei den israelischen Angriffen wurden demnach 15 weitere Regierungskämpfer getötet.
Die Kämpfe in Suwaida hatten am Sonntag vor einer Woche begonnen. Zur Unterstützung der Beduinen kamen von außerhalb Kämpfer syrischer Milizen und Stämme in die Region. AFP-Journalisten sahen einige dieser Kämpfer maskiert und mit Schnellfeuerwaffen, einer hatte ein schwarzes, islamistisches Band um die Stirn gebunden. Ein anderer hielt eine Schere hoch, mit der Drusen die Schnurrbärte abgeschnitten wurden - eine Demütigung für diese religiöse Minderheit.
Ein AFP-Reporter sah dutzende niedergebrannte Häuser, verbrannte Autos und Bewaffnete, die Geschäfte in Brand steckten, die sie zuvor geplündert hatten.
Israel hatte in den Konflikt eingegriffen und syrische Sicherheitskräfte in Suwaida und Damaskus beschossen, um nach eigenen Angaben die Drusen zu beschützen, stimmte dann aber am Freitag einer Waffenruhe zu. Einige Beobachter gehen davon aus, dass Israel durch das Eingreifen auch die Präsenz islamistischer Kräfte nahe seiner Grenze zu Syrien verhindern will. Auch syrische Regierungskräfte wollte Israel bisher dort nicht stationiert sehen.
Die EU hatte die vom US-Sondergesandten für Syrien, Tom Barrack, verkündete Waffenruhe zwischen Israel und Damaskus begrüßt. Im Onlinedienst X teilte Barrack mit, die Waffenruhe werde von regionalen Akteuren wie der Türkei und Jordanien unterstützt.
Am Sonntag rief Barrack alle Seiten auf, "sofort ihre Waffen niederzulegen" und den Teufelskreis von Gewalt und Rache zu durchbrechen. Syrien stehe an einer "Wegscheide". Der islamistische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hatte am Samstag sein Versprechen erneuert, ethnische und religiöse Minderheiten des Landes zu schützen.
Derweil trafen erste Konvois mit Hilfsgütern in Suwaida ein, die nach Angaben der syrischen Übergangsregierung stundenlang darauf gewartet hatten, in die Stadt einzufahren. Omar al-Malki vom Roten Halbmond sagte, der erste humanitäre Hilfskonvoi sei am Sonntag "in Abstimmung mit den Regierungsstellen und den lokalen Behörden in Suweida" angekommen. Weiter würden folgen.
Zuvor hatte der syrische Notfallminister Raed al-Saleh im syrischen Staatsfernsehen von einer "schlechten" humanitären Situation in Suwaida gesprochen. Einem Arzt vor Ort zufolge war bis Sonntagvormittag noch keine Hilfe angekommen. Die Menschen hätten keinen Strom und kein Wasser, sagte er der AFP.
Nach Angaben der UNO wurden durch die Kämpfe mehr als 128.000 Menschen aus der Provinz Suwaida vertrieben. In einem Bericht der UN-Organisation für Migration (IOM) vom Sonntag hieß es, die Zahl der Geflüchteten sei ab dem 19. Juli "steil angestiegen, mit mehr als 43.000 Vertriebenen an einem einzigen Tag".
A.Mahlangu--AMWN